Hiobsbotschaft für Kolbermoorer Eltern

von Redaktion

Kein Platz für 60 Kinder – Stadtverwaltung verschickt Absagen wegen Personalmangels

Kolbermoor „Es wäre eine Punktlandung geworden.“ Vor acht Wochen hat Karin Wallisch – bei der Stadt Kolbermoor für das Sachgebiet Kindertagesstätten (Kitas) verantwortlich – die Anmeldungen für das neue Betreuungsjahr und die vorhandenen Plätze miteinander verglichen. Mit dem Ergebnis: „Wir hätten in unseren Einrichtungen ausreichend Plätze für alle Anmeldungen.“ Insgesamt sind das 915 Plätze, davon 170 in Kinderkrippen, 700 in Kindergärten und 45 im Hort. Doch die Bedarfsplanung der Kommune und die Zahl der Plätze lösen das Problem nicht mehr.

Zu wenig Personal
für alle Kinder

Die Stadtverwaltung erreichte eine Hiobsbotschaft nach der anderen: „Die Träger der Einrichtungen setzten uns darüber in Kenntnis, dass sie zu wenig Personal haben und deshalb weniger Kinder aufnehmen können“, informiert Wallisch und bedauert: „Das bedeutet im neuen Betreuungsjahr leider, dass wir für 60 Kinder keinen Platz haben“, bedauert Wallisch. Die Zusagen sind am Montag, 24. April, an die Eltern verschickt worden. Aber eben auch die Absagen. Und das, „obwohl alle einen gesetzlichen Betreuungsanspruch haben“, wie Karin Wallisch betont.

Entscheidung
liegt beim Träger

Für die Entscheidung, wer einen und wer keinen Betreuungsplatz bekommt, gibt es in Kolbermoor keine definierten Regeln. „Das entscheiden die Träger“, erklärt Wallisch. Grundvoraussetzungen seien der Wohnort und das entsprechende Alter. Die Träger versuchten dann, die Gruppen nach ihren pädagogischen Konzepten optimal zusammenzusetzen.

Dass überall in Deutschland pädagogische Fachkräfte (Erzieherinnen, Sozialpädagoginnen) und pädagogische Ergänzungskräfte (Kinderpflegerinnen) fehlen, ist der Politik schon lange bekannt.

Aber dass es nun plötzlich „so einen Erdrutsch“ geben würde, hat alle Verantwortlichen in der Kolbermoorer Verwaltung überrascht.

Grundsätzlich müssen die Kommunen zwar den bundesgesetzlichen Rechtsanspruch auf Betreuung in einer Kindertagesstätte räumlich umsetzen. Für die Ausbildung der Fachkräfte aber ist der Freistaat verantwortlich. Die Stadt Kolbermoor hat ihre Hausaufgaben gemacht: „Wir bauen seit zehn Jahren eine Kita nach der anderen und dann fehlt den Trägern das Personal“, ist Bürgermeister Peter Kloo betroffen: „Das ist sehr bitter, und für manche Familien möglicherweise existenziell.“

Ein Blick zurück beweist: „Innerhalb von zehn Jahren wurden in sechs Einrichtungen 255 Kindergarten- und 85 Krippenplätze geschaffen“, informiert Karin Wallisch. Dazu gehört die Kinderkrippe „Mangfallwichtl“, die mit 48 Plätzen im Januar 2014 eröffnet wurde. Im September 2014 kam der Kindergarten „Harrerhaus“ mit 50 Plätzen hinzu. 113 Plätze entstanden 2017 im „Kieselstein“, darunter 100 im Kindergarten (mit denen aus dem Harrerhaus) und 13 in der Krippe. Im Juni 2018 eröffnete die Naturgruppe Kolbermoor Süd ihren Kindergarten für 25 Knirpse. 50 Kindergarten- und 24 Krippenplätze entstanden bei den Wollmäusen. Und schließlich ging im Oktober 2021 auch der Waldkindergarten an der Hölderlinstraße mit 80 Plätzen an den Start. „Damit haben wir gut vorgesorgt und genügend Plätze entsprechend unserer jährlichen Bedarfsplanung geschaffen“, macht Karin Wallisch das Dilemma klar, denn: „Nun mangelt es leider an Fachpersonal.“

„Anstrengung
auf allen Ebenen“

Doch wie überall stirbt auch bei der Kita-Betreuung die Hoffnung zuletzt: „Wir haben eine Warteliste. Sollte es den Trägern gelingen, in den nächsten Wochen und Monaten neue Fachkräfte einzustellen, kann vielleicht der eine oder andere Platz doch noch besetzt werden.“ Kurzfristig kann die Betreuungsmisere nicht gelöst werden. „Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das alle Kommunen betrifft. Es wird einer Anstrengung auf allen Ebenen bedürfen, um für die sozialen Berufe wieder genügend Menschen zu begeistern“, blickt Bürgermeister Peter Kloo in die Zukunft.

Situation heute Thema im Stadtrat

Heute ist die angespannte Betreuungssituation in Kolbermoor ab 18 Uhr Thema in der öffentlichen Stadtratssitzung. Auch ein Ausblick in die Zukunft ist geplant. Beispielsweise auf die viergruppige Kita, die an der Conradtystraße entsteht.

Sie wird die räumliche Betreuungskapazität in Kolbermoor weiter erhöhen. Die entscheidende Frage aber wird sein, ob es auch das erforderliche Personal gibt, um die Kita zu eröffnen.

Anspruch auf Betreuung

Artikel 2 von 7