Vier Millionen Euro für „Wollmäuse“

von Redaktion

Neue Kita im Spinnereipark mit 74 Plätzen nimmt Gestalt an – Eröffnung im Juli 2024

Kolbermoor – In einem Jahr können die „Wollmäuse“ dorthin umziehen, wo sie eigentlich hingehören: in die Spinnerei oder besser gesagt in den Spinnereipark. Am Donnerstag machte sich Bürgermeister Peter Kloo ein Bild vom Baufortschritt an der Conradtystraße 4. Das Gebäude ist ein Gemeinschaftsprojekt der Werndl & Partner GmbH und der Quest Baukultur GmbH. Geschäftsführer Max von Bredow und Projektleiterin Sophie Pfaffinger luden zum „Baustellenrapport“ ein.

Lichtdurchflutete
Räume in der Natur

Die „Wollmäuse“ dürfen sich auf ein tolles neues Reich freuen, denn das gesamte Erdgeschoss gehört allein ihnen. Jeder Raum ist von Licht durchflutet. Direkt davor beginnt die grüne Oase mit Filzenbach, Brücken, Weiher, Spielplatz, Spinnereiwald und freiem Blick in die Berge. Ein paar Schritte weiter können sie aus sicherer Entfernung sogar „Bob, den Baumeister“ bei der Arbeit am Conradtygelände beobachten. Im Moment hat der allerdings noch mit dem Innenausbau ihrer neuen Kita alle Hände voll zu tun. Der Estrich ist schon getrocknet. Überall stapelt sich jetzt das Baumaterial. Doch allmählich nehmen die Ideen der Architekten Gestalt an.

Aus „Drachenbuckel“
wird eine Bühne

So beispielsweise über der Einfahrt in die Tiefgarage. Die zeichnet sich im Kindergarten – also eine Etage darüber – wie ein Drachenbuckel ab. Doch wenn alles fertig ist, wird sie zu einem Spielparadies und ab und an auch zur großen Bühne für kleine Musikanten.

74 Kinder werden im Juli 2024 in die neue Kita einziehen, in der zwei Krippengruppen mit jeweils zwölf und zwei Kindergartengruppen mit jeweils 25 Plätzen entstehen. Und auch wenn sich die neue Kita mitten im Spinnereipark-Quartier befindet: „Sie ist für alle Kolbermoorer Kinder gedacht“, betont der Bürgermeister.

Die Stadt hatte im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages mit dem Bauträger vereinbart, die Kita für einen Festpreis von vier Millionen Euro zu erwerben. War der Preis damals marktgerecht, wäre sie heute – nach der Preisexplosion im Bau- und Energiesektor – um etwa 20 Prozent teurer. Glück für die Stadt. Pech für den Bauträger? „Nein, denn die Alte Spinnerei ist ein Gesamtwerk und unsere Partnerschaft mit der Stadt ist außergewöhnlich, ein faires Geben und Nehmen“, betont Max von Bredow.

Zudem, so ergänzt der Bürgermeister, werde mit der Kindereinrichtung auch die erforderliche Infrastruktur für das neue Quartier am Spinnereipark geschaffen. Und das nicht nur flächensparend, sondern auch nachhaltig: Das Gebäude ist eine Holz-Hybrid-Konstruktion“, erklärt von Bredow. Tiefgarage und tragende Bauteile sind aus Beton, die Außenfassade aus regional geschlagenem und verarbeitetem Holz.

Über der Kita entstehen auf vier Etagen 21 Wohnungen. „Da wir Anfang 2022 mit dem Bau begonnen haben, liegen wir noch bei einem Quadratmeterpreis von 7600 Euro“, informiert Projektleiterin Sophie Pfaffin- ger. Inzwischen sind die Preise weiter bergauf geklettert: „Wer heute mit dem Bau beginnt, muss 8000 Euro pro Quadratmeter veranschlagen. Im Historischen Neubau der Alten Spinnerei haben wir vor zwölf Jahren noch für 3000 Euro pro Quadratmeter gebaut“, umreißt von Bredow die Entwicklung der Baukosten, die vor allem von steigenden Energie- und Materialkosten befeuert wird. Seit dem Krieg in der Ukraine hat die Preisspirale eine neue Dimension erreicht. Energiekrise, Inflation und Zinsniveau führten auch in der Immobilienbranche zu großer Unsicherheit. „Seit einem Monat spüren wir, dass die Menschen wieder zuversichtlicher sind, möglicherweise weil wir den Winter ohne Blackout überstanden haben“, sagt Projektleiterin Pfaffinger. „Der Bedarf an Wohnraum ist groß. Seit März steigt auch die Nachfrage wieder.“

An der Conradtystraße 4 entstehen 21 Apartments mit Größen von 45 bis 170 Quadratmetern. „Unser Quartier ist ein Spiegel der Gesellschaft“, betont von Bredow. „Hier leben Menschen von der Geburt bis ins hohe Alter. Singles, Paare und Familien mit Kindern.“ Sie genießen die kurzen Wege zu Einkaufsmöglichkeiten und Ärzten in der Alten Spinnerei. „Alle Generationen sollen sich bei uns im Spinnereipark wohlfühlen“, beschreibt von Bredow das Credo von Projektentwicklern und Architekten. Deshalb sind Kita und Wohnen zwar nebeneinander und doch voneinander abgekoppelt. Nicht nur durch separate Eingänge.

Infinity-Grün schirmt
möglichen Lärm ab

Die Terrassen der Wohnungen im ersten Geschoss – also direkt über der Kita – befinden sich auf einem Biodiversitätsdach. So wird aus der Bepflanzung von Terrasse und Spinnereipark „Infinity-Grün“. Im Gebäude geht es mit dem Lift hinauf in die oberen Etagen, alternativ zu Fuß auch über geräumige Treppenhäuser. Was anmutet wie verschenkter Platz, ist bewusst großzügig gestaltet: „Die Menschen sollen sich nicht nur in ihren Wohnungen, sondern auch im Haus und der Umgebung wohlfühlen“, betont von Bredow, denn: „Gemeinschaft entsteht durch Kommunikation. Um zu ratschen, muss man verweilen. Und das will man nur in einer schönen Umgebung.“

„Tag der offenen Tür“
am 6. Mai ab 12 Uhr

Am Donnerstag haben sich die Türen des Mehrgenerationshauses an der Conradtystraße 4 für Bürgermeister Peter Kloo geöffnet. Am Samstag, 6. Mai, findet von 12 bis 16 Uhr für alle Interessenten ein „Tag der offenen Tür“ statt. Dazu sind nicht nur potenzielle Eltern und Mieter eingeladen, sondern auch künftige Erzieherinnen. Denn, so ist Bürgermeister Peter Kloo überzeugt: „Ein schönes Arbeitsumfeld ist auch ein Argument, wenn es darum geht, für unsere Kindereinrichtungen neue Fachkräfte zu gewinnen.“

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