Kolbermoor – Unter neuer Leitung von Karin Nesner hat das Akkordeonorchester Kolbermoor sowie der Gastauftritt des Akkordeonorchesters Chiemsee – unter der Leitung von Martin Schultheiss – die Besucher begeistert. Gemeinsam gestalteten die beiden Orchester ein vielfältiges Programm in Kolbermoor. Sie spielten zum Teil in Vollbesetzung mit 18 Akkordeons, begleitet von Rochus Wede am Schlagzeug. Auch separat waren die Orchester zu hören.
Die beiden Leitungen legten ihr Augenmerk darauf, nicht nur Virtuosität und Genauigkeit in den Vordergrund zu stellen. Auch Darbietungen mit unterschiedlichen Melodien und Rhythmen, teilweise mit ungewöhnlichen Klangexperimenten, zogen die Zuhörer in ihren Bann.
So tauschten zwei Spieler des Kolbermoorer Orchesters ihre Instrumente in eine Harfe und ein Saxofon ein, um bei der Präsentation der melancholischen Filmmusik „Tanti anni prima“ zu überzeugen. Dirigentin Nesner eröffnete auf ihrer Kalimba – ein einfaches zartes Klangmusikinstrument, ein etwa 20 mal 20 Zentimeter großes Holz-Metall-Zupfinstrument – das Stück „Masel Tov“ mit verträumten Klängen. Dann setzten die Akkordeonspieler in voller Anzahl ein und vollendeten das Stück mit einem fulminanten sowie rasanten und voluminösen Finale.
„Auf einem persischen Markt“ von Albert W. Ketèlbey zählte für viele zum Lieblingswerk des Abends. Nachdem zunächst Moderatorin Alexandra Frank-Klebe mit ihrer unterhaltsamen Art die Zuhörer auf eine Reise mit einer Kamelkarawane in eine orientalische Stadt einstimmte, gelang es dem Akkordeonorchester Kolbermoor, die Gedanken-Expedition der Zuhörer fortzusetzen. Das Stück forderte die erfahrenen Spieler heraus, sie waren dem aber sehr wohl gewachsen.
Aber auch seitens des Akkordeonorchesters Chiemsee dürfte den Besuchern einiges im Gedächtnis bleiben. So gewann Dirigent Schultheiss in charmanter Weise spontan zwei neue Mitspieler aus dem Publikum für das Stück „Souvenirs de Suisse“ für zwei ungewöhnliche Instrumente, nämlich Kuhglocken. Virtuos trug das Akkordeonorchester Chiemsee das beschwingte französische Walzerstück vor und erntete dafür großen Beifall der Gäste.
Von Jung bis Alt kam jeder im Publikum auf seine Kosten. Eine Zuhörerin, die zum ersten Mal bei einem Akkordeonorchester im Konzert war, avancierte sogleich zum neuen „Fan“: „Takt zu zählen und Noten umzusetzen ist das eine. Ihr habt es dabei auch noch geschafft, den Menschen Freude zu vermitteln.“
Die beiden Orchester rundeten das gelungene Sonntagabend-Konzert mit den Zugaben „Bad Guy“ von Billy Eilish und „Bella Ciao“ in sehr moderner und rhythmischer Musikrichtung ab. Das große Spektrum verschiedener Stilrichtungen machte bei den begeisterten Zuhörern große Lust auf mehr.