Kolbermoor – Still war es damals noch in Kolbermoor: Es gab nur den Jageranderl in Mitterhart, den Fischer in der Schwaig und den Reiter im Holz (Grubholz). Ende der 1850er-Jahre wurde dann mit dem Bahnbau die Gegend erschlossen und es kam Leben in die Gegend Kolbermoor. 1861/62 entstand die Spinnerei, wobei sich viele Arbeiter aus Österreich und dem böhmischen Raum hier niederließen. Diese gründeten dann am 15. Februar 1863 mit zwei Männer-Doppelquartetten den Chor Concordia, der bis heute als Musik- und Gesangverein besteht.
Erstaunlich ist dabei, dass es bereits einen Gesangverein gab, bevor Kolbermoor mit etwa zwei Dutzend Häusern und einigen Bauernhöfen zur politischen Gemeinde erhoben wurde. Spinnereidirektor Carl Jordan war Vorsitzender und ein großer Förderer des Vereins. 1907 war die Concordia an der Gründung eines Sänger-Gauverbandes wesentlich beteiligt. 1920 ging es mit Chorleiter Katechet Held steil nach oben und als 1920 Georg Müller den Dirigentenstab übernahm, entstand der gemischte Chor.
Während der Nazizeit drohte der Untergang, doch Vorsitzender Hans Kondula vereinte den Rest der alten Getreuen, bestehend aus 14 Sängern, wieder und verhalf mit Hans Helfer als Dirigent der Concordia zu neuem Leben. Ihm folgten Erwin Seegerer und 1956 Kapellmeister Gerd Müller, beide mit großem musikalischen Talent gesegnet. Am 5. Juni 1966 wurde dem Chor mit der Verleihung der Zelter-Plakette eine große Ehre zuteil. Vorsitzender Erich Arsan nahm sie im Schloss Pommersfelden von Bundespräsident Heinrich Lübke entgegen. 1973 wurde die Concordia gemeinnützig und zählte dabei gerade einmal 20 aktive Sänger. 1981 feierte Gerd Müller sein 25-jähriges Dirigentenjubiläum mit zwei großen Konzerten. Im selben Jahr wurde Helmut Jägerbauer zum Vorsitzenden ernannt.
Gerd Müller blieb dem Verein über 50 Jahre als Dirigent erhalten. Es folgten noch einige Dirigenten und Vorsitzende ehe Angelika Fabian im Januar 2003 den Vorsitz übernahm. Um einen erneut drohenden Zerfall der Concordia (Eintracht) entgegenzuwirken, übernahm sie auch 2017 den Dirigentenstab. Für einige Monate zwischendurch konnte die Kreischorleiterin Ursula Wisuschil als Dirigentin gewonnen werden. Derzeit besteht die Concordia noch aus 17 aktiven Sängern, wobei der Frauenanteil überwiegt. Freundschaften, die sich teilweise über Jahrzehnte im Chor gebildet haben, halten ihn noch aufrecht. Leider sind aufgrund der Altersstruktur und fehlender Stimmen keine größeren Konzerte mehr möglich.
Dennoch will die Concordia ihren 160. Geburtstag feiern. Am Samstag, 27. Mai, findet im Gasthof Servus (ehemalig Füglein) zu diesem Anlass ab 10 Uhr ein Wirtshaussingen statt. Es wird darum gebeten, vorsichtshalber beim Wirt unter Telefon 08031/2906855 zu reservieren.
Wer Singen und Geselligkeit liebt, wird gerne im Chor aufgenommen. Das Alter ist egal, Notenkenntnisse sind nicht erforderlich. Auskunft gibt es bei Angelika Fabian unter der Telefonnummer 08031/94327.