Kolbermoor – Manchmal hat man als Mann im Leben doch Vorteile. Zum Beispiel beim Familienfest des Trachtenvereins Immergrün. Dort hatten alle kleinen Männer nur die Qual der Wahl, ob sie jetzt zuerst Tretbulldog fahren, an der Kegelbahn üben, auf den Spielplatz gehen, Pony reiten, Heuhupfen oder Hufeisen bemalen sollten. Eine Möglichkeit wenigstens schied schon von vornherein aus: sich eine „Dirndlfrisur“ machen zu lassen.
Dirndlfrisuren
besonders gefragt
Bei den Mädchen aber war gerade diese Station heiß begehrt. Zu dritt versorgten Christine Zehetmair, Andrea Heilmann und Maria Unterlehner ihre Kundschaft und kamen doch der Nachfrage zeitweise kaum nach.
Der besondere Überraschungseffekt für die begleitenden Mamas: Es gab kein Geschrei und Gejammer beim einleitenden Haare kämmen. „Bei uns daheim ist das immer ein Drama“, war eine erstaunte Äußerung, die von so gut wie allen Müttern zu hören war. Hier aber saßen die jungen Damen lammfromm und gespannt darauf, wie sie in ein paar Minuten wohl aussehen würden.
Mütter folgen
ihren Töchtern
Die Antwort ist: durch die Bank hinreißend, sodass auch einige Mütter dem Beispiel ihrer Töchter folgten und sich die Haare zu Zöpfen flechten und aufstecken ließen. Weshalb das Dirndl-Frisieren in gewissem Sinn das Familienfest auf den Punkt bringt – es ist wirklich für alle, vom kleinen Kind bis zu Eltern und Großeltern, etwas dabei.
„Genau das ist uns wichtig“, sagt dazu Christian Zehetmair, der seine Frau Christine, die derweil Zöpfe flocht, sozusagen mental unterstützte. „Jeder Mensch sucht auch in seiner Freiheit nach etwas, wo er dazugehören kann, an dem er auch außerhalb der eigenen vier Wände daheim ist. Und wir wollen zeigen, dass der Trachtenverein etwas ist, wo Jung wie Alt eine solche Heimat finden können.“
Den Impuls, sich die Immergrünen näher anzuschauen, geben dann nach diesen Familientagen oft die Kinder, bemerkt dazu auch Vorstand Christian Staudinger, „und die ziehen ihre Eltern dann mit“. Mit Erfolg, wie schon der erste Familientag vom letzten Jahr zeigte. Etwa sieben neue Mitglieder hat der Verein in der Folge gewonnen, ein doppelter Gewinn sozusagen denn, wie Christian Zehetmair sagt: „Der ,kleine‘ Nachwuchs sichert unserm Verein die Zukunft und die dazu gehörigen Eltern bringen sich in der Folge nicht selten ebenfalls ein – etwa in dem sie beim Organisieren solcher Feste helfen, das ohne eine Mannschaft von rund 50 helfenden Frauen und Männern nicht zu stemmen wäre.“
Ein Fest für die
Sicherung der Zukunft
Schließlich, um nur einen Punkt herauszugreifen, waren Torten, Kuchen und alle anderen süßen Leckereien, die an diesem Tag neben „handfestem und biertauglichem“ Essen verkauft wurden, durch die Bank selbst gebacken.
Natürlich ist der Familientag aber viel mehr als nur eine besonderes kluge Form der Werbung in eigener Sache. „Es geht“, so sagt Christian Staudinger, „in allererster Linie darum, den Kolbermoorern ein Fest zu bieten“.
Beitrag zu einer
„Stadt voller Leben“
Schließlich meinte Bürgermeister Peter Kloo auf dem Geburtstagsjubiläum des Vereins nicht umsonst, die Immergrünen seien ein wesentlicher Beitrag zur „Stadt voller Leben“, als die sich Kolbermoor selbst beschreibt.
Die Kolbermoorer bedankten sich wiederum ganz einfach: In dem sie in Scharen zum Familientag kamen. Johannes Thomae