Kolbermoor – Beim Infotag der Stadtsing- und Musikschule Kolbermoor haben sich zahlreiche potenzielle Nachwuchsmusiker ein Bild vom Angebot der Einrichtung gemacht. Welche Instrumente besonders ankamen – und welches nur Mädchen anzog.
Was ist los, wenn die Musikschule so voll ist, als wären dort alle ihre rund 750 Schüler auf einmal zu Besuch? Dann ist Infotag, an dem alle Instrumente vorgestellt werden, die man dort lernen kann. Und es sieht nicht so aus, als ob da Eltern eher uninteressierten Nachwuchs im Schlepptau hinter sich herziehen würden. Der Wunsch, dort vorbeizuschauen, kommt, wie man hört, meist von den Kindern selbst.
Erster Kontakt
im Schulunterricht
Etwa von der bald zwölfjährigen Mia aus Bad Aibling. Dort hatte im Schulunterricht eine Lehrerin die Gitarre vorgestellt, samt allen „Ablegern“ davon. Mia hatte es besonders die Bassgitarre angetan und jetzt steht sie da in der Musikschule mit dem umgehängten Instrument und so wie Mia strahlt, sieht es ganz so aus, als würde die Chemie zwischen den beiden auf Anhieb stimmen. Zumal Sepp Rottmayr ihr nicht nur bei den ersten Griffen hilft, sondern auch meint, das Schöne an der Bassgitarre sei, dass man relativ schnell irgendwo mitspielen könne. „Und Frauen am Bass – die sind sowieso der Renner.“
Der Mama in den Ohren gelegen
Ähnlich ist es bei der sechsjährigen Lais. Sie war ihrer Mama schon länger in den Ohren gelegen, dass sie gerne Klavier lernen würde. Die war zögerlich. „Klavier lernen? Mit sechs? Da hat man doch gar keine Ahnung, was da an ,Üben müssen‘ auf einen zukommt.“ Doch als sich Lais ans Klavier setzen darf, und beherzt in die Tasten greift, tut sie das ganz wie „eine Alte“. Zwar ist das, was herauskommt, noch nicht unbedingt melodisch, „aber“, so sagt Elisabeth Riedl, die an der Musikschule Klavier unterrichtet, „die Fingerhaltung ist bei ihr ganz von selbst schon richtig und so wie sie beim „Spielen“ ganz und gar bei sich ist, könnten sich hier zwei gefunden haben.“
Natürlich stoßen nicht alle sofort auf ihr Trauminstrument. Die meisten der Kinder suchen einfach nach etwas, um ihren Wunsch, selbst Musik zu machen, umsetzen zu können. Ein nach wie vor beliebter Einstieg ist da die Blockflöte. Für sie spricht nicht zuletzt, dass sie keine große Investition erfordert, man weiß ja nie, wie lang die Kinder bei der Stange bleiben, wenn es tatsächlich ans Üben geht. Und dass Flöten viel mehr sind als „0815-Einstiegsinstrumente“, das konnten die Kinder bei den Kurzkonzerten der Lehrer erleben, in der alle Instrumente versammelt zu hören waren.
Außerdem, so meint Julia Berger, die an der Musikschule Flöte und Klavier unterrichtet: Wenn es mit dem Üben zäh wird, kann man durch solche Angebote wie den Infotag immer wieder mal überprüfen, ob es am Üben an sich oder an einem eigentlich ungeliebten Instrument liegt. Auch sie habe schon Flötenschüler, bei denen es nur sehr zäh voranging, einfach mal ans Klavier gesetzt. Und siehe da: Da war auf einmal ein Instrument, das echte Leidenschaft entfachen konnte, eine ganz wesentliche Voraussetzung fürs Üben aus eigenem Antrieb.
Was diese Faszination für das eine oder andere Instrument angeht – eines scheint nach wie vor ungeklärt. Warum gerade die Harfe so viele Mädchen, aber nur wenig Buben anzieht. Wenn Uschi Laar zu Demonstrationszwecken einmal in die Seiten griff, war nur Momente später der Raum voller kleiner Damen. Und hier zeigt sich auch wieder, wie toll es ist, dass es an diesen Infotagen alle Instrumente zu sehen und auszuprobieren gibt. Eines von den vielen Mädchen, die gedankenverloren in die Seiten griffen, war Lena, die sich zum Schluss aber dann doch dafür entschied, Saxofon lernen zu wollen.
„Am Ende“, so meint Julia Berger, „ist es auch gar nicht wichtig, für welches Instrument sich die Kinder entscheiden.“ Welches auch immer es ist, es stehe wissenschaftlich fest, dass kaum eine andere Betätigung die Kinder auf allen Ebenen so sehr fördere, wie es das Lernen eines Instrumentes tue. Oder anders gesagt: Ein größeres Geschenk, als dies zu ermöglichen, kann man seinem Kind nicht machen.