Kolbermoor – Gegen Mittag kommen die Mitarbeiter des Bauhofes vor dem Rathaus an. Sie haben eine wertvolle Fracht geladen: Rostige Lettern, die sie am Morgen in Taufkirchen sicher verpackten, um sie unversehrt nach Kolbermoor zu bringen. Auf dem Rathausplatz haben sie Folie ausgelegt. Mit Kran und Muskelkraft werden die Buchstaben vom Lkw auf den Boden gehievt. 400 Kilogramm schwer, einen Meter hoch und sieben Meter breit ist das Monument, das von August bis Oktober in Kolbermoor ein Zeichen für den Frieden setzt.
„Genau zu richtigen Zeit“, sagt Bürgermeister Peter Kloo, der mit anpackt, um das schmiedeeiserne Kunstprojekt aufzustellen und zu verschrauben. „Es trifft auf einen Zeitgeist, der sich leider mehr und mehr zur Intoleranz hin entwickelt,“ sagt er besorgt: „Es ist immer weniger Empathie zu spüren. Ich hoffe, dass diese Botschaft für den Frieden die Menschen zum Nachdenken anregt. Darüber, ob man Aggression braucht oder ob nicht Gelassenheit und aufeinander Zugehen besser sind.“
Schriftzug von 73 Künstlern geschaffen
Kreiert wurde der stählerne Schriftzug von den österreichischen Künstlern Alexandra Rangger und Bernhard Witsch in Zusammenarbeit mit 71 weiteren Kunstschaffenden. Ausgangspunkt des Projekts war die Idee, die Metallflächen der einzelnen Buchstaben als Raum für die individuelle Gestaltung zu nutzen. Künstler und Kreative waren eingeladen, ihre persönliche Botschaft zum Thema No Hate in Form eines Motivs, einer Wortkreation oder eines kurzen Satzes zu gestalten.
Schließlich konnte der österreichische Schmied Bernhard Witsch die Beiträge von 71 Künstlern mit Plasmaschnitt im Metall verewigen. „Mit diesem Kunstprojekt zeigen wir, dass unterschiedliche Positionen, Perspektiven, Herangehensweisen und Meinungen in eine gemeinsame Aussage münden können, die sich in diesem Fall für respektvolle und hassfreie Begegnung und konstruktives Miteinander einsetzt“, betont Bernhard Witsch. Die riesige Metallskulptur stellt den Schriftzug No Hate auf den Kopf, denn: „So verkehren wir das Negativum – den Hass (Hate) – in seine Verneinung – in No Hate“, erklärt Witsch. „Wir beziehen Position für das, was uns als Stärke vereint, stehen für ein Miteinander und plädieren gegen jede Form von Hass“, so die Botschaft der 73 Künstler.
Schmiede sind Friedensbotschafter
„Schmiede sind weltweit Botschafter für den Frieden“, sagt Peter Elgaß, Vorsitzender des Fördervereins Europäisches Zentrum für zeitgemäße Metallgestaltung und Cheforganisator der Schmiede-Biennale in Kolbermoor. Die Schmiede stellen das Monument kostenlos zur Verfügung. Die Transportkosten übernimmt der Förderverein. Der Bauhof sorgt dafür, dass es sicher steht, keine Metallschlieren auf dem Rathausplatz hinterlässt und in Rindenmulch eingebettet wird. „Daran sieht man wieder, was man gemeinsam schaffen kann, und wie gut die Zusammenarbeit in Kolbermoor funktioniert“, würdigt Elgaß die Kooperation. Die Präsentation des stählernen Monuments No Hate eröffnet am Sonntag, 6. August, um 18 Uhr die Zwischen-Biennale der Kolbermoorer Schmiede, an der sich die Vereine der Stadt bis in den Oktober mit zahlreichen Aktionen beteiligen. Am Sonntag lädt der Trachtenverein „D‘Mangfalltaler“ zum Knüpfen eines Friedensnetzes ein. „Aus Maurerschnur und fluoreszierendem Acrylglas entsteht ein Netz, das Kolbermoor als eine Stadt voller Leben symbolisieren soll“, erklärt Claudia Beutl, Jugendleiterin der Mangfalltaler. An insgesamt vier Projekttagen wird das Netz immer weitergeknüpft und soll in der Dämmerung zwischen den Bäumen im Rathauspark leuchten. Projektstart ist am 6. August, 19.30 Uhr. An- oder weitergeknüpft wird am Dienstag, 19. September, ab 18 Uhr; am Freitag, 6. Oktober, ab 18 Uhr und am Freitag, 20. Oktober, ab 18 Uhr.
Das Miteinander
sichtbar machen
„No Hate, diese soziale Plastik vor dem Rathaus, ist uns Anlass, das Miteinander in der Stadt im Rathauspark auf diese Weise sichtbar zu machen“, beschreibt Stadtmarketing-Chef Christian Poitsch und lädt ein: „Ob Enkel oder Großeltern – jeder, der einen Knoten machen kann, kann sich an der Aktion beteiligen und so Teil unseres Friedensnetzwerkes werden.“