Bauarbeiten sind auf der Zielgeraden

von Redaktion

Strömender Regen, ein verletzter Finger, eine Panne und eine Nachtwache auf dem Parkplatz. Die Sanierung der Kolbermoorer Feuerwache, die schon vier Jahre dauert, hält auch auf der Zielgeraden noch Überraschungen bereit.

Kolbermoor – Es schüttet wie aus Eimern. Und das ausgerechnet am Montag. In zwei Tagen sollte die Sanierung der Kolbermoorer Feuerwache abgeschlossen sein, die von Unwägbarkeiten wie der Corona-Pandemie und den Lieferengpässen nach Beginn des Krieges in der Ukraine begleitet wurde.

Seit vier Jahren ist der Kommandant der Feuerwehr gleichzeitig „Bauleiter“ und hat die Einsatzbereitschaft seiner Mannschaft unter schwierigen Bedingungen aufrechterhalten – so wie auch jetzt wieder.

Mobile Feuerwache
eingerichtet

Die Woche begann für die Kolbermoorer Kameraden gestern um 6 Uhr mit einem Einsatz. In der Schäfersiedlung hatte ein Lkw-Fahrer noch einen Sturmschaden vom Unwetter am Samstag entdeckt. Ein Baum war auf sein Fahrzeug gefallen. Der musste erst entfernt werden, damit er auf Tour gehen konnte. Unmittelbar danach ging‘s in der Feuerwache ans Ausräumen. Da der Asphalt im Hof abgefräst werden sollte, mussten die Fahrzeuge der Wehr auf den Parkplatz an der Haßlerstraße ausweichen.

Pendler-Parkplatz
bleibt gesperrt

Hier richtete sich die Wehr eine vorübergehende Wache ein: mit einem Brandsicherheitsmobil, Stromversorgung über einen Außenverteiler und einer provisorischen Umkleide im Folienzelt der Stadtbusse. Der Pendler-Parkplatz bleibt für ein paar Tage komplett gesperrt, damit im Einsatzfall Platz für die anrückenden Kameraden ist. „Der Bauhof hat die Sperrung und Beschilderung übernommen, vorsorglich die Bäume auf dem Parkplatz zurückgeschnitten und die Stromversorgung gesichert“, bedankt sich Kommandant Armin Hörl für die Unterstützung.

Das THW Rosenheim lieferte Beleuchtungsgeräte an, damit die Ersatzwache auf dem Parkplatz großflächig ausgeleuchtet werden kann. An alles ist gedacht. Alles ist organisiert. Auch die Beaufsichtigung der Fahrzeuge. „In allen Fahrzeugen muss der Schlüssel stecken, damit sie im Einsatzfall sofort starten können. Für die Ladeerhaltung müssen sie zudem im Wechsel an die Stromversorgung angeschlossen werden“, beschreibt Hörl.

Michael Fliehmann gehört zu den Kameraden, die mit anpacken. Er hat die erste Wache geschoben und nimmt sich in seinem Jahresurlaub Zeit fürs Ehrenamt. Gefühlt ist er mit der Kolbermoorer Wehr schon seit Tagen im Einsatz. Am Unwettersamstag in Kolbermoor, in der Nacht zu Sonntag bei der Sicherung eines vom Sturm abgedeckten Hauses in Bad Endorf, Montagmorgen wieder in Kolbermoor an der Alten Post. Nun am Parkplatz. „Nach dem Abfräsen bringen wir unsere Technik wieder in die Fahrzeughalle. Am nächsten Morgen müssen sie dann für zwei Tage noch einmal vom Hof, damit asphaltiert werden kann. Dann müssen wir hier auch eine Nachtwache einlegen“, informiert der Kommandant. Doch werden die Pläne so aufgehen? Montagmorgen stehen auf dem Hof die Bagger und Lkw, die den Asphalt abtransportieren sollen. Die Fahrer warten. Doch die Fräse kommt nicht. Dann die Information: Der Fahrer hat sich in den Finger geschnitten, wird im Krankenhaus behandelt. Eine andere Fräse soll anrücken. Aus München. Das kann dauern. Doch dann hat der Lkw, der die Ersatzfräse nach Kolbermoor transportieren soll, eine Panne.

Neuer Tag, neues Glück. Heute startet ein zweiter Versuch, den Asphalt abzufräsen. Für die Feuerwehrler werden aus drei Umzugs- und Wachtagen nun vier. „Es wäre ein Wunder, wenn auf der Zielgeraden nicht auch noch Überraschungen warten würden“, lacht Kommandant Armin Hörl. Er ist seit vier Jahren mit der Sanierung der Feuerwache vertraut und kennt die Unwägbarkeiten einer Großbaustelle. Die größte Herausforderung? „Die ganzen vier Jahre“, sagt er. Die Baustelle wanderte durch die Gebäude. Während der gesamten Zeit mussten die Kameraden mit Provisorien auskommen. „Es war manchmal schon wie ein Tanz auf dem Drahtseil, die Einsatzbereitschaft jederzeit zu gewährleisten“, sagt er. Doch die Truppe hat es geschafft, und ihre Geduld hat sich gelohnt.

Das Gebäude wurde umfassend saniert, das Dachgeschoss ausgebaut. Für Frauen und Männer entstanden erstmals separate Umkleiden. Es gibt einen Erste-Hilfe-Raum zur Erstversorgung verletzter Kameraden. Direkt in der Fahrzeughalle entstand ein neuer Waschplatz. Hier kann Einsatzkleidung unmittelbar nach der Rückkehr von Brandherden grob gesäubert und getrocknet werden, um eine Kontaminierung der Umkleiden mit giftigen Rauchgasen oder Rußpartikeln zu vermeiden. Auf modernstem technischen Stand ist auch das „Reich“ der zwei hauptamtlichen Gerätewarte Armin Hörl und Andi Paukert. Der Schlauchturm ist einer modernen Kompaktschlauchpflegeanlage gewichen. In Schwarz-Weiß-Bereichen werden kontaminierte und saubere Einsatzuniformen, Atemschutzgeräte und Schläuche voneinander getrennt. In der Atemschutzwerkstatt sorgen die Gerätewarte für die Sicherheit der Kolbermoorer und Pullacher Atemschutzgeräteträger.

Moderne
Einsatzzentrale

Im Erdgeschoss entstand eine moderne Einsatzzentrale. Sie ist jetzt über Monitore mit der Leitstelle gekoppelt. Im Obergeschoss sind für Kommandanten, Dienstgrade, Verein und Jugendfeuerwehr geräumige Büros entstanden. Für reguläre drei Übungen pro Woche, zusätzliche Lehrgänge und Prüfungen bietet nun ein großer Schulungsraum den mehr als 100 aktiven Kameraden beste Möglichkeiten. Zudem wurde im Dachgeschoss eine Atemschutzübungsstrecke eingerichtet.

Stadt investiert
sieben Millionen Euro

Im Obergeschoss befinden sich auch Aufenthaltsräume. Die Jugendfeuerwehr hat sich gemütlich eingerichtet. Das neue Floriansstüberl bietet 55 Personen Platz – in Verbindung mit dem Schulungsraum sogar 150. Die Außenanlagen waren der letzte Bauabschnitt, der nun vor der Vollendung steht. Nun muss nur die Fräse noch ankommen und ab Mittwoch der Regen aufhören, damit asphaltiert werden kann. Die Stadt Kolbermoor hat sieben Millionen Euro in die moderne Feuerwache investiert. Die Ausstattung von Dienst- und Schulungsräumen sowie Stüberl hat der Feuerwehrverein übernommen.

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