Kolbermoor – „Die Zeit verfliegt im Nu“, konnten viele Eltern und Großeltern gar nicht glauben, dass sie ihre Kleinen nun schon in die Schule bringen. Nach unbeschwerten Jahren in der Kita hat gestern für 176 Kolbermoorer Kinder ein neues Abenteuer begonnen.
83 Abc-Schützen wurden an der Adolf-Rasp-Schule begrüßt. Rektorin Carola Vodermaier lud sie zu einer langen, spannenden Reise in einem Reisebus voller Leben ein und stellte den Kindern ihre neuen „sprechenden Navis“ vor: Martina Eckl für die Klasse 1a, Irmi Ritter für die 1b und Nicola Stockbauer für die 1c. Die zweiten Klassen, die nun endlich nicht mehr die Kleinsten an der Schule sind, überraschten die Erstklässler mit einem bunten Programm. Und dann ging es für sie zum ersten Mal in die Klassenzimmer, während die Eltern bei Kaffee und Kuchen – serviert vom Elternbeirat – ins Gespräch kommen konnten.
Gut aufgestellt
durchs Schuljahr
Die drei ersten Klassen haben jeweils 27 beziehungsweise 28 Schüler (2). Insgesamt lernen an der Adolf-Rasp-Schule jetzt 339 Kinder. „Ich bin mit unserer Personalsituation zufrieden“, erklärt Rektorin Carola Vodermaier. Mit den ausgebildeten Pädagogen können die Hauptfächer abgedeckt werden. Für 22 Wochenstunden stehen dem Kollegium zudem „Substitutionskräfte“ – also schulische Unterstützungskräfte – zur Seite.
Weitere 15 Stunden pro Woche decken Schulassistenten und zwei Stunden „Brückenbauer“ ab. Sie sind gemeinsam mit den Pädagogen im Unterricht, fördern beispielsweise lernschwächere Kinder, übernehmen Pausenaufsichten oder Kopierarbeiten. Zudem bieten sie in einem eigenen Raum Förderstunden für Kinder mit Sprachbarrieren oder Lernschwächen an.
„Ich bin froh, dass wir so gut aufgestellt sind, denn so werden unsere Lehrer entlastet und können sich auf den Unterricht konzentrieren“, ist Vodermaier dankbar. Wie das funktioniert, war schon in der ersten Stunde der Klasse 1c zu erleben.
Während Lehrerin Nicola Stockbauer ins intensive Gespräch mit ihren Schülern vertieft war, spielten Victoria Lidschreiber und Ilona Zimmermann auf den hinteren Bänken sprichwörtlich „Mäuschen“ und lernten die neuen Kinder kennen. Beide sind „Substitutionskräfte“. Victoria aus Miesbach studiert Lehramt und hilft nebenbei an der Grundschule. „Ich liebe meinen Beruf und kann so schon ein wenig Praxisluft schnuppern“, sagt sie und freut sich auf das neue Schuljahr. Ilona aus Feldkirchen-Westerham ist eigentlich promovierte Ingenieurin. Ihren Beruf hat sie für ihre Kinder an den Nagel gehängt. Seit zwei Jahren hilft sie für 15 Wochenstunden an der Grundschule. „Das war eine gute Entscheidung – für mich und für meine Familie“, weiß sie heute.
Kein Kind soll zurückbleiben
Die Kinder der 1c bemerken die Frauen im Hintergrund gar nicht. Sie sind ganz neugierig auf ihre neuen Klassenkameraden, stellen sich einander vor und lernen Tricks kennen, wie sie ein Zwillingspärchen auseinanderhalten können. 40 Prozent der Grundschüler haben einen Migrationshintergrund. Doch ganz egal, ob sie Leni, Loni, Camilla, Fabian, Samir oder Lukas heißen und woher sie oder ihre Familien gekommen sind – am ersten Schultag steigen alle gemeinsam in eine Schule voller Leben ein, um auf eine vierjährige Reise zu gehen. „Die hat natürlich tolle Etappen, aber auch steinige und bergige Abschnitte“, erklärt Carola Vodermaier den Kindern und gibt ihnen mit auf den Weg: „Denkt immer daran: Ihr seid nicht allein.
Damit keiner zurückbleibt, gibt es nicht nur die Lehrerin und Klassenkameraden, sondern unter anderem das Fach Deutsch als Zweitsprache und vom Verein „Sonnenstern“ Nachhilfe in Deutsch sowie individuelle Förderungen durch die Substitutionskräfte. Der Unterricht ist mit pädagogischen Fachkräften abgesichert. Hinzu kommen 39 zusätzliche Wochenstunden von Unterstützungskräften. Doch all das reicht nur für die Pflicht – den Unterricht nach der Stundentafel, nicht aber für die Kür. „Arbeitsgemeinschaften wie Chor, Theater oder einen Knobelkurs für junge Mathematiker gibt es nicht mehr“, bedauert die Rektorin. „Es wäre schön, wenn es mehr Angebote gäbe“, sagt Elternbeiratsvorsitzende Vjera Eberle. Momentan könnten die Kinder die AG Brauchtum besuchen und seien von der Bläserklasse in Kooperation mit der Musikschule total begeistert. Doch Eberles Kind wurde zu Corona-Zeiten eingeschult, deshalb ist für sie ein lebendiger Schulalltag das größte Geschenk: „Wir sind froh, dass der Unterricht abgesichert ist. Und dafür reißen sich unsere Lehrer hier echt ein Bein aus.“
Schulweghelfer dringend gesucht
Die Grundschulen mussten auf den Lehrermangel mit Kürzungen von Neigungsgruppen reagieren, denn schon seit Langem geht es in Bayern vor allem um eines: Vor jeder Klasse sollte ein Lehrer stehen. Zusatzangebote genießen nun nur noch die Kinder, die die offene Ganztagsschule besuchen. An der Adolf-Rasp-Schule sind das 160 von 339 Schülern, also 47 Prozent. Je nach den Arbeitszeiten und dem sich daraus ableitenden Betreuungsbedarf der Eltern können sie nach Unterrichtsende bis 14 oder 16 Uhr betreut werden. Zum Ganztagsangebot gehören neben der Betreuung sportliche und spielerische Angebote sowie ein extra zu bezahlendes Mittagessen. Die Kosten der Betreuung tragen Freistaat und Kommune.
Am Dienstag waren auch die Schulweghelfer zum ersten Mal wieder im Einsatz. In Höhe der Kirche an der Heubergstraße und direkt vor der Grundschule an der Breitensteinstraße helfen sie den Kindern von etwa 7.30 bis 8 Uhr sicher über die Straße. „Wir brauchen 20 Schulweghelfer“, wirbt Koordinatorin Angelika Mairhofer um Unterstützung. Etwa sechs Mitstreiter werden noch gesucht, sie können sich direkt an der Schule unter Telefon 08031/9414690 oder per E-Mail an adolf-rasp-schule@online.de melden.
Mit einem herzlichen „Hi, hello, bonjour, guten Tag“ hieß die Klasse 2a am gestrigen Dienstag 93 Abc-Schützen der Mangfallschule im Mareissaal willkommen. Die Zweitklässler konnten sich noch gut an ihre eigene Einschulung erinnern und so natürlich die Aufregung der Schulanfänger gut nachempfinden. Rektorin Christa Wagner begrüßte die Schulanfänger und ihre Familien mit dem Rat, Vertrauen in die Kinder zu haben, ein Stück weit loszulassen und die Kinder zu bestärken, mit Freude und Zuversicht auf den neuen Lebensabschnitt zu blicken.
Die „großen“ Mangfallschüler hießen die Erstklässler mit einem musikalischen Programm willkommen und gaben ihnen gute Wünsche mit auf den Weg. Gemeinsam mit ihren neuen Klassenlehrerinnen durften die Schulanfänger ihre Klassenzimmer betreten und sich erstmal etwas umschauen. Währenddessen wurde im Elterncafé in der Schulmensa vom Elternbeirat Kaffee und Kuchen angeboten. Im Anschluss an den ersten Schultag fand in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit eine Kindersegnung statt.
93 Abc-Schützen an der Mangfallschule
An der Mangfallschule gibt es vier neue erste Klassen mit 93 Abc-Schützen. Hier variiert die Klassenstärke zwischen 22 und 24 Schülern. „Wir können mit unseren Lehrern die volle Stundentafel abdecken“, informiert die Rektorin. Für weitere 25 Stunden pro Woche sind Substitutionskräfte im Einsatz. „Eine wurde uns vom Schulamt gestellt, eine haben wir aus dem Brücken-Programm selbst gewinnen können“, erklärt Wagner. Symbolische Brücken wurden mit einem bayerischen Förderprogramm gebaut, um den Schülern beim Aufholen pandemiebedingter Lernrückstände zu helfen. Für das Schuljahr 2023/24 konnten die Schulen dafür noch einmal Mittel beantragen. Ziel ist eine individuelle Förderung der Kinder im Regelunterricht. Dafür steht dem Lehrerkollegium der Mangfallschule für 15 Stunden pro Woche außerdem eine Schulassistentin zur Seite.
50 Prozent mit Migrationshintergrund
Mehr als 50 Prozent der 328 Mangfall-Grundschüler haben einen Migrationshintergrund. Für sie gibt es in der ersten und zweiten Klasse das zusätzliche Angebot „Deutsch als Zweitsprache“. Den Nachmittag verbringen die Grundschüler ganz unterschiedlich, es konnten je nach der familiären Betreuungssituation für Hort, Mittagsbetreuung oder eine gebundene Ganztagsklasse pro Jahrgang angemeldet werden.
„Das Ganztagsangebot integriert kreative, musikalische oder sportliche Zusatzangebote. Da sind die Regelklassen auf jeden Fall schlechter aufgestellt“, räumt die Rektorin ein, denn auch die Mangfallschule hat trotz aller Helfer und Brückenbauer keine freien Kapazitäten für Arbeitsgemeinschaften.