Kolbermoor/Pfaffing – Eine Kalaschnikow samt Munition hat ein 32-jähriger gehortet, bis ihn das Spezialeinsatzkommando der Polizei verhaftete. Dazu kommen Drogen und brutale Gewalt gegen seine Kolbermoorer Freundin, die er ins Gesicht gebissen und bewusstlos geschlagen haben soll. Jetzt wurde dem 32-Jährigen am Amtsgericht München der Prozess gemacht – wegen gefährlicher Körperverletzung und unerlaubten Besitzes von Kriegswaffen.
Kalaschnikow und
hundertfach Munition
Kriegswaffen üben auf manche Menschen eine faszinierende Wirkung aus. Nur so lässt sich erklären, wie ein Mann (32) aus der Gemeinde Pfaffing seine Kalaschnikow serbischer Bauart (Zastava M64) mit mehreren Hundert Schuss Munition hegte und pflegte und für die illegale Waffe immer wieder ein neues Versteck suchte.
Im September 2022 soll er seine damalige Freundin und heutige Verlobte in deren Wohnung in Kolbermoor fürchterlich verdroschen haben. Er habe ihren Kopf 30-mal wuchtig gegen den Boden geschlagen, fünfmal soll sie das Bewusstsein verloren haben.
Frau gezwungen, die
Pulsadern aufzuritzen
Er soll sie ins Gesicht gebissen und sie dazu genötigt haben, sich die Pulsadern aufzuritzen. So steht es zumindest in der Anklage. Monate später, nach einem zweiten Vorfall, rief die Frau die Polizei. Das löste Mitte Januar 2023 eine ganze Kaskade des Spezialeinsatzkommandos der Polizei aus. Der 32-Jährige wurde im Grafinger Café Central verhaftet. Im Zuge mehrerer Durchsuchungen an seinem Wohnsitz in der Gemeinde Pfaffing fand man ein Sturmgewehr, ein Springmesser und einen illegalen Böller. Die Kalaschnikow hatte er wahlweise bei der Lebensgefährtin, bei einem Freund und in seinem Auto deponiert. Gegen besagten Freund läuft ebenfalls ein Verfahren. Er soll sich zwar gegen die Lagerung der Kalaschnikow verwehrt haben, laut Anklage aber von dem Hauptangeklagten eine halbautomatische ungarische Armeepistole (PA63) angenommen haben – samt vollem Magazin. Ob das serbische Sturmgewehr überhaupt noch funktioniert, blieb unklar. Denn eigentlich wurde am Montag kaum verhandelt – zumindest nicht öffentlich.
Hinter verschlossenen Türen hingegen diskutierten Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger stundenlang. Es ging um Wegbeschränkung, drohende Haftstrafe und ein Geständnis. Zunächst hatten die Verteidiger jegliche Angaben abgelehnt. Am frühen Nachmittag stand fest, dass der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung eingestellt würde.
Paar hat gerade
ein Kind bekommen
Angeblich passten die Verletzungsmuster am Körper der Lebensgefährtin nicht zu den Aussagen der Frau. Diese kann momentan und wohl auch länger nicht vernommen werden. Sie bekam Anfang der Woche ein Kind – vom Angeklagten. „Unser Mandant kennt seine Tochter noch nicht und freut sich, sie zu sehen“, erklärte Verteidiger Vincent Burger. Der frisch gebackene Vater nickte eifrig.
Faustschläge in Bauch
der Schwangeren
Zuvor hatten die Anwälte für ihn noch die Waffen-Vorwürfe eingeräumt sowie Handgreiflichkeiten ihres Mandanten gegen seine schwangere Verlobte in dem zweiten Fall. Angeblich hatte er aus Eifersucht versucht, ihr das Handy wegzureißen und ihr dabei mit dem Ellenbogen und der Faust in den Bauch geboxt – angeblich nicht absichtlich und schwer unter Kokaineinfluss. „Er bereut zutiefst, wie er mit seiner Freundin umgegangen ist“, sagten die Verteidiger. „Ich hatte konsumiert“, sagte der Angeklagte quasi als Entschuldigung und: „Es tut mir leid, wahrscheinlich habe ich sie verletzt.“
Haft und
Entziehungskur
Drogen und Alkohol spielten in seinem Leben schon länger eine unrühmliche Rolle. Vom Amtsgericht Rosenheim brauchte er ein Urteil wegen Drogendelikten mit. Daraus resultierte auch eine Unterbringung in der Entziehungsanstalt. Die wird er auch nach dem Münchner Urteil antreten müssen, denn das Rosenheimer Verfahren soll in die neue Entscheidung mit einfließen. Diese fällt das Amtsgericht München erst Ende September. Wegen des Geständnisses steht derzeit eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten im Raum.