Kolbermoor – Um es vorwegzunehmen: Nicht nur in Kolbermoor ist es (bis auf die Handy-Warnungen) am bundesweiten Warntag am vergangenen Donnerstag stillgeblieben, sondern im gesamten Landkreis Rosenheim. Der Grund: Die derzeit 156 Feuerwehr-Sirenen im Kreisgebiet können nur den Warnton zum Brandschutz abspielen, aber nicht den speziellen Ton zur Warnung der Bevölkerung. Das teilte das Landratsamt auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mit. An einem möglichen Konzept zur Umrüstung der Sirenen werde gearbeitet. In Kolbermoor dagegen wird es schon im Oktober umgesetzt.
Anlagen werden im
Oktober geliefert
Dann werden am Rathaus, am Glasberg und bei der Pullacher Feuerwehr drei Sirenen des Typs ECI 600 und an der Adolf-Rasp-Schule eine vom Typ ECI 1200 installiert. Der Gesamtwert: etwa 50000 Euro. „Der Warnton wird dann im gesamten Stadtgebiet zu hören sein“, informiert Ordnungsamtschef Thomas Rothmayer. Um das abzusichern, war vorab im Rahmen eines Beschallungsgutachtens nach geeigneten Standorten auf kommunalen Grundstücken mit der erforderlichen Infrastruktur gesucht worden.
Die neue Anlage bei der Feuerwehr in Pullach hat eine Besonderheit: Sie wird nicht auf dem Dach, sondern auf einem etwa zwölf Meter hohen Masten installiert.
Dafür nimmt die Gemeinde zusätzliche 30000 Euro in die Hand, erreicht aber einen doppelten Effekt, denn am neuen Masten können die Feuerwehren auch Höhenrettung und Absturzsicherung trainieren.
Ein Blick zurück: In Zeiten des Kalten Krieges gab es in Deutschland ein flächendeckendes Netz von 80000 Sirenen. Nach der Wiedervereinigung wurden diese weitestgehend abgebaut, weil man der Meinung war, dass Funk und Fernsehen, Internet oder Handy-Benachrichtigungen für Warnungen ausreichen würden.
Im Kolbermoorer Stadtgebiet gibt es derzeit noch zwei Sirenen – eine auf dem Dach der Mangfallschule, die andere auf dem alten Feuerwehrgerätehaus am Pullacher Kreisel. Damit können die Menschen im Zentrum der Stadt und in Pullach im Notfall gewarnt werden, nicht aber die Einwohner südlich der Staatsstraße, in Lohholz oder Mitterhart.
Lehren aus der
Katastrophe im Ahrtal
Die Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 riss ganz Deutschland aus dem Schlaf und machte klar: Eine Warnung über Handy-Apps funktioniert nur, solange Strom da ist. Bei einem Blackout sind Internet und Handynetze tot. Deshalb rückten die traditionellen Warnsysteme wieder in den Fokus: Im Oktober 2021 legte der Bund ein Programm zur Förderung von Um- und Neubauten von Sirenen zur Warnung der Bevölkerung auf. 88 Millionen Euro waren im Pott und wurden auf die Bundesländer verteilt.
Kolbermoor reagierte sofort: In einer Beschallungsprognose wurden technische Rahmenbedingungen, geeignete Standorte, unterschiedliche Reichweiten der einzelnen Sirenen, rechtliche Grundlagen wie Lärmschutzverordnungen und die spezielle gemeindliche Situation geprüft. Das Ergebnis: Um alle Ortsteile abzudecken, würden vier zusätzliche Sirenen gebraucht. Im Mai 2022 waren alle Unterlagen beisammen, stellte die Stadt Kolbermoor das Projekt dem Stadtrat vor und mit seinem Segen auch den Förderantrag. Doch da waren die Millionen schon aufgebraucht.
Zwar wurde das Sirenenförderprogramm bis Ende 2024 verlängert, doch ob es auch mehr Geld geben würde, ist bis heute nicht klar. Um den Ausbau des Warnsystems trotzdem voranzutreiben, beantragte die Stadtverwaltung die Förderunschädlichkeit eines vorzeitigen Maßnahmebeginns. Diese wurde von der Regierung Oberbayerns abgelehnt. Also beschlossen die Kolbermoorer, die Sicherheit ihrer Stadt vor eine mögliche Förderung zu stellen. In einem einstimmigen Votum sprach sich der Stadtrat dafür aus, vier neue Sirenen am Rathaus, dem kommunalen Wohnhaus am Glasberg 15, an der Adolf-Rasp-Schule und am neuen Feuerwehrhaus in Pullach zu installieren. Die Kosten für die Sirenen wurden auf 50000 Euro geschätzt. Und auf fast genauso viel Geld verzichtete die Stadt, denn: Mit dem Sirenenförderprogramm wäre die Installation einer Sirene auf dem Dach eines Gebäudes mit 10850 Euro und auf einem Mast mit 17350 Euro bezuschusst worden.
Schneller ohne
Fördermittel
Mit dem Verzicht auf die Fördermittel hat die Stadt vor allem Zeit gespart, denn schon im Oktober sollen die vier Anlagen geliefert und installiert werden. Damit ist spätestens im November in jedem Zipfel der etwa 20 Quadratkilometer großen Kommune ein Warnton zu hören. Nicht nur am nächsten bundesweiten Warntag, sondern auch an einem Samstag im Monat, Punkt 12 Uhr.