Kolbermoor – Die Kinder von heute lesen nicht mehr? Sie daddeln nur noch stumpfsinnige Spiele auf ihren Handys? Von wegen! Fast 180 Kinder haben in diesem Jahr beim SommerferienLeseclub der Stadtbücherei mitgemacht und innerhalb von acht Wochen fast zwölfhundert Bücher ausgeliehen und verschlungen.
Bücher in den
Ferien verschlungen
Viele davon – 150 Kinder nämlich – haben während der Sommerferien sogar drei oder mehr Bücher gelesen. Und die durften am vergangenen Freitag an einer Preisverlosung im Rathaus teilnehmen. 150 Kinder ist zunächst nur eine Zahl – ein Gefühl dafür, wie viele kleine begeisterte Leseratten das wirklich sind, bekam man erst an diesem Abschlusstag des Sommerferien-Leseclubs: Der große Sitzungssaal im Rathaus war derart gefüllt, dass man die Türen weit öffnen musste, damit begleitende Eltern wenigstens von der Empore aus noch etwas mitbekamen.
Seit zehn Jahren nimmt Kolbermoors Stadtbücherei jetzt an der bayernweiten Aktion des Sommerleseclubs teil, und ein bisschen erinnert die Erfolgsgeschichte der Bücherei an das berühmte Schneeball-Beispiel: Aus einer ganz kleinen Schneekugel kann schnell eine ordentliche Lawine werden. Denn, so sagt Andrea Sondhauß, die Leiterin der Bibliothek, Lesen sei ja kein x-beliebiges Hobby, das man als Kind irgendwann einmal betreibe, um es dann als Jugendlicher oft wieder sein zu lassen.
„Wer einmal vom Lesevirus infiziert ist, bekommt ihn meist sein ganzes Leben lang nicht mehr los.“ Schon von daher ist klar, dass die Leserzahl der Stadtbücherei ständig wächst – wer als Kind liest, tut dies in der Regel auch als Jugendlicher und Erwachsener. Außerdem ist da das Beispiel lesender Geschwister. Wer eine ältere Schwester oder einen älteren Bruder hat, den man immer wieder tief in ein Buch versunken erlebt, der manchmal selbst beim Mittag- oder Abendessen nicht davon lassen möchte, will selbst erfahren, was es damit auf sich hat.
„Und alle, die nicht auf diese Art und Weise in die Bücherei finden, muss man einfach anlocken“, meint Büchereimitarbeiterin Tatjana Feuerer. Deshalb touren sie und Jana Giebel, die stellvertretende Büchereileiterin, vorm Beginn der großen Ferien auch durch die Schulen und stellen dort vor, was die Bücherei zu bieten hat.
„Es geht hier wirklich darum, die erste Schwelle zu überwinden“, meinen beide übereinstimmend und sie haben wohl recht: Wer einmal in der Bücherei drin war, den hat sie auch schon gefangen. Viel dazu tragen allein schon die Büchereiräume bei, groß, hell, lichtdurchflutet. Und natürlich der Buchbestand, der immer Neues bietet. Allein für den Sommerleseclub wurden 328 neue Kinder- und Jugendbücher angeschafft, vom Comic über Kinderkrimis bis zum Sachbuch. Wobei das Büchereiteam eben nicht dem alten Klischee entspricht, also nicht aus ältliche Damen besteht, die bei den Buchbestellungen Comics nur mit Taschentuch und spitzen Fingern anfassen würden.
„Mit welchem Buch man zum Lesen verführt wird, ist eigentlich ganz egal“, meint Andrea Sondhauß, „Hauptsache man fängt überhaupt an“. Kindgerecht deshalb auch die Abschlussveranstaltung mit ihrer Verlosung: Von Eisgutscheinen bis zum Hauptpreis, einer Familienkarte für einen Wildfreizeitpark bei Wasserburg, gab es 36 Gewinne, darunter natürlich jede Menge Buchgutscheine. Und wer nicht zu den glücklichen Gewinnern zählte, konnte sich auf einem langen Tisch einen kleinen Trostpreis aussuchen, zudem gab’s hinterher als Überraschung noch einen richtigen Kinofilm.
Was der eigentliche Hauptgewinn war
Der eigentliche Hauptgewinn war aber zweifellos, zum Lesen verlockt worden zu sein. Denn nur der, der liest, weiß, welche wunderbaren Welten sich dadurch erschließen und in welche „Kopf-Abenteuer“ man sich stürzen kann. Bemerkenswert auch die Tatsache, dass gute Bücher mit guten Geschichten im Grunde nicht altern: Unter den Top Ten der nachgefragten Büchern war in diesem Jahr, man glaubt es kaum, Urmel aus dem Eis.