Abbruch über dem Mangfallkanal

von Redaktion

Brücke am Garnmagazin der Alten Spinnerei wird umweltschonend abgerissen

Kolbermoor – Die Arbeiten am Garnmagazin der Alten Spinnerei gehen in die nächste Runde. Gestern begann der Abriss der Brücke, die vom Spinnereigelände über den Mangfallkanal ins Garnmagazin führt. Über sie verlief einst die direkte Schienenverbindung vom Bahnhof zum ehemaligen Vorratslager für Baumwolle. Nun frisst sich der Kran in den Stahlbeton. In wenigen Tagen ist die alte Brücke für immer Geschichte.

Das Bauwerk war so sanierungsbedürftig, dass es nicht erhalten werden konnte. Dass mit dem Abriss erst jetzt begonnen wurde, lag vor allem an sechs Wasserfledermäusen, die im Gewölbe der Brücke ihr Domizil hatten. „In fachlicher Begleitung des Biologen Dr. Christoph Manhart haben wir für die Tiere an drei naheliegenden Mangfall-Brücken zehn Ausweichquartiere geschaffen“, erläutert Thomas Arnold, Projektleiter bei Werndl & Partner. Zum Schutz der Tiere durfte auch die Baustelle am Garnmagazin nachts nicht beleuchtet werden. Nachdem sie ihr Sommerquartier verlassen haben, konnte der Abbruch beginnen.

Kraftwerksbetrieb
nicht eingeschränkt

Die größte Herausforderung war es, eine technische Lösung für den Abbruch zu erarbeiten, damit der Betrieb des Wasserkraftwerks nicht eingeschränkt wird. „Deshalb wurde unter der Brücke aus Längs- und Querstahlträgern eine Plattform mit seitlichen Schutzwänden gebaut, um das Abbruchmaterial aufzufangen“, erläutert Arnold. Sie befindet sich weit genug über der Wasseroberfläche, sodass der Abfluss der Mangfall bei allen Wasserständen gewährleistet ist. Zudem wurde der Brückenbogen mit Holzpfählen abgestützt, damit der Abbruch möglichst kleinteilig erfolgt.

In mühseliger Kleinarbeit zerlegt der Bagger in den kommenden Tagen Meter für Meter der alten Brücke: Der Schremmhammer schlägt seinen Meißel unaufhörlich in den Beton. Die Erschütterungen sind auch am Ufer zu spüren. Dann zertrennt eine gewaltige Zange die Stahlbewehrungen. „Jetzt kann man gut erkennen, dass die Brücke ein monolithischer Bau ist, sozusagen aus einer Einheit besteht, und der Beton durch den Stahl verbunden ist“, erklärt der Bauingenieur. Mitte Oktober soll der Abbruch abgeschlossen sein.

Ende November ist der Bau der beiden Einzelfundamente für die neue Brücke geplant. „Sie werden zusätzlich mit Mikropfählen verstärkt, um ihre Tragkraft zu erhöhen“, kündigt Thomas Arnold an. Anfang nächsten Jahres soll der Rohbau der Brücke beginnen. Das freispannende Brückentragwerk entsteht aus Stahlelementen, die vor Ort verschraubt oder verschweißt werden. Die Tragwerkshöhe wird künftig als Raum für gläserne Büros genutzt. Auf der Brücke sollen Begegnungsflächen für die Bürger mit Sitzgelegenheiten und Pflanzen entstehen. Der alte Ladehof des Garnmagazins wird zu Terrassen umgestaltet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Neue Verbindung
von Nord und Süd

Im Garnmagazin sollen künftig Gewerbe und Wohnen angesiedelt werden. Das ehemalige Zufahrtstor, durch das einst die Schienen vom Bahnhof direkt ins Gebäude führten, wird für die Bürger geöffnet. An dieser Stelle entsteht ein Durchgang für Radfahrer und Fußgänger, die künftig aus den Wohngebieten im Süden der Stadt über die Brücke über den Werkskanal bequem zu Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten im Spinnereiareal gelangen können. Voraussichtlich Anfang 2025 sollen die Arbeiten an der neuen Brücke abgeschlossen sein. Dann können auch die Fledermäuse zurückkehren, denn auch für sie werden Quartiere geschaffen.

Das Garnmagazin selbst wird in Holzbauweise um zwei Etagen aufgestockt. Die Holzkonstruktion führt die Proportionen des Ziegelbaus fort, sodass ein Dialog aus Alt und Neu entsteht. Als künftige Nutzungsarten sind medizinische Einrichtungen mit Büros und Praxen sowie Modelle für ein Wohnen auf Zeit ähnlich der Boarding-Häuser geplant. Gründächer mit PV-Anlagen und Speicher sollen Wohnungen, Gewerbeflächen und Ladesäulen mit Energie versorgen.

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