Kolbermoor – Die Vielfalt der „Vielfaltsmacher in Stadt und Land“ ist erstaunlich. Erst im November 2022 hat sich der Verein gegründet. Mit erfahrenen Mitgliedern aus etablierten Gartenbauvereinen des gesamten Landkreises fand sich geballte Kompetenz zusammen, um etwas ganz Neues anzubieten: projektbezogene gartenbauliche Beratung und Begleitung. Seitdem haben Hobby- und Profigärtner, Landwirte, einstige Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege sowie Projektmanager viele ehrenamtliche Projekte angeschoben. In Kolbermoor wird nun schon die erste Ernte eingefahren.
Barrierefreies Garteln
an neuen Hochbeeten
„Vielfalt beginnt vor der Haustür“, sagt Vereinsvorsitzender Dr. Georg Metz. Wie eine natürliche Palette an Pflanzen auch in städtischen Siedlungsgebieten wie Kolbermoor geschaffen werden kann, haben die Experten schon in Theorie und Praxis vorgeführt: In Fachvorträgen zeigten sie Wege zur grünen Vielfalt in Haus- und Vorgärten auf und erklärten zudem, wie man auch auf Balkonen und Terrassen gärtnern kann. Beim Schau-Gärtnern an der Alten Spinnerei zeigten sie, wie das mobile Gärtnern in Kisten und Kübeln funktioniert.
Nun tragen die nächsten Aktionen Früchte: So stehen den Bewohnern des neuen Seniorenzentrums am Conradtypark, das erst kürzlich offiziell eröffnet wurde, neue Hochbeete zur Verfügung. Sie wurden von den Vielfaltsmachern eigens für die Senioren entworfen und dabei von Höhe und Breite so bemessen, dass sie mit dem Rollstuhl unterfahrbar sind und so auch das Garteln im Sitzen ermöglichen. Zudem sind sie aus Metall und mit verschiedenen Schichten so befüllt, dass die Erde nicht alle paar Jahre komplett ausgetauscht werden muss. Das macht barrierefreies Gärtnern bis ins hohe Alter möglich.
„Gleichzeitig wollen wir die Kinder so früh wie möglich abholen und ihr Interesse am Grün wecken“, sagt Hedwig Fuchs, die bei den Vielfaltsmachern für die Jugendarbeit verantwortlich ist. In Kooperation mit der Stadtbücherei fand im Juli ein grünes Bilderbuchkino statt. Nach der Theorie durften die Kinder einen Topf bepflanzen und mit nach Hause nehmen. „So wollen wir die Lust auf die Natur und die Freude am Wachsen wecken“, sagt Fuchs.
Erntefest im
Bürgerhausgarten
Auf der Suche nach Flächen, auf denen die jungen Vielfaltsmacher garteln könnten, wurde dem Verein von der Stadt spontan die Kräuterschnecke im Garten des Bürgerhauses angeboten. Im Juli wurde sie erstmals mit Kindern bepflanzt und ganz nebenbei Gartenwissen vermittelt. Nun stehen Lavendel, Borretsch, Oregano, Majoran, Rosmarin, Bohnenkraut, Isop, Minze und der Colastrauch in voller Pracht. „Jetzt können wir die Kräuter ernten und gemeinsam mit den Kindern zu Kräuterbutter und Blütenlimonade verarbeiten“, kündigt Hedwig Fuchs das bevorstehende Erntefest am Freitag, 13. Oktober, um 15 Uhr an.
Im Übrigen können sich Familien, die mit ihren Kindern bei den Vielfaltsmachern mitwirken möchten, jederzeit unter www.vielfaltsmacher-Rosenheim.de informieren oder per E-Mail an jugendprojekte@vielfaltsmacher-rosenheim.de ihr Interesse bekunden.
Auch in puncto Schulgärten sind die Vielfaltsmacher aktiv. „Wir wissen, dass sie in Kitas und Schulen sehr gefragt sind“, sagt Fuchs. Hilfe zur Selbsthilfe biete der Verein jederzeit an, wenn die jeweilige Schulfamilie mit Lehrkräften, Eltern und Kindern sich dazu in der Lage sehe, das Projekt umzusetzen. „Angelegt ist ein Schulgarten sehr schnell, doch man muss auch dafür die Weichen stellen, dass er über viele Jahre nutzbar bleibt“, macht Metz den enormen Kraftakt klar, der hinter einem nachhaltigen Projekt steckt. Derzeit beraten die Vielfaltsmacher ein Team aus Lehrern und Eltern der Fürstätter Grund- und Mittelschule, das gern einen Schulgarten schaffen möchte. „Wir wollen Impulse geben und bei der Umsetzung neuer Ideen zur Seite stehen“, bietet Hedwig Fuchs auch den Kolbermoorer Kindereinrichtungen und Schulen die Unterstützung des Vereins an. „Hinter den Vielfaltsmachern steckt ein großes Netzwerk aus Experten, die ihre Kompetenz ehrenamtlich einbringen wollen und wissen, wie Projekte gelingen oder wo welche Pflanzen am besten wachsen“, ergänzt Metz und freut sich auf eine wachsende grüne Vielfalt in Stadt und Land, denn: „Wer mit einem Projekt einmal Erfolg hatte, der macht auch weiter.“ Wichtig sei es, aus einem neuen Blickwinkel das grüne Potenzial städtischer Siedlungsgebiete auszuloten, damit neue Ideen wachsen können. „Wir sind Ansprechpartner für alle, die Vielfalt gestalten möchten“, betont Metz.
Am Samstag erster
Pflanzentauschmarkt
Neu ist auch der erste Kolbermoorer Pflanzentauschmarkt, der am Samstag, 7. Oktober, am Rathausplatz in Kolbermoor stattfindet. „Statt überschüssiges Grün wegzuwerfen, ist es doch viel nachhaltiger, es zu tauschen“, beschreibt Hedwig Fuchs die Idee. Von 10 bis 13 Uhr besteht dort auch die Möglichkeit, mit den Vielfaltsmachern in Stadt und Land ins Gespräch zu kommen und so vielleicht das ein oder andere Herzensprojekt endlich aus der Taufe zu heben.