Kolbermoor – „Letztendlich nehme ich das Ergebnis der Umfrage zwar zur Kenntnis, es ist jedoch viel zu wenig fundiert, als dass es Grundlage kommunalpolitischer Entscheidungen sein könnte“, betont Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo (SPD). Er ging dennoch auf die angesprochenen Themen ein. „Dass eine Straßenbaumaßnahme im Herzen der Stadt, die sich über mehrere Monate hinstreckt, zu Einschränkungen und manchmal Belästigungen, wie Lärm und Staub, führt, lässt sich leider nicht ganz vermeiden“, so Kloo.
„Quantensprung
für die Mobilität“
Die erste Fahrradstraße in Kolbermoor ist seiner Überzeugung nach ein „Quantensprung“ für die Mobilität und für den Fahrradverkehr in der Stadt. Wenn am 10. November die Straße für den Verkehr freigegeben werde, würden schnell viele Nutzer den positiven Aspekt schätzen lernen. „Die Weiterentwicklung beziehungsweise Umsetzung unseres Radverkehrskonzeptes hat hohe Priorität bei Stadtrat und Verwaltung“, sagt Kloo zu dem Thema, welches von unseren Lesern zum derzeitigen Hauptkritikpunkt an Kolbermoor gewählt wurde.
Bürger müssen den
ÖPNV auch nutzen
„Dass im Mangfalltal viele Menschen leben, die wiederum sehr viel Verkehr erzeugen, ist eine Tatsache. Das zu ändern liegt oft an jedem selbst“, sagt Kloo. In Kolbermoor gebe es mit der Mangfalltalbahn ein ÖPNV-Angebot, das „kaum zu toppen“ sei. Auch der Stadtbus sei eine Option, gerade auch für ältere Menschen in der Stadt. „In die Infrastruktur rund um den Bahnhof hat die Stadt einige Millionen investiert, zusammen mit den seit Kurzem von der Bahn realisierten höhengleichen Bahnsteigen haben wir nun ein Entree, das viel Bequemlichkeit für Bahnfahrer bietet“, so Kloo weiter.
„Bezahlbarer Wohnraum ist wiederum ein Dauerthema in unserer Region und in ganz Oberbayern. Durch die Kommune sind die zugrunde liegenden Probleme, die Kosten für Grunderwerb und fürs Bauen, nicht zu lösen“, sagt Kloo.
Er weist jedoch auf die über 350 Wohnungen hin, die Kolbermoor selbst hat und die sozial verträglich vermietet werden. Auch die gerade fertiggestellten 76 sozial geförderten Wohnungen im Bereich Bebauung Conradty seien aufgrund eines Beschlusses des Stadtrates bei der Aufstellung des dortigen Bebauungsplans entstanden.
Bürgermeister Kloo schließt: „Wenn alle, die das Fehlen von bayerischen Biergarten-Wirtschaften beklagen, regelmäßig in solche Biergärten gegangen wären, hätten wir wohl noch mehr davon in unserer Region.“ Dennoch könne sich das gastronomische Angebot in Kolbermoor als nicht-touristischer Standort schon sehen lassen, meint Kloo. Seit Ende Corona hätten einige Lokale neu- oder wiedereröffnet.
„Wenn auch die Umfrage nicht repräsentativ war, ist für uns deutlich der Fokus auf aktuell brennende Themen in der Stadt erkennbar. Wenig verwunderlich ist, dass vor allem Baumaßnahmen, die ja für alle Bürgerinnen und Bürger erlebbar sind, in den Antworten dominieren. Generell können alle Themen gut mit dem Schlagwort Lebensqualität überschrieben werden, deren Steigerung für alle Kolbermoorerinnen und Kolbermoorer auch uns ein zentrales Anliegen ist“, erklärt wiederum Leonhard Sedlbauer, Fraktionssprecher der CSU im Stadtrat Kolbermoor, „Wir als CSU haben den Umbau der Friedrich-Ebert-Straße zur Fahrradstraße mehrheitlich befürwortet, um den Fahrradverkehr in der Innenstadt zu kanalisieren, damit die Radfahrer sicher abseits der Rosenheimer Straße durch Kolbermoor fahren können.“ Die weggefallenen Parkplätze würden mittelfristig durch das neu entstehende Parkdeck an der Hasslerstraße kompensiert. „Wir sind davon überzeugt, dass die Fahrradstraße nach ihrer Eröffnung und einer gewissen Eingewöhnungszeit nicht mehr unter den Ärgernissen auftauchen wird“, sagt Sedlbauer.
Dass der Dauerbrenner Wohnraumsituation erneut im Fokus steht, wundert Sedlbauer nicht. Bundes- und landespolitisch hätte hier in den vergangenen sechs Jahren deutlich mehr passieren können, wenn auch die Stadt Kolbermoor beispielsweise durch die Ausweisung sozialen Wohnraums und nicht zuletzt die verantwortlichen Bauträger durch die Herstellung desselben im Conradtygebiet einiges zur Verbesserung der Lage habe beitragen können. „Der Wunsch nach mehr bayerischen Gaststätten ist nachvollziehbar, jedoch ist auch hier unserer Ansicht nach bereits einiges passiert.“
400 stadteigene
Wohnungen
„Ist es die Baustelle, die nervt, oder dass generell eine Fahrradstraße gemacht wird, aber andererseits nervt es, dass keine Radwege in der Innenstadt sind?“, fragt Parteifreie Kolbermoor-Fraktionsvorsitzender Dieter Kannengießer. „Das Thema des fehlenden bezahlbaren Wohnraums ist ja wohl eines, welches überall und nicht nur speziell bei uns eines ist. Die Stadt Kolbermoor hat mit fast 400 eigenen Wohnungen einen sehr großen Beitrag zu diesem Thema geleistet“, sagt Kannengießer. Die Reaktion auf die Fahrradstraße nach dem im Stadtrat einstimmig beschlossenen Radwegekonzept ist für Kannengießer nachvollziehbar, da sie sich noch immer im Bauzustand befinde mit relevanten Einschränkungen.
„Ich gehe davon aus, dass im nächsten Jahr, wenn alle sich an die neuen Regelungen gewöhnt haben, sich die Rückmeldungen ändern werden“, meint wiederum Grünen-Stadtratsfraktionsvorsitzende Andrea Rosner.
Bezahlbarer
Wohnraum
Das Thema des bezahlbaren Wohnraums werde die Stadt weiterhin stark beschäftigen, obwohl Kolbermoor im Landkreis über den meisten eigenen Sozialwohnraum verfüge. „Es ist nicht genug für unsere attraktive Stadt – eine echte große Herausforderung für uns alle, auch den Leerstand und neue Bauleitplanung miteinzubeziehen, so Rosner. Bei den Biergärten gebe es eine „echte Bereicherung“ durch die Burger Brothers und den Milanogarten am Rathaus, so Rosner.
Auch von den Stadtratsfraktionen von AfD und FDP wurden Stellungnahmen erbeten. Diese gingen jedoch bis Redaktionsschluss nicht ein.