„Sauarbeit“ – Geschichten vom Torfstechen

von Redaktion

50 Teilnehmer im Kolbermoorer Heimatmuseum – Erzählungen der Besucher bereichern den Abend

Kolbermoor – Schon zur Zeit, als die Kolbermoorer noch Mietrachinger waren, wurde hier Torf gestochen. Also lange bevor die Saline in Rosenheim von Holz auf Torffeuerung umstieg und damit zu einem Großabnehmer wurde.

Mit Mofa und
Anhänger in den Filzn

Das Torfstechen für den Hausbrand hielt sich am längsten. Einer der letzten Torfstecher war noch in den 80ern als betagter Herr mit Mofa und Anhänger in den Filzn rund um Kolbermoor unterwegs, um sich mit Brennstoff zu versorgen. Zu hören war die Geschichte darüber beim fünften Kolbermoorer Erzählcafé, das die Stadtbücherei, Stadtmarketing und die Volkshochschule „am Ort des Geschehens“ abhielten – im Kolbermoorer Heimat- und Industriemuseum. Dort befindet sich eine Dauerausstellung über das „Urhandwerk“.

Räume im Museum
waren prall gefüllt

Wie sehr das Torfstechen heute noch in der Erinnerung beziehungsweise im Interesse der Kolbermoorer ist, war am Erzählabend ersichtlich: Rund 50 Besucher kamen. Die Räume im Museum waren prall gefüllt. Etliche Gäste mussten als Kinder noch beim Torfstechen mithelfen. Ein schweres, mühseliges Geschäft, „einfach eine Sauarbeit“, wie ein Besucher meinte. Nicht zuletzt, da zunächst rund ein Meter „Abraum“ beseitigt werden musste, bis verwertbarer Torf zum Vorschein kam. Nach dem Stechen wurden die viereckigen Pakete zum Trocknen „aufgekastelt“, sprich gestapelt. Die Stapel wurden im weiteren Verlauf immer wieder umgeschichtet. Bereits trockene Torfstücke kamen von oben nach unten, bis das Brennmaterial dann nach Hause gebracht werden konnte.

Bei etwa 3000 bis 4000 Torfstücken lag der Jahresbedarf bei den damaligen Hausgrößen, schilderten Besucher mit Torfstecher-Erfahrung. Etliche private Torfstecher stachen weitaus mehr auf „ihren“ Filzn, die jährlich neu verpachtet wurden. Den überschüssigen Rest verkauften sie.

In anderen Dimensionen, deshalb zunehmend mit maschineller Unterstützung, lief der gewerbsmäßige Torfabbau – mit der Rosenheimer Saline als einer der Großabnehmer. Die Arbeiter, die zum Torfstechen benötigt wurden, kamen nicht nur aus Kolbermoor. Häufig fanden sich Saisonarbeiter aus Niederbayern ein. Etwa zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts war der Industriezweig jedoch ziemlich ausgedünnt.

Das Torfstechen für den Hausbrand hielt sich aber noch bis in die 60er-Jahre. Einige Besucher erinnerten sich noch an Schulen mit torfbeheizten Öfen in den Klassenzimmern. Doch auch hier kam der Niedergang: Der Alternativbrennstoff Öl war einfach zu günstig. Um die acht Pfennig, so erzählte Stefan Reischl, der Vorsitzende des Museums-Fördervereins, kostete der Liter damals. Zum Vergleich: Ein Laib Brot war für etwa eine Mark und dreißig Pfennige zu haben. So war das Erzählcafé ein voller Erfolg. Schließlich zeigte sich, dass sich nicht nur ein kleiner Kreis mit Stammpublikum einfand. Auch neue Zuhörer und Erzähler wurden gewonnen. Den gleichen Besucherzuwachs erhoffen sich Stadtmarketingchef Christian Poitsch und Reischl fürs Museum. Das Kleinod ist gespickt mit Exponaten zur Stadtgeschichte, die nicht auf einmal aufgenommen werden können. Wiederkommen und weiter erzählen, dazu rief Poitsch auf. Die nächste Runde steigt im Februar im Rathaus. Thema: „Handwerk in Kolbermoor“.

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