Eine Stadt voller Menschlichkeit

von Redaktion

Kolbermoorer Aktion „No-Hate-Aktion“ zieht in elf Wochen 2000 Besucher an

Kolbermoor – Bei den Aktionen, die sich elf Wochen lang um die „No Hate“-Skulptur vor dem Kolbermoorer Rathaus scharten, ging es darum, das Zuhören und Eingehen auf andere zu steigern.

Die Bilanz, die die Organisatoren, die Stadt und der Förderverein des Zentrums für europäische Metallgestaltung, bei einer kleinen Schlussfeier ziehen konnten, war beeindruckend. Gut 30 Veranstaltungen gab es und etwa 2000 Kolbermoorer waren daran beteiligt, wie Stadtmarketingchef Christian Poitsch berichtete.

Buntes und
lebendiges Programm

Für Bürgermeister Peter Kloo zeigten die elf Wochen, dass das Motto „Kolbermoor – eine Stadt voller Leben“ kein bloßer Werbespruch ist: Zusammenhelfen, gemeinsam etwas Positives auf die Füße stellen – das ist machbar und bringt alle näher zusammen. Ob es das Fairtrade-Frühstück war, die Veranstaltung „Musik baut Brücken“ oder das Lichternetz, das im Rathauspark geknüpft wurde: es gab zahlreiche Veranstaltungen mit dem Angebot, Kolbermoor bunt und lebendig werden zu lassen.

Die schwarze Kehrseite des Ortes wurde bei den Veranstaltungen nicht ganz vergessen. Etwa der Vortrag zu Gustav Landauer, der 1919 in Stadelheim grausam ermordet worden war – vor allem deswegen, weil er für einen Pazifismus ohne Kompromisse einstand – zeigte, wohin Aggression in ihrer letzten Konsequenz führt. Und Peter Elgaß, Vorsitzender des Fördervereins für Europäische Metallgestaltung, las eine Satire von Gerhard Zwerenz vor. Sie schildert, wie aus einem kleinen Streit zwischen Nachbarn um eine nicht zurückgegebene Pfanne die gegenseitige Ausrottung der beiden beteiligten Familien resultiert. Zerstörende Aggression, das war an diesen Beispielen zu sehen, erwächst oft aus völlig nichtigen Anlässen. Dabei braucht Mitmenschlichkeit nicht viel, um Großes zu bewirken. Das zeigten Louis Burgschmidt und Marinus Hutter, bei denen sich die Stadt im Rahmen der Abschlussfeier offiziell bedankte. Die beiden Schüler hatten im April geholfen, einen Mann aus dem Rothbach zu ziehen, der ohne sie darin wohl ertrunken wäre (wir berichteten). Sie schauten hin und nicht weg. Doch mehr noch: sie beließen es nicht bei dieser spontanen Hilfe, sie sorgten im Nachhinein auch noch dafür, dass der Verunglückte einen Ersatz für sein Fahrrad bekam, das ihm kurz darauf gestohlen worden war.

Für Bürgermeister Kloo wie auch für Stadtmarketingchef Poitsch ist in ihrem Handeln das Ziel der ganzen „No Hate“-Aktion auf den Punkt gebracht: Miteinander statt gegeneinander. Und wie bei der Kehrseite, dem Hass und der Aggression gilt auch beim Positiven: Steter Tropfen höhlt den Stein.

Die „No Hate“-Skulptur zieht weiter und wird durch ganz Europa touren, doch deshalb ist das Projekt in Kolbermoor noch nicht Geschichte: Es soll auch weiterhin Veranstaltungen geben, die sich diesem Ziel verpflichtet fühlen. In der Hoffnung, dass Kolbermoor am Ende nicht nur eine Stadt voller Leben, sondern auch voller Menschlichkeit ist.jt

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