Kolbermoor – Es ist ein unscheinbarer Moment, der das ganze Leben von Familie K. verändert. Mama Cindy beobachtet bei ihrer beruflichen Tätigkeit in einer Kindertagesstätte eine Frau, die sich ganz speziell um ein Mädchen kümmert. Anstatt den Anblick einfach zu vergessen, spricht sie sie an. So lernt sie die Möglichkeit der Individual- und Schulbegleitung kennen. Die Frau heißt Tatjana, sie ist Schulbegleiterin von Beruf.
Erste Anzeichen eines
besonderen Bedarfs
Seit geraumer Zeit hatten die Eltern beobachtet, dass ihrer Kleinen immer alles viel zu laut ist. Sophia vermochte zwar schon früh, filigrane Dinge zu bauen, flippt aber bei geringstem Abweichen vom Alltag aus. Was zunächst wie eine eher hochsensible Ader wirkt, ist in Wahrheit charakteristisch für eine besondere Form des Autismus, die man ihr nicht sofort ansieht. Sie hat das Asperger-Syndrom.
„Tatjana erzählte schon beim ersten Treffen, dass sie bald wieder für ein neues Kind als Begleiterin frei werde“, so Cindy K. „Dabei wolle sie gerne ein Asperger-Kind auf dem Weg von der Förder- in die Regelschule begleiten.“ Die mittlerweile zweifache Mutter lacht. „Es traf mich wie ein Blitz! Mir war sofort klar, dass Tatjana und unsere Tochter Sophia perfekt zusammenpassen.“ Drei Monate lang kämpfen die Eltern um alle Genehmigungen. Doch das Rosenheimer Kreisjugendamt und der Bezirk Oberbayern machen es zusammen mit der Caritas möglich: Seit nunmehr drei Jahren sind Tatjana und Sophia ein gemeinsames Gespann.
Als Sophia im Oktober 2022 einen kleinen Bruder bekam, tat sie sich mit der Veränderung schwer. Laute Geräusche sind für Asperger-Autisten schwierig zu verarbeiten. Doch die Familie schaffte es mit Hilfe von Tatjana, dass sich Sophia mit dem Neuankömmling arrangierte. „Mittlerweile sind die beiden unzertrennbar“, erzählt Mama Cindy. „Sie liebt ihren Bruder Felix über alles.“ Tatjana hat selbst eine Familie mit zwei Kindern, doch ein Stück weit gehört sie auch zu Sophias Familie.
„Oft fehlen uns die Worte, wie sehr wir dafür dankbar sind“, berichtet Cindy K. weiter. „Für uns ist Tatjana eine Heldin des Alltags.“ Menschen, die sich in solchen beruflichen Feldern engagieren, wie Schulwegsbegleiter, Integrationshelfer und Individualbegleiter sollten alle einen Orden bekommen“, meint Cindy K.
Ein Gewinn
für beide Seiten
Die tiefe Verbindung zu Sophia ist auch für Tatjana eine Herzensangelegenheit. „Es ist wirklich toll, die Sophia zu begleiten. Zu sehen, wie sie Fortschritte macht.“
Es ist also keine einseitige Geschichte. Alle Beteiligten profitieren von der Schulbegleitung. „So lange sie mich braucht, bin ich für sie da!“, da ist sich Tatjana jedenfalls sicher.