Mit Krippen auf Zeitreise um die Welt

von Redaktion

Industrie- und Heimatmuseum Kolbermoor zeigt bis Februar vielfältige Darstellungen

Kolbermoor – Genau 800 Jahre ist es jetzt her, da soll Franz von Assisi die erste Krippe aufgebaut haben: in den Sabiner Bergen, über dem kleinen Ort Greccio. Dort fand sich in einer großen Felswand eine Höhle, die ihm ideal für sein Vorhaben erschien. Franz von Assisi hatte von jeher ein Herz für die „kleinen Leute“, ihm waren Prunk und Pracht der „großen Kirche“ eher suspekt. Und er wollte den Bewohnern von Greccio zeigen, wie arm und demutsvoll auch Gottes Sohn zur Welt gekommen war, nicht als Herrscherfürst, sondern im Grunde als einer von ihnen.

All das und noch mehr ist bei der Krippenausstellung zu erfahren, die noch bis Sonntag, 4. Februar, im Industrie- und Heimatmuseum Kolbermoor zu sehen ist.

Brauch gibt es
circa 400 Jahre

In Deutschland wurden Krippen erst vor etwa 400 Jahren gebräuchlich, doch das Ziel war das gleiche wie bei Franz von Assisi: Den Menschen das Evangelium näherzubringen, weshalb Krippen oft das ganze Jahr über stehen blieben und die jeweilige Station im Kirchenjahr darstellten, die Bergpredigt etwa oder die Hochzeit zu Kanaan. Und eines hat sich seit damals nicht geändert: Was der Mensch als Bild vor sich sieht, was er sogar noch anfassen kann, ist im wahrsten Wortsinn greifbar und damit auch leichter zu begreifen.

Die Ausstellung ist im Grunde die Fortsetzung eines über Jahrhunderte ausgeübten Brauchs, dem des Kripperlschauns: Früher war es üblich, sich um die Weihnachtszeit in der Kirche oder aber auch bei Nachbarn die Krippen anzuschauen. Die waren – gerade bei den „einfachen“ Leuten – meist selbst gebaut, die Figuren selbst geschnitzt oder aus Rupfen geformt. In den winterlichen Wochen, die damals noch wirklich eine „stade Zeit“ waren, hatten die Bauern Zeit dafür. Das Herstellen der Krippen war vermutlich durchaus eine Art „Gottesdienst“, eine intensive Beschäftigung mit den Ereignissen der Weihnachtsgeschichte. Ereignissen, denen man schon beim bloßen Kripperlschaun näherkommt. Denn zur Bewunderung des vielfältig dargestellten Lebens gesellen sich immer die ärmlichen Umstände der Geburt Christi. Diese sind nicht zuletzt durch die Arroganz und Kaltherzigkeit vieler Mitmenschen verursacht, die in der Weihnachtsgeschichte durch die Herbergsleute verkörpert werden, bei denen vergeblich angeklopft wurde. Ob man nun selbst darüber nachdenkt, wie die entsprechenden Umstände heute wohl aussehen würden, oder das Gesehene Kindern oder Enkeln erklärt, man nähert sich stets dem Kern der Weihnachtsgeschichte.

Die Ausstellung ist durchaus gut besucht, wie einer ihrer Macher, Hermann Märkl vom Verein für Krippen und religiöse Volkskunst Inn-Salzach, berichtet. Krippen erleben in den vergangenen Jahren eine Art Renaissance: Zunächst war da der Krieg, in dessen Folge, so Märkl, viele Krippen aus purer Not verbrannt wurden. Vor allem das Zweite Vatikanische Konzil, das den Glauben in die Moderne führen wollte, führte dazu, dass der Brauch, Krippen in Kirchen auszustellen, einschlief. Viele wurden verschenkt, weggeräumt, verloren oder ebenfalls verbrannt.

Glaubens- und
auch Zeitzeugen

Dabei sind Krippen nicht nur Glaubens- sondern auch Zeitzeugen: Ihre Gestaltung und die zusätzlichen Elemente neben der eigentlichen Krippenszene geben Aufschluss über die Zeit und die Region, in der sie entstanden sind.

In der Ausstellung sind die meisten Krippen kurz beschrieben, aber die Ausstellungsmacher sind auch gerne bereit, über die jeweiligen Hintergründe zu erzählen. Und selbstverständlich gibt es auch jede Menge Tipps für den Aufbau einer eigenen Krippe.

Die Vielfalt der Darstellungen ist enorm, eine gibt sogar Antwort auf die Frage, wie die ärmliche Geburt Jesu heute aussehen könnte: In der Krippe, hergestellt von Friederike Fürst aus Inzell, ist eine Szene auf einem Schrottplatz dargestellt. Das Kind ist hier zur Welt gekommen, seine Eltern sind Punks, die in der gutbürgerlichen Stadt nebenan keine Bleibe gefunden hatten.

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