Schreckliche Tragödie, hartes Ringen und ein Paukenschlag zum Ausklang

von Redaktion

Die Kurstadt vor 50 Jahren – Ein Jahresrückblick von Altbürgermeister Dr. Werner Keitz

Bad Aibling – Unter all den üblichen Jahresrückblicken hat der Rückblick, den der Mangfall-Bote mit Bad Aiblings Altbürgermeister Dr. Werner Keitz ausübt, stets einen anderen Charakter. Diesesmal überwiegen leider dunklere Stunden aus der Geschichte.

Gleich zu Beginn des Jahres 1973 erschüttert ein großes Unglück die Stadt. Am 4. Februar verlieren auf dem Weg zur 2315 Meter hohen Kirchspitze bei Gerlos im Zillertal zehn Mitglieder des Aiblinger Alpenvereins durch eine Lawine ihr Leben. Nach Überführung der Leichen und Aufbahrung der Opfer in der Turnhalle an der Jahnstraße findet am 7. Februar unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eine gemeinsam von Stadt und Alpenverein veranstaltete Trauerfeier statt. Tags darauf wird der Toten nochmals bei einem Trauergottesdienst in der Kirche St. Georg gedacht. Die Erinnerung an dieses schwere Unglück ist bis heute nicht verblasst. An der Aiblinger Hütte wurde in diesem Jahr der Verstorbenen im Rahmen einer Bergmesse gedacht.

Licht und Schatten prägten das Kommunalpolitische der Stadt. Mit der am Jahresanfang vollzogenen Eingemeindung von Ellmosen gewann die Stadt 374 neue Einwohner, der Gebietsumfang vergrößerte sich um immerhin 1004 Hektar. Dazu kamen auch 1081 Rinder, 33 Schweine, 207 Schafe und sechs Pferde. Im April zog die Stadtverwaltung vom vormaligen Theresienbad in das neue Rathaus am Marienplatz um.

Dort wurde im Mai dann auch die neue Stadtbücherei eröffnet, die Hans von Malottki, Leiter der staatlichen Büchereistelle für Oberbayern, damals zu den schönsten Büchereien in seinem Dienstbereich zählte. Die Ausleihe erfolgte zum Nulltarif.

Anfang Juni schied der langjährig tätige Kommunalpolitiker Ferdinand Arnold, von 1960 bis 1966 auch Zweiter Bürgermeister, aus dem Stadtrat, er verzog nach Feldkirchen. Für ihn rückte auf der Liste der CSU Klaus Pellkofer nach. Personelle Änderungen gab es auch im Kurbetrieb. Kapellmeister Hermann Schmidt-Bornstedt verabschiedete sich nach 38 Jahren als Leiter der Kurkapelle in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Hans Schroeter.

Auch Kurdirektor Dr. Alfred Mayer gab sein Amt nach vierjähriger Tätigkeit auf. Um seine Nachfolge entbrannte ein heftiger kommunalpolitischer Streit. Als von der CSU-Mehrheit im Stadtrat der aus den Reihen der SPD stammende Bewerber Hanns Plutka, der das Amt einige Monate als Stadtrat und Kurreferent verwaltet hatte, abgelehnt wurde, erhob Stadtrat Sepp Attenberger den Vorwurf parteipolitischer Motive, verließ erzürnt die Sitzung und erklärte seinen Rücktritt, den das Gremium allerdings nicht annahm.

Gesucht werden musste 1973 wieder einmal ein neuer Pächter für das Kurhaus – wohl ein kommunalpolitischer Dauerbrenner – man wurde mit dem Hotelier Carl-Günther Meier fündig. Gestärkt wurde die Wasserversorgung der Stadt durch die Inbetriebnahme der Willinger Brunnen. Die Tageswasserentnahme konnte dadurch von 6000 auf 14500 Kubikmeter erhöht werden. Bürgermeister Hans Falter sah beim Wasserfest die Wasserversorgung der Stadt bis ins Jahr 2000 gesichert. Seine Prognose wird übertroffen, im Jahr 2023 ist die Wasserversorgung der Stadt immer noch stabil. Da die seit Langem ersehnte Umgehungsstraße immer noch auf sich warten ließ, beschloss der Stadtrat im September, die sogenannte kleine Ortsumgehung über die Westend-, Sonnen- und Ganghofer-Straße einzurichten. Die Entscheidung löste bei den betroffenen Bürgern heftige Proteste aus. Beim Neubau des Gymnasiums, eine der ersten Wohltaten des neuen Großlandkreises Rosenheim für die Stadt, konnte man Richtfest feiern. Korbinian Riedl aus Thann beim Richtspruch: „Ein Schulbau, der viel Geld verschlingt, am Schluss die meisten Zinsen bringt.“ Ereignisreich ist auch das gesellschaftliche Leben in der Stadt. Die Faschingsgilde krönt bei einem stark besuchten Ball Karl I. und Rosi I. als neues Prinzenpaar. Weil die Klassenstärken zu hoch erscheinen, gründen Eltern unter Vortritt des Apothekers Gerald Gries die Initiative „Macht die Klassen kleiner“. Die Sparte Fußball im TuS Bad Aibling bekommt erstmals eine Damenmannschaft. Mit Ellen Osten, Witwe des 1956 verstorbenen ehemaligen Kurdirektors Peter Osten, feiert ein einstmals unter dem Pseudonym „Ellen Lang“ berühmter Star der Stummfilmzeit den 75. Geburtstag.

Ein Großereignis ist das Gaufest des Trachtenvereins D´Oberlandler. 3500 Trachtler und 10000 Besucher beleben am Festsonntag die Stadt. Hohen Besuch hat Bad Aibling bei der Jahresversammlung des Bayerischen Roten Kreuzes. Unter den 500 Delegierten auch der bayerische Ministerpräsident Dr. Alfons Goppel. Den Gottesdienst aus Anlass der Tagung zelebriert Julius Kardinal Döpfner in der Kirche St. Georg. Im Krankenhaus hilft die Verpflichtung von vier aus ihrem Heimatland kommenden koreanischen Krankenschwestern, den akuten Mangel an Pflegekräften zu lindern. Wie das Jahr mit einem einschneidenden Ereignis begann, so endet es auch mit einem Paukenschlag. Die Ölkrise zwingt zum Energiesparen. An vier autofreien Sonntagen gilt ab 25. November ein allgemeines Fahrverbot, zahlreiche Spaziergänger beleben die Innenstadt. Dr. Werner Keitz

Blick in die Statistik

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