Trainingsarbeit für 2,48 Euro pro Stunde?

von Redaktion

100 Grundschüler trainieren in den zwölf Tischtennis-Arbeitsgemeinschaften des SV-DJK Kolbermoor. Mit der staatlichen Förderung könnte der Verein seinen Trainern 2,48 Euro pro Stunde, also nur ein Fünftel des Mindestlohns, zahlen. Weil das nicht geht, greifen andere tief in die Tasche.

Kolbermoor – Kinder- und Jugendarbeit im Sportverein ist weitaus mehr als ein sinnvolles Freizeitangebot. Sie ist mit Bewegung, Sport und Spiel vor allem Gesundheitsförderung. Und auch wenn diese eigentlich eine staatliche Aufgabe ist, wird sie beim SV-DJK Kolbermoor vor allem mit Sponsoren, Spendern, Mitglieds- und Kursbeiträgen sowie einer riesigen Portion ehrenamtlichem Engagement gestemmt.

200 Helfer
und Übungsleiter

Etwa 200 Übungsleiter und Helfer sind im SV-DJK Kolbermoor aktiv und bieten 3200 Sportlern regelmäßige Trainingseinheiten an. 1200 Kinder und Jugendliche trainieren im Verein. Doch die Gesundheitsförderung des SV-DJK geht noch viel weiter. Im vergangenen Jahr wurde die Kindersportschule „Kids Aktiv Club“ ins Leben gerufen, die mit dem Eltern-Kind-Turnen schon die Kleinsten ab einem Alter von einem Jahr erreicht. Ab dem dritten Lebensjahr geht es in der Grundstufe des „Kids Activ Clubs“ weiter, in der vor allem die Freude an der Bewegung geweckt sowie spielerisch die kognitive, soziale und motorische Entwicklung gefördert werden soll.

Doppelter Effekt
für die Gesundheit

Auch hier übernimmt der SV-DJK staatliche Aufgaben mit einem doppelten Effekt für die Gesundheit: Die Basis für die lebenslange Freude am Sport wird gelegt, und diese wiederum beugt motorischen Defiziten und Haltungsschwächen von frühester Kindheit an vor. Mit dem Gesundheitsförderprogramm „Pfiffix“ der mhplus-Krankenkasse ist das Team der Kindersportschule zudem an der Adolf-Rasp-Grundschule und im Kindergarten „Haus der Strolche“ aktiv. In allen Sparten des SV-DJK wird Jugendarbeit großgeschrieben. Der Beweis dafür sind 1200 Kinder und Jugendliche, die in den verschiedenen Sparten trainieren. Als „deutschlandweit einzigartig“ wurde die Jugendarbeit der Tischtennisabteilung im Jahr 2021 mit dem „Grünen Band“ des Olympischen Sportbundes und der Commerzbank preisgekrönt.

Hier beginnt die Suche nach und die Förderung von jungen Talenten jedes Jahr aufs Neue mit dem Schulanfang. In einem Schnuppertraining an der Adolf-Rasp-Grundschule können sich die Abc-Schützen spielerisch mit der Sportart vertraut machen. Die Tischtennis-Arbeitsgemeinschaften sind inzwischen fester Bestandteil der Nachmittagsangebote der Grundschule. „Etwa nach einem Jahr stellt sich heraus, ob die Kinder am Ball bleiben, wirklich Spaß am Tischtennis haben und eine Sympathie für den Ball entwickeln“, erklärt Günter Lodes, stellvertretender Abteilungsleiter der Sparte Tischtennis. Derzeit trainieren etwa 100 Kinder in den zwölf Tischtennis-Schularbeitsgemeinschaften an der Adolf-Rasp-Grundschule. Über das Landesförderprogramm „Schule und Verein“ erhält der SV-DJK 188,50 Euro pro Schuljahr für eine Arbeitsgemeinschaft, die über 38 Schulwochen angeboten wird. Das entspricht einer Förderung von 2,48 Euro pro Trainingseinheit von 45 Minuten. Das Defizit zwischen tatsächlichen Kosten und Förderung übernimmt die Stadt Kolbermoor.

Verein übernimmt Trainerausbildung

Die Übungsleiter des SV-DJK werden zum Großteil aus den eigenen Reihen rekrutiert. Schon bei den Jugendlichen im Verein startet die Ausbildung: Als Trainer-Helfer werden sie an die Aufgaben herangeführt, bevor sie mit der C-Lizenz die erste Stufe der Übungsleiterausbildung erklimmen. Dafür braucht es nicht nur ein großes ehrenamtliches Engagement der über 200 Übungsleiter und Helfer. Nötig ist auch die Finanzkraft eines Vereines, der die Ausbildung bezahlt, bei der pro Trainerlizenz schnell an die 600 bis 700 Euro zusammenkommen.

Sportbetrieb in Bundesliga-Qualität

„Um Talente mit einem qualifizierten und systematischen Training zu fördern und ganz oben mitzuspielen, braucht man auch hauptamtliche Top-Trainer“, weiß Günter Lodes. Der SV-DJK ist Stützpunkt des Bayerischen Tischtennisverbandes und eine erfolgreiche Kaderschmiede. Seit fast 20 Jahren beweisen Spitzensportler wie Chantal Mantz, Naomi Pranjkovic, Laura Tiefenbrunner oder Luis Kraus, dass die gezielte Nachwuchsarbeit der Abteilung Tischtennis zum Erfolg führt. Dabei geht es neben der sportlichen Förderung von Talenten auch um den Breitensport sowie um soziale und pädagogische Angebote. „Ein Sportbetrieb in so hoher Qualität wäre ohne die Unterstützung unserer Sponsoren und Förderer nicht möglich“, betont Lodes. Die Stadt Kolbermoor unterstützt die Jugendarbeit im Verein – im vergangenen Jahr beispielsweise mit 42000 Euro. Vom Freistaat Bayern gibt es im Rahmen der „Sportbetriebsförderung“ eine Vereinspauschale, die nach einem Punktesystem zwischen 25000 und 50000 Euro pro Jahr schwankt. Doch den Großteil des Trainingsbetriebes für 3200 Sportler und die zusätzlichen Angebote an Schulen und Kindereinrichtungen zahlt der SV-DJK aus eigener Kraft.

„Sport ist eine unverzichtbare Säule unserer Gesellschaft. Deshalb ist es wirklich traurig, dass Gesundheits- und Sportförderung vor allem auf ehrenamtlichen Schultern ruhen, und der Staat sich hier nicht stärker einbringt. Ohne die Unterstützung von Ehrenamtlichen, Spendern, Sponsoren und der Stadt Kolbermoor könnte unser Verein seine Angebote für 3200 Mitglieder nicht aufrechterhalten“, kritisiert Vorstandsvorsitzende Sabine Balletshofer-Wimmer.

Der Haushalt eines Sportvereins mit 3200 Mitgliedern entspricht in etwa dem eines mittelständischen Unternehmens. „Die Finanzierung funktioniert nur über viele Säulen und eine intensive Netzwerkarbeit. Der Staat müsste vor allem die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen stärker fördern“, erläutert Karin Maier, Geschäftsführerin des SV-DJK.

Erhalt sportlicher Anlagen gehört dazu

Zu Mitgliedsbeiträgen kommen die Teilnahmegebühren für Kurse, Rehasport oder die Kindersportschule, Zuschüsse von Krankenkassen, den Fördervereinen der Schulen oder der Stadt Kolbermoor hinzu. „Mit Vereinsfesten, den Ständen der Abteilungen bei Bürgerfest oder Christkindlmarkt erwirtschaften die Sportler die Eigenmittel für ihren Verein“, sagt Maier.

Zum Trainingsbetrieb kommt der Erhalt der sportlichen Anlagen hinzu. Auch dafür muss der Verein den Großteil der Mittel selbst aufbringen. Im vergangenen Jahr wurde der Bewegungsraum in der Turneralm neu geschaffen. Perspektivisch stehen wichtige Modernisierungsmaßnahmen an, um den Standort an der Turneralm zu erhalten. Die Stadt Kolbermoor unterstützt den Verein so gut es geht und soweit die finanziellen Mittel reichen.

Stadt mit großer Unterstützung

Erst im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat einstimmig ein klares Bekenntnis zum größten Sportverein der Region abgegeben: mit einer finanziellen Soforthilfe von 50000 Euro für dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen. Mit der Möglichkeit, die Turnhallen auch in den Ferien nutzen zu können. Mit einem zusätzlichen Parkplatz auf städtischem Grund an der Aiblinger Straße zur Entschärfung der Parkplatznot an der Turneralm. Und mit einem langfristigen Pachtvertrag des BMX-Geländes, damit die wichtigen Umbaumaßnahmen in Angriff genommen werden können. Hinzu kommt das Versprechen, mit dem Verein nicht nur einen modernen Funktionstrakt an der Turneralm zu planen, sondern auch 50 Prozent der Kosten zu übernehmen – wenn es der Haushalt zulässt.

Artikel 2 von 11