Kolbermoor – „Haben die Pullacher etwas angestellt oder warum kommen so viele Honoratioren der Feuerwehr zu eurer Jahreshauptversammlung?“ Kreisbrandinspektor Max Goldbrunner gab die Antwort gleich selbst: „Weil man sich hier wohlfühlt, es gemütlich ist, jeder die gute Kameradschaft in der Truppe spürt, und man bestens umsorgt wird. Weil die Feuerwehr neben ihrem gesellschaftlichen Auftrag im Brandschutz auch die Ortsgemeinschaft zusammenhält und der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens von Pullach ist.“
Dank einer großen
Gemeinschaft
Zu Gast in Pullach waren am Freitag neben Kreisbrandrat Richard Schrank, Ehrenmitgliedern des Kreisfeuerwehrverbandes Rosenheim, Abordnungen der Feuerwehren aus Kolbermoor und Bruckhäusl auch Bürgermeister Peter Kloo, Ordnungsamtschef Thomas Rothmayer und Kolbermoorer Stadträte. Gekommen waren sie aber vor allem aus einem Grund: Sie wollten Josef Hofmann ihre Ehre erweisen, der sich nach zwölf Jahren nicht noch einmal zur Wahl als Kommandant stellte.
Nicht etwa, weil er mit 57 Jahren den ehrenamtlichen Ruhestand antreten will. Nein, so erklärte er in seiner gewohnt humorvollen Art: „Ich will mich verjüngen.“ Künftig ist er nur noch der „Kommandant“ der Kinder- und Jugendfeuerwehr, als aktiver Kamerad auch weiterhin im Einsatz und als Vertrauensmann künftig der „Kummerkasten“ der Feuerwehr. Und auch eines stellte er klar: „Ich stehe auch weiterhin zu 100 Prozent hinter und vor meinen Kameraden.“
Amtszeit geprägt von
großen Ereignissen
„Zwölf Jahre sind genug. Du hast deine Zeit als Kommandant besonders intensiv erlebt“, dankte Bürgermeister Peter Kloo dem Pullacher Kommandanten für seine engagierte Arbeit. Beim Abschied blickte Hofmann auf seine Jahre als Kommandant und den „Spagat zwischen Pflichtaufgaben und Verein“ zurück. Seine zwölfjährige Amtszeit war geprägt von großen Ereignissen: dem verheerenden Hochwasser im Jahr 2013, dem schweren Zugunglück 2016 mit zwölf Toten und 89 Verletzten in Bad Aibling sowie dem Schneechaos 2019.
Fast so lange wie Hofmanns Amtszeit als Kommandant währten die Bemühungen um den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses. Im Januar 2015 begannen die Pullacher Kameraden und die Stadt Kolbermoor mit den Planungen und erlebten immer wieder Enttäuschungen. Erst lehnte das Landratsamt die Bebauung im Außenbereich ab, weil eine Feuerwehr nicht privilegiert ist. Dann musste vom Rückbau der alten Straße kontaminierter Boden teuer entsorgt werden. Dann brauchte es für die Gründung 668 Säulen, um eine tragfähige Bodenplatte errichten zu können. Und dann kam Corona. Auf der Zielgeraden zum neuen Gerätehaus waren es dann prall gefüllte Auftragsbücher der Handwerker, die immer wieder für Terminverschiebungen sorgten. Am 20. März 2021 konnte die Feuerwehr endlich in ihre neue Feuerwache einziehen. 2022 wurde Einweihung gefeiert. Parallel dazu wurde die Technik der Feuerwehr modernisiert, angefangen von Software oder Funk über das Löschgruppenfahrzeug LF10, Rollcontainer für die verschiedensten Einsätze wie Verkehrsregelung, Ölspuren, Stromerzeugung, Wasserschäden oder Hochwasser, den dazu passenden Anhänger, einen neuen Mannschaftswagen MTW Pullach 14/1 oder einen Stromerzeuger bis hin zur Stationierung des Versorgungs-Lkw der Landkreisfeuerwehren.
Anlaufpunkt
im Notfall
Mit dem MTW Pullach 14/1 bleibt die Pullacher Wehr auch dann vor Ort noch einsatzbereit, wenn Kameraden mit dem Versorgungs-Lkw bereits im Landkreis unterwegs sind. „Und im Falle eines Blackouts brennt in Pullach wenigstens in einem Haus noch Licht. Der Stromerzeuger gibt unserem Dorf die Sicherheit, dass die Menschen im Notfall einen Anlaufpunkt haben“, betonte Hofmann. „Mehr kann man als Kommandant wirklich nicht erreichen“, würdigte Zweiter Kommandant Ernst Langer das Wirken von Josef Hofmann. „Wir haben die beste Mannschaft und die beste Ausstattung, die wir je hatten. Wir sind eine super Truppe, in der jeder mit seinen Fähigkeiten anerkannt ist.“ 79 Aktive gehören zur Feuerwehr Pullach. 43 von ihnen sind im aktiven Dienst. 36 gehören den Jugend- (11) und Kinderfeuerwehren (25) an. 2022 gründeten die Pullacher ihre Kinderfeuerwehr mit 18 Kameraden im Alter von sechs bis zwölf Jahren. 16 Ehrenamtliche – darunter pädagogische Fachkräfte, Ergo- und Physiotherapeuten, Ingenieure und natürlich aktive Kameraden – sorgen bei ihnen für einen besseren Betreuungsschlüssel als in der Kita. Weil die Nachfrage bei den Drei- bis Fünfjährigen so groß war, änderte der Feuerwehrverein im März 2022 seine Satzung, damit er als Träger der „ganz kleinen“ Kinderfeuerwehr fungieren kann. Im Mai 2023 traten dann die „Feuerknirpse“ ihren „Dienst“ an. Mit Blick auf das Jahr 2023 berichtete Josef Hofmann über 36 Einsätze mit 525 Einsatzstunden. Mit dem Versorgungs-Lkw der Landkreisfeuerwehren rückten die Pullacher unter anderem zu Großtierrettungen nach Samerberg und Flintsbach sowie im August in Kooperation mit der Kolbermoorer „Drehleiter“ zur Errichtung von Notdächern nach dem Unwetter in Bad Endorf aus. „Da hat man mal wieder gesehen, wie gut wir zusammenarbeiten. Jeder wusste, wie der andere funktioniert“, erinnerte Hofmann. Zu den Einsätzen kamen eine Vielzahl an Übungen (1285 Stunden) und Weiterbildungen (384 Stunden) der aktiven Truppe hinzu. Auch die Übungen der Kinder- und Jugendfeuerwehren sowie das Engagement für den Ort Pullach schlagen mit jeder Menge Stunden zu Buche. Insgesamt, so die Statistik, leistete die Feuerwehr Pullach freiwillige 5014 Stunden. „Unser ehrenamtliches Engagement entspricht der Jahresarbeitszeit von drei Vollzeitkräften“, machte Hofmann klar.
Seit 40 Jahren bei
der Feuerwehr
Nach fast 40 Jahren in der Feuerwehr, zwölf Jahren als Kommandant und unzähligen Stunden fürs Ehrenamt kandidierte Josef Hofmann nicht noch einmal fürs Amt des Kommandanten. In Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen verlieh ihm Kreisbrandrat Richard Schrank das Bayerische Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber. „Du bist einfach ein guter Freund, deshalb haben wir so eine gute Kameradschaft in unserer Truppe“, dankte ihm der Zweite Kommandant Ernst Langer. Als Josef Hofmann mit stehenden Ovationen von seiner Truppe aus dem Amt verabschiedet wurde, war so mancher gestandene Kamerad den Tränen nahe.
Neben Kommandant Josef Hofmann trat am Freitag auch der komplette Vorstand des Feuerwehrvereins Pullach zurück. Ziel war es, die turnusmäßige Wahl von Vorstandschaft und Kommandanten anzugleichen. „Die beste Entscheidung, die ich vor zwölf Jahren getroffen habe, war es, Ernst Langer zu meinem Stellvertreter zu machen“, kündigte der scheidende Kommandant an, wer sich für seine Nachfolge eignen würde. Langer wurde einstimmig in sein neues Amt gewählt. Für die Funktion des Zweiten Kommandanten schlug die Mitgliederversammlung Fabian Tschiche vor. Der 33-jährige Pullacher ist der Sohn von Josef Hofmann und gehört der Pullacher Wehr bereits seit 19 Jahren an. Er wurde ebenfalls einstimmig gewählt.
Daniel Schillinger wurde wieder zum Vereinsvorsitzenden gewählt. Das Amt seines Stellvertreters übernimmt Ernst Langer. Dem neuen Vorstand gehören weiterhin an: Michael Fritz (Kassier), Agnes Langer (Schriftführerin), Dominik Tutschka und Moritz Riedl als Beisitzer, Martin Stadler und Andreas Grimm junior als Revisoren sowie Daniel Draxinger und Josef Hofmann als Vertrauensmänner. Melanie Tschiche wurde vom Kommandanten wieder zum Jugendwart berufen. Was wäre Pullach ohne seine Feuerwehr, die der Dreh- und Angelpunkt des Vereinslebens im Ort ist?
Vereinsleben voller
Aktivitäten
Gemeinsam mit Schützen, Trommlern, Fußballern und Rauchclub haben die Kameraden auch 2023 wieder dafür gesorgt, dass Pullach nicht nur einmal feiert, sondern das ganze Jahr über: mit Faschingsparty und -umzug, mit der „Langen Nacht der Feuerwehr“, mit Fahrzeugweihe oder Dorffest, mit Dankeschön-Grillen, Nikolausaktionen oder Weihnachtsfeier. „Unsere Aktiven sind der Motor und das Herz unseres Vereins“, würdigte der scheidende Kommandant seine Truppe. Im vergangenen Jahr stand so viel auf dem Programm, dass nicht einmal Zeit für den Vereinsausflug blieb, wie Schriftführerin Agnes Langer berichtete.
Investitionen vor
allem in Bekleidung
Für ihre ehrenamtlichen Einsätze erhielten die Kameraden im vergangenen Jahr eine Einsatzvergütung von 672 Euro, informierte Kassier Michael Fritz. Das meiste Geld in der Vereinskasse erwirtschafteten sie im Ehrenamt auf Festen und Feiern in Pullach oder Kolbermoor. Investiert haben sie vor allem in Inventar und Bekleidung für die Kinderfeuerwehren.