Fluch oder Segen im Kinderzimmer?

von Redaktion

Frauenfeindliches Plastik-Monster oder kindgerechter Botschafter für die Vielfalt: So viele Modelle, wie mittlerweile im Handel erhältlich sind, so viele Meinungen gibt es auch zur Barbie-Puppe selbst. Was Frauen aus Kolbermoor über das beliebte Spielzeug denken.

Kolbermoor – Für die einen ist es Plastikmüll, der ein absolut rückständiges und oberflächliches Frauenbild verkörpert, für die anderen ein spielerisches Hilfsmittel, um bereits Kindern Vielfalt und Inklusion nahezubringen: An der Barbie-Puppe, die von der Spielzeugfirma Mattel vor 65 Jahren erstmals der Öffentlichkeit präsentiert worden ist, scheiden sich die Geister. Der Mangfall-Bote hat zum „Geburtstag“ des Spielzeugs bei Frauen aus Kolbermoor nachgefragt, welches Verhältnis sie zur wohl bekanntesten Puppe der Welt haben.

Vom Klischee-
Püppchen zum Vorreiter für Vielfalt

Blondes, langes Haar, eine schlanke Taille, eine eher üppige Oberweite und schicke Kleider: So ist die Spielzeugpuppe Barbie, die mit vollem Namen Barbara Millicent Roberts heißt und 1959 erstmals im Handel erhältlich war, vielen Menschen in Erinnerung.

So auch Sabine Balletshofer-Wimmer, Dritte Bürgermeisterin der Stadt und Vorstandssprecherin des SV-DJK Kolbermoor, die selbst als Kind Barbie-Puppen besessen hat. „Ich hatte da mehrere Exemplare und damit oft gemeinsam mit meinen Cousinen gespielt“, erinnert sich die 59-Jährige an ihre Kindheit zurück. Für Balletshofer-Wimmer, die kritische Stimmen gegenüber des Spielzeugs nicht nachvollziehen kann, ist die Barbie-Puppe auch heute noch „absolut Kult“. Elisabeth Maier, Pastoralreferentin in der Stadtkirche Kolbermoor, sieht ebenfalls keinen Grund dafür, das Bestseller-Spielzeug aus dem Hause Mattel zu verteufeln. „Natürlich hatte ich auch eine Barbie-Puppe“, sagt die 37-Jährige, deren fünfjährige Tochter ebenfalls eine besitzt. Sie findet, dass die Barbie-Puppe in den vergangenen Jahrzehnten einen „ganz schönen Wandel“ mitgemacht hat und heute durchaus als Vorreiter in puncto Diversität und Vielfalt bezeichnet werden kann.

Nicht glücklich ist sie hingegen mit dem jüngst in den Kinos ausgestrahlten Kino-Film „Barbie“, der „leider alle Barbie-Klischees erfüllt und den Ruf der Barbie wieder schlechter gemacht“ hat. Dabei kann die beliebte Puppe ihrer Meinung nach durchaus die Fantasie und die Kreativität der Kinder positiv beeinflussen. Maier: Ich habe schon das Gefühl, dass sie die Kinder sehr zum Spielen anregt.“

Kein gutes Haar an der Erfindung aus den USA lässt hingegen Veronika Gmeiner, Behindertenbeauftragte der Stadt Kolbermoor. Sie selbst habe als Kind zwar eine gebrauchte Barbie-Puppe besessen, aber „viel lieber mit Natursachen gespielt“, wie die 68-Jährige gegenüber dem Mangfall-Boten betont. Ihrer Enkeltochter würde sie eine derartige klischeebeladene Puppe „nie schenken“.

Doch ist es für die Kolbermoorerin, die selbst im Rollstuhl sitzt und Behindertenbeauftragte ihrer Heimatstadt ist, nicht eine positive Entwicklung, dass der Hersteller Mattel mittlerweile auch Barbie-Puppen im Rollstuhl oder mit Downsyndrom auf den Markt gebracht hat? „Nein, das ist doch Schwachsinn“, findet Gmeiner. „Die Kinder, die an die Welt doch völlig unvoreingenommen rangehen, sollen nicht über Puppen mit diesen Themen in Kontakt treten, sondern einfach Betroffene auf der Straße dazu ansprechen.“

Melanie Binder, Buchautorin und Coaching-Anbieterin aus Kolbermoor, findet es hingegen „klasse“, dass der Hersteller Mattel mittlerweile so viele unterschiedliche Puppen anbietet und in seiner Produktgestaltung auch auf die Vielfalt eingeht.

Wunsch nach individueller Gestaltung

Auch wenn sie die früheren Modelle, die in erster Linie das optische Erscheinungsbild der Frau als Thema hatten, keineswegs schlechtreden will. „Natürlich hatte ich Barbie-Puppen und habe damit immer gemeinsam mit meiner besten Freundin gespielt“, erinnert sich die 40-Jährige, die findet: „Mir hat‘s auf keinen Fall geschadet.“ Gibt es denn auch eine Barbie-Version, die sie selbst gerne in den Auslagen der Spielwarengeschäfte gerne sehen würde? „Das ist eine schwierige Frage“, findet die Buchautorin. „Schön wäre es aber, wenn es die Möglichkeit gäbe, eine Barbie-Puppe komplett individuell zu gestalten“, sodass der Nachwuchs sozusagen mit der Familie im Kleinformat spielen könnte. Dass bei ihr daheim demnächst eine Barbie-Puppe im Kinderzimmer zu finden ist, glaubt Binder aber dennoch nicht: „Für meinen fünfjährigen Sohn ist Barbie absolut uninteressant.“

Ein Messe-Auftritt gilt als Geburtsstunde der Barbie-Puppe

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