Kolbermoor/Bad Aibling/Bad Feilnbach/Feldkirchen-Westerham – Auch wenn das Weihnachtsfest, an dem die Geburt Jesu gefeiert wird, für viele Menschen den Höhepunkt eines Jahres markiert: Das Osterfest ist für die Christen in aller Welt das wichtigste Ereignis. Wird doch an diesem Fest die Auferstehung Jesu Christi gefeiert, nachdem er drei Tage davor am Kreuz gestorben war. Und die wiederum den Menschen ebenfalls die Hoffnung auf die Auferstehung nach dem Tod und ein ewiges Leben im Reich Gottes gibt.
Zahlreiche
Bibelstellen
Christen berufen sich dabei auf zahlreiche Bibelzitate. So sind im Johannes-Evangelium, Kapitel 11, wo über die „Auferweckung des Lazarus“ berichtet wird, unter anderem die Jesus-Worte „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt“ zu lesen. Im ersten Brief an die Korinther, Kapitel 15, ist unter anderem zu lesen: „Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten.“
Doch was macht gläubige Christen so sicher, dass diese vor Jahrhunderten aufgeschriebenen Wort der Wahrheit entsprechen? Zumal die Wissenschaft bislang keinen Beweis für ein Leben nach dem Tod liefern kann. „Es gibt die, die dabei waren und es erlebt haben“, sagt beispielsweise Pfarrer Ernst Kögler, Leiter des Pfarrverbandes Maria Morgenstern, zu dem vier Pfarreien aus Bad Feilnbach gehören, und bezieht sich dabei auf die Überlieferungen, die im Neuen Testament schriftlich festgehalten worden sind. „Ich habe keinen Grund, anzunehmen, dass das gelogen ist.“
Für ihn selbst sei daher das Wissen, dass „Jesus auferstanden ist“, Beweis genug, dass auf die Menschen ein Leben nach dem Tod warte. Zumal es „oft schwierig“ sei, Dinge zu beweisen. So habe er seinen Studenten, wenn die Frage nach Beweisen kam, gesagt: „Stellen Sie sich eine Frau vor, die zu ihrem Freund sagt: Wenn Du mir wirklich beweisen willst, dass Du mich liebst, dann gehst Du jetzt auf den Eiffelturm und springst runter.“ Für ihn sei klar, dass der Glaube letztlich zu Wissen führe. Kögler: „Und ich habe im Leben oft die Erfahrung gemacht, dass sich die Berechtigung des Glaubens bestätigt hat.“
Was ihn davon überzeugt, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, zu dieser Frage äußert sich Markus Merz, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bad Aibling, die zum Netzwerk „Servus Segen – Evangelisch in Bad Aibling, Kolbermoor und Großkarolinenfeld“ gehört, gegenüber dem OVB nicht detailliert. Für ihn sei die Auferstehung aber „das große Geschenk Gottes, dass wir im Leben nicht alles schaffen müssen“. „Die Zeit rennt und wir arbeiten uns an so vielem ab und wünschen uns heimlich, unsterblich zu sein“, so Merz. „Auferstehung heißt aber: Gott steht für mich ein. Meine Rechnung hat er längst bezahlt.“
Schonungslos offen bei der Frage, was sie in puncto Leben nach dem Tod so sicher macht, zeigt sich hingegen Monika Langer, Pastoralreferentin im Pfarrverband Feldkirchen-Höhenrain-Laus. „Sicher kann ich nie sein“, gibt die Seelsorgerin zu. Sie betont aber auch: „Wie ein kleines Kind seinem Papa oder seiner Mama glaubt, dass sie es wirklich auffangen und halten werden, wenn es springt, so vertraue ich darauf, dass ich nicht ins Nichts falle, wenn ich sterbe.“ Langer ist überzeugt: „Wer diese Welt so wunderbar und bis ins kleinste Detail ineinandergreifend ins Dasein gesetzt hat, wird nichts verloren gehen lassen und Neues schaffen.“ In einem biblischen Bild gesprochen spricht sie daher von „einem neuen Himmel und einer neuen Erde“.
Sie selbst versuche in Gottesdiensten und Predigten, bei Beerdigungen und in der Firmvorbereitung „vom Glauben der biblischen Schriftsteller zu sprechen und in die heutige Situation von Menschen zu übertragen“. Dass der Glaube bei machen Menschen aber manchmal ins Wanken geraten könne, ist für sie durchaus nachvollziehbar: „Manchmal höre ich von traurigen Lebensgeschichten. Dann kann ich auch den Zweifel an einem glücklichen Leben nach dem Tod verstehen.“
Beten für „gutes
Leben vor dem Tod“
Sie selbst habe „bis jetzt nicht so viel Angst vor meinem Tod und vor dem, was danach kommt“. Was sie aktuell deutlich mehr belastet: „Ich verliere gerade meinen Optimismus, dass wir Menschen es noch schaffen, heil durch die Klimaveränderung zu kommen und unsere Umwelt noch für die Menschen der nächsten Generationen lebenswert zu erhalten.“ Langer: „Ich zweifle an der Gottebenbildlichkeit der Menschen und bete mehr für ein gutes Leben vor dem Tod als nach dem Tod.“