Kolbermoor – Sie sorgen per Photosynthese für Sauerstoff, liefern Mensch und Tier Nahrung und sind oftmals auch noch ein absoluter Blickfang: Pflanzen sind unabdingbar für ein Leben auf der Erde. Daher hat die US-amerikanische Gärtnerin und Umweltaktivistin Marion Owen einst den „Ehrentag der Pflanze“ ins Leben gerufen, der jedes Jahr am 13. April das Bewusstsein der Menschen für die Bedeutung von Pflanzen im Alltag schärfen soll. Ob er selbst eine Lieblingspflanze hat, welche Maßnahmen Hobbygärtner gegen die Folgen des Klimawandels treffen können und wieso er dem „Junggmias“ nachweint, hat Kurt Möser, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Kolbermoor, im Interview mit dem Mangfall-Boten verraten.
Am 13. April wird der „Ehrentag der Pflanze“ begangen, um das Bewusstsein für die Bedeutung von Pflanzen zu schärfen. Haben Sie eine Lieblingspflanze?
Meine Eltern bekamen in den 60er-Jahren von einem befreundeten Ehepaar mehrere Rosenstöcke geschenkt. Diese Pflanzen waren damals bereits mehr als 50 Jahre alt. Als meine Frau und ich in den 80er-Jahren in ein kleines Haus mit Garten zogen, gaben mir meine Eltern diese Rosen mit. Nach einigen Jahren zogen wir dann nach Kolbermoor – und die Rosen natürlich mit. Seit über 30 Jahren stehen nun diese Rosen bei uns auf dem Grundstück. Sie benötigen keine besondere Pflege. Sie werden lediglich im Frühjahr zurückgeschnitten und erhalten den von Fachleuten empfohlenen Dünger.
Der Obst- und Gartenbauverein Kolbermoor steht seinen Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite. Mit welchen Problemen rund ums Thema Pflanzen treten die Mitglieder denn an Sie heran?
Nicht nur Mitglieder rufen an, wenn sie Unterstützung beim Obstbaumschnitt brauchen. Wir haben zur- zeit leider keinen eigenen Baumwart, aber ein Mitglied unseres Vereins leistet hier gute Arbeit. Wir versuchen auch Antworten zu geben, wie man gegen den Buchsbaumzünsler vorgehen kann, der in diesem Jahr schon früh wieder aktiv geworden ist. Auch wie und wann man Rosen richtig schneidet, ist ein häufiges Thema. Hier bieten wir wie auch beim Obstbaum- und Beerensträucherschnitt Kurse an. Ein weiteres Thema: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Hier stehen beispielsweise Schattenwurf, Überwuchs, Abstände bei der Bepflanzung zur Grundstücksgrenze und Höhe von Zäunen und Hecken im Fokus.
Stichwort Klimawandel: Machen steigende Temperaturen und ausbleibende Regenfälle auch den Hobbygärtnern zu schaffen?
Natürlich. Nicht nur Landwirte verzweifeln an den Launen der Natur und am Klimawandel. Lange Trockenphasen, dann wieder Unwetter mit Starkregen, der Boden kann das Wasser nicht aufnehmen, es läuft ungenutzt ab. Man kann den Boden durch Bepflanzung mit geeigneten Bäumen oder Sträuchern vor dem Austrocknen schützen, auch Bodendecker bieten Abhilfe oder Schichten aus Kompost, Rasenschnitt oder Rindenmulch. Viele machen den Fehler, sich im Baumarkt Pflanzen zu besorgen, um dann daheim zu überlegen, wo diese im Garten Platz haben. Richtig wäre, den künftigen Standort zu analysieren und sich dann in den Fachmärkten beraten zu lassen, welche Pflanzen an diesen oder jenen Standort passen. Vor wenigen Wochen hielt ein Kreisfachberater vor unseren Mitgliedern zudem einen äußerst interessanten Vortrag über trockenheitsverträgliche Pflanzen.
Viele Balkon- oder Gartenbesitzer beklagen sich darüber, dass sie zu wenig Zeit haben, um sich um Balkon und Garten zu kümmern. Haben Sie einen Tipp für einen besonders pflegeleichten Garten?
Auch hier gilt: Erst beraten lassen, dann kaufen. Immer ein Thema: Auf gute Durchlässigkeit und Speicherfähigkeit des Bodens und auf die Qualität der Pflanzen achten. Keine Exoten nehmen, heimische Pflanzen sind robuster. Auch Rosen sind nicht sehr pflegeintensiv. Hier sollten die Hobbygärtner beispielsweise geprüfte ADR-Rosen wählen, also Rosen, die von einem Arbeitskreis, bestehend aus Vertretern des Bundes deutscher Baumschulen, des Bundessortenamts, von Rosenzüchtern und anderen unabhängigen Experten, geprüft worden sind.
Wie wichtig ist es in der heutigen Zeit, als Obst- und Gartenbauverein – beispielsweise durch Angebote bei Ferienprogrammen – Kinder und Jugendliche für die Pflanzenwelt zu begeistern?
Ich finde, es ist sehr wichtig, die Kinder schon sehr früh nicht nur mit den Blumen in Kontakt zu bringen, sondern auch mit den wichtigen Lebensmitteln, die wir in unseren Gärten anbauen und ernten. Leider haben wir beim OGV Kolbermoor derzeit keine Kinder- und Jugendgruppe. Unsere letzte Gruppe, das „Koibamoora Junggmias“, ist leider den Kinderschuhen entwachsen. Nachwuchs ist schwer zu finden, wir sind in Kolbermoor aber gerade dabei, die Voraussetzungen für eine neue Kindergruppe zu schaffen. Ich beneide jeden Obst- und Gartenbauverein, der eine Kinder- und Jugendgruppe hat, darum. Die Kinder sollen lernen, dass unser Gemüse, unsere Salate, unser Obst nicht im Supermarkt oder beim Discounter in den Regalen wächst. Sie sollen von Anfang an dabei sein, die Samen in die Erde bringen und sehen, wie sich unser Essen entwickelt, um dann auch zu ernten und eine Mahlzeit zuzubereiten.
Was bietet der Obst-
und Gartenbauverein im Rahmen des Ferienprogramms an?
Unser Beitrag zum Ferienprogramm ist seit einigen Jahren ein Besuch beim Kolbermoorer Bienenzuchtverein. Dort erfahren die Kids unter anderem, wie viel Arbeit unsere Bienen verrichten müssen, um ein Glas Honig zu sammeln.