Kolbermoor – Lena Büllesbach, eine junge Frau aus Kolbermoor, arbeitet seit sechs Monaten als Sozialpädagogin in einer Kinderdorffamilie im Caritas Kinderdorf Irschenberg. Nach ihrem Abitur war sie unsicher, welchen beruflichen Weg sie einschlagen sollte. Der Bundesfreiwilligendienst half ihr bei dieser Entscheidung und ermöglichte ihr, wertvolle Lebenserfahrungen zu sammeln.
Nach ihrem Abitur im Jahr 2017 entschied sie sich für den Freiwilligendienst im Caritas Kinderdorf Irschenberg, um herauszufinden, ob sie Grundschullehramt oder Soziale Arbeit studieren sollte. Eine Freundin hatte sie auf diese Möglichkeit und das Kinderdorf aufmerksam gemacht. Während ihres zwölfmonatigen Bundesfreiwilligendienstes unterstützte sie neben den Teams in den Kinderdorffamilien auch die Hausmeisterei. Besonders gefiel ihr der abwechslungsreiche Tagesablauf. „Das war super, total cool. Wir waren drei Mädels, alle fertig mit der Schule und in der Findungs- und Orientierungsphase. Vormittags habe ich, während die Kinder in der Schule oder im Kindergarten waren, beim Hausmeister gearbeitet. Dabei habe ich viel fürs praktische Leben gelernt. Das schadet nicht, wenn man auszieht und selbstständig wird“, erinnert sich die heute 25-Jährige. Durch ihre Arbeit lernte sie alle Abteilungen des Kinderdorfs und alle Kinderdorffamilien kennen.
Ab Mittag unterstützte sie eine Wohngruppe und fand es spannend, dort mit den Lebensgeschichten der Kinder in Berührung zu kommen. Rückblickend sagt Lena Büllesbach: „Das war schon sehr prägend, zu erleben, welche Schicksale es gibt, wenn man selbst aus einer intakten Familie kommt. Darum finde ich es so schön, dass es das Konzept Kinderdorf gibt und es hier so familiär ist.“ Sie profitierte auch von den Seminarbildungswochen des Freiwilligendienstes des Caritasverbands München-Freising in Schliersee, bei denen sie mit anderen Freiwilligen, auch Bufdis genannt, zusammenkam. Der Austausch untereinander, interessante Gastvorträge über psychische Krankheiten, soziale Gruppenarbeiten und Lernmethoden sowie zum Teil Soziale Arbeit rundeten ihren einjährigen Dienst ab. Danach war für sie ganz klar, dass sie Soziale Arbeit studieren möchte. In Landshut machte sie dann auch den Bachelor in Sozialer Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe.
Im Anschluss sammelte Lena Büllesbach erste berufliche Erfahrung im Kreisjugendamt in Rosenheim, bevor sie im November 2023 an ihre alte Wirkungsstätte in Irschenberg zurückkehrte. Heute arbeitet die Sozialpädagogin in Haus 11 im Gruppen- und Schichtdienst. In der Wohngruppe leben neun Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwei und 20 Jahren. Und da ist sie jetzt selbst froh, wenn sie dort Unterstützung von Bufdis oder Praktikantinnen bekommt.
Das Kinderdorf profitiert stark vom Engagement der Freiwilligen. Das weiß Verwaltungsleiter Hannes Klapos am besten, dem es deshalb sehr wichtig ist, dass es so weitergeht. Denn die Aussetzung des Wehrdienstes und damit auch des Zivildienstes ist nach wie vor eine große Herausforderung für die Verantwortlichen im Kinderdorf. „In unserem Fall konnte der Bundesfreiwilligendienst die Folgen der Aussetzung des Zivildienstes nur zum Teil kompensieren. Positiv ist allerdings hervorzuheben, dass heute die Motivation der Freiwilligen deutlich höher ist als damals bei den Zivildienstleistenden“, so Klapos.