Kolbermoor/Bad Feilnbach – Ob Fuchs, Marder oder Habicht – bei den heimischen Raubtieren steht durchaus gerne auch Geflügel auf der Speisekarte. Freilaufende Hühner sind somit immer im Visier, ob in der freien Natur oder im Gehege, da machen die „Räuber“ keinen Unterschied. Und stellen somit auch Hühnerhalter immer wieder vor Probleme. Denn einen 100-prozentigen Schutz gibt es offensichtlich nicht, will man seine Tiere nicht Tag und Nacht nur im Stall halten.
Hühner sind
Teil der Familie
Bei den Müllers in der Aiblinger Au zählen die Hühner quasi zur Familie: „Meine Frau zieht sie alle von Hand auf, sie laufen den ganzen Tag frei auf dem Hof herum“, sagt Thomas Müller, der die Tiere vor wenigen Nächten wie immer in ihren Stall sperren wollte. „Es war in der Dämmerung, sie waren noch nicht alle drin im Stall. Ich habe noch kurz etwas anderes gemacht. Als ich zurückkam, lagen 14 Hühner tot auf dem Hof. Eines hat der Fuchs mitgenommen. Die restlichen sind auch Tage danach noch verschreckt.“
Es ist nicht das erste Mal, dass das passiert, und sein Hof ist nicht der einzige, der betroffen ist. Zumal er im Außenbereich liegt, dort, wo der Fuchs auch seinen Bau hat und momentan seine Jungen aufzieht. Das Thema kennt im Prinzip jeder, der Hühner hält. Während es bei Familie Müller in erster Linie der ideelle Wert ist, der den Verlust ausmacht, kommt bei Haltern wie Martina Beck vom Kolbermoorer Biohof Beck auch der materielle Schaden hinzu: „Ein Biohuhn kostet 20 Euro, und da hat es noch kein Ei gelegt.“ Auch bei ihr lebt der Fuchs ganz in der Nähe.
„Der Fuchs ist ein wahnsinnig gescheites Tier. Wenn der merkt, dass er den Gasthof direkt vor der Tür hat, kommt er immer wieder. Erst vor zwei Nächten hat er vier unserer Zierhühner getötet. Den Gockel, den wir im Entwässerungsgraben liegen haben lassen, hat er sich in der Nacht darauf geholt.“ Wobei er jetzt, da er Junge habe, ohnehin öfter vorbeikomme und sich sogar auch am helllichten Tag blicken lasse.
„In der Zeit, in der der Fuchs Junge hat, ist der Nahrungsbedarf natürlich höher und der Beutedruck somit größer, vor allem in Jahren mit geringeren Mäuseaufkommen“, sagt auch Dr. Andreas Zahn, Vorsitzender der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Mühldorf.
Vom Hofhund der Becks lässt sich der Fuchs genauso wenig irritieren wie von dem der Müllers. „Das stört den nicht. Der Hundegeruch schreckt ihn auch nicht ab“, sagt Martina Beck und berichtet von einem Jungfuchs, der direkt an ihrem Mann aus dem Gehege wieder herausgelaufen sei, als dieser gerade dabei war, die rund 600 Hühner für die Nacht einzusperren. Gut 20 Hühner hatte er bei diesem Raubzug zuvor getötet. Oft bleiben die gerissenen Tiere nicht die einzigen Todesopfer: „Manche der Überlebenden sind so schockiert, dass sie auch danach einfach tot von der Stange fallen.“ Während die Tiere von Müller frei auf dem Hof herumlaufen, sind sie auf dem Hof von Beck durch einen Zaun geschützt, der laut Beck tief in den Boden eingegraben ist: „Doch der Fuchs schafft es auch, sich durchzugraben. Oder er beißt sich durch. Ein Bekannter hat ihn auch schon beobachtet, wie er mit seiner Beute einfach über den Zaun gesprungen ist.“
Von einem Fall, bei dem der Fuchs „saufrech einfach mit den Hühnern mitspaziert ist“, weiß Josef Rauscher vom Moarhof in Au (Gemeinde Bad Feilnbach). Auch bei seinen 5000 Hühnern hat er immer wieder Verluste: „Wenn du Freilandhaltung hast, lebst du mit dem Fuchs und dem Habicht, da gehören solche Vorkommnisse fast mit dazu.“ Auch er hat erlebt, dass der eigentlich nachtaktive Fuchs schon bei Tageslicht kommt. „Man kann nur schauen, dass man die maximalen Schutzvorkehrungen trifft. Und an die Jägerschaft appellieren, dass sie ein Auge auf die Füchse hat.“
Das haben diese, wie beispielsweise Erwin Röglinger aus Kolbermoor betont. Derzeit ziehen die Füchse jedoch ihre Jungen auf und in dieser Zeit – vom 1. März bis 30. Juni – ruhe die Fuchsjagd. Diese sei generell nicht einfach. Die Tiere sind nachtaktiv und bei Dunkelheit so gut wie nicht zu erkennen. Am ehesten gelinge es in der Dämmerung, dann, wenn auch noch die Jagd auf Rehe erlaubt sei: bis zu einer Stunde nach Sonnenuntergang beziehungsweise eine Stunde vor Sonnenaufgang. Vollmond oder Schnee im Winter erleichtern die Sicht. Allerdings müsse der Fuchs auch nahe genug herankommen, um ihn gezielt schießen zu können. Es gebe auch die Möglichkeit, Lebendfallen durch den Jäger aufstellen zu lassen, wenn ein Fuchs auf einem Hof zum Problem werde.
Population sei
nicht einzudämmen
Man dürfe generell nicht verkennen, dass es dem Fuchs „in unserer Kulturlandschaft sehr gut geht“, sagt Dr. Andreas Zahn. Die Population mittels Abschuss flächendeckend und auf „humane Art“ einzudämmen, sei praktisch nicht leistbar. Zudem seien die Füchse mittlerweile auch in den Städten unterwegs. „Man wird mit dem Fuchs leben müssen, genauso wie mit dem Marder oder dem auf dem Vormarsch befindlichen Waschbär. Da führt für die Halter kein Weg an einer ordentlichen Sicherung für ihre Hühner vorbei.
Das legt auch Erwin Röglinger den Betroffenen ans Herz: „Dazu gehört eine Umzäunung mit einem gescheiten Untergrabschutz bis zu 30, 40 Zentimeter in den Boden rein und am besten noch eine Stromlitze oben herum. Nachts, beziehungsweise vor der Dämmerung, müssen die Hühner natürlich eingesperrt werden.“