Kolbermoor – Man stelle sich folgende Szene vor: Vor einer Bäckerei ist ein Lastenfahrrad so geparkt, dass es die ganze Straße blockiert. Der folgende Autostau ist immens, aber als die Verursacherin zu ihrem Gefährt zurückkommt, meint sie unschuldsvoll: „Ich war doch nur kurz Semmeln holen.“ In der Realität ein Erlebnis, das man häufig haben kann – nur sind es dann parkende Autofahrer, die „nur kurz“ Geh- und Radwege blockieren und den Ärger, den sie auslösen, nicht selten gar nicht zu verstehen scheinen.
15 Karikaturen zeigen
Verkehrsprobleme
Genau darum geht es bei einer Ausstellung, die bis zum 20. Juni auf der Empore im ersten Stock des Rathauses zu sehen ist. 15 Karikaturen von Michael Hüter und Thimo Graf zeigen Verkehrsprobleme, denen Fußgänger und Radler tagtäglich begegnen – allerdings so, wie diese aussehen würden, wenn einmal Autofahrer die Betroffenen wären. Die gezeigten Situationen wirken in dem ungewohnten Zusammenhang wirklich witzig und in dem Schmunzeln und Lachen, das sie auslösen, steckt auch der tiefere Sinn dieser Ausstellung. Es geht darum, Verkehrssituationen, die man täglich erlebt und die deshalb mehr oder weniger „normal“ erscheinen, einmal in neuem Licht zu sehen. Dabei wird deutlich, wie absurd manches in unserem Verkehrsverhalten ist. Ganz entscheidend ist dabei, dass die Form der Darstellung, die Karikaturen, dem Ganzen jeden belehrenden Unterton nehmen.
Nach der Überzeugung von Veronika Winkler, Kolbermoorer Mobilitätsmanagerin, stehen wir uns im Verkehr sowieso viel zu häufig mit finsterer, verbissener Miene und erhobenem Zeigefinger gegenüber. Wo es doch mit einem Lächeln und ein bisschen Geduld für die anderen viel besser ginge. Schließlich, so die Überzeugung der Stadt, wird die Zukunft des Verkehrs in einem viel ausgeprägteren Verkehrsmix liegen: Da ist dann jeder irgendwann einmal Fußgänger, Fahrrad- oder Autofahrer und in seiner jeweiligen Rolle froh über die Rücksicht der anderen. Auf die Bemühungen, den Verkehr in ihrer Stadt zukunftstauglich zu machen, können die Kolbermoorer dabei übrigens durchaus stolz sein, wie Zweiter Bürgermeister Dieter Kannengießer bei der Ausstellungseröffnung meinte. „Verkehrskonzepte zu entwerfen ist eines. Sie zusammen mit den Bürgern anzupacken und tatsächlich mit ihrer Umsetzung zu beginnen, dann aber noch etwas ganz anderes.“ Deshalb ist auch die Ausstellung natürlich ins „große Ganze“ mit eingebunden: In gewissem Sinn steht sie in Verbindung mit dem „Alle Achtung“-Projekt der Stadt. Da wird mit großflächigen Bannern, aber auch Postkarten ebenfalls für ein entspannteres Verkehrsverhalten geworben. Auf jeden Fall gehört die Ausstellung ins Umfeld des kommenden Stadtradelns, das vom 9. bis 29. Juni möglichst viele Kolbermoorer aufs Fahrrad locken will. Denn hier ist die Grundidee ja nicht das reine Sammeln von Kilometern, sondern der Versuch, das Fahrrad einmal als Alltagsverkehrsmittel auszuprobieren.
Fahrten fließen in
die Bewertung ein
Deshalb ist es auch folgerichtig, dass beim kommenden Stadtradeln erstmals auch die Anzahl der unternommenen Fahrten in die Bewertung mit einfließt. Und falls in diesem Stadtradelzeitraum auch noch viele fröhliche, zumindest aber entspannte Gesichter auf den Fahrrädern, aber auch in den Autos zu sehen wären, dann, so meint Veronika Winkler, wären sowohl die jetzige Ausstellung als auch das Stadtradeln wirklich ein großer Erfolg.