Kolbermoor – Die Stadt Kolbermoor verfolgt mit zahlreichen Maßnahmen das Ziel, eine noch fahrradfreundlichere Kommune zu werden. Im Zuge des Radverkehrskonzeptes zählt hierzu auch die Verbesserung der Abstellmöglichkeiten. Denn diese sollten zum einen zahlreich vorhanden sein, zum anderen müssen sie eine gewisse Sicherheit gewährleisten. Aus diesem Grund hatte die Stadt Kolbermoor zuletzt beschlossen, 1000 „attraktive Fahrradständer“ im Stadtgebiet zu errichten. Doch bringt diese Maßnahme auch tatsächlich mehr Menschen dazu, das Auto stehen zu lassen und sich auf den Fahrradsattel zu schwingen?
„Einfluss auf die
Verkehrsmittelwahl“
Kolbermoors Mobilitätsmanagerin Veronika Winkler zumindest ist davon fest überzeugt. Die Aussicht auf einen sicheren und gut erreichbaren Fahrradabstellplatz am Startpunkt beziehungsweise am Zielort sei ein wesentliches Entscheidungskriterium für die Verkehrsmittelwahl, sagt sie und bezieht sich damit auch auf das Radverkehrskonzept der Stadt. „Wenn ‚gute‘ Fahrradständer vorhanden sind, hat das meines Erachtens einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Verkehrsmittelwahl“, betont Winkler. Es mache schon einen Unterschied, ob das eigene Rad nur an einer Hauswand angelehnt wird, oder ob es sicher mit dem Rahmen am Fahrradständer abgeschlossen werden kann, so die Mobilitätsmanagerin. Wenn das Rad dann länger irgendwo stehen muss, etwa am Arbeitsplatz, sei es für viele Menschen wichtig, dass der Abstellplatz überdacht ist. „Wenn der Arbeitnehmer weiß, dass das Fahrrad samt Zubehör wind- und wettergeschützt ist, motiviert das nachweislich schon, dass das Rad genutzt wird“, sagt Winkler.
Ganz generell profitierten alle davon, wenn der doch insgesamt begrenzte Platz „sinnvoll“ genutzt werde. „Ein Pkw-Stellplatz hat etwa zwölf Quadratmeter. Auf dieser Fläche könnten bis zu zehn Fahrräder oder vier Lastenräder abgestellt werden“, veranschaulicht Winkler. Und ganz nebenbei: „Weniger Lärm, weniger Abgase, mehr Lebensqualität, wenn mehr Leute mit dem Fahrrad fahren statt mit dem Auto.“
Winkler macht deutlich, dass 47 Prozent der innerörtlichen Wege, die derzeit mit dem Auto zurückgelegt werden, auf das Fahrrad verlagert werden könnten. So könnten jährlich 18 Tonnen CO2 eingespart werden. „Wir wollen die Menschen einladen, die Radverkehrsinfrastruktur zu nutzen und positive Anreize schaffen, die es leichter und bequemer machen.“
Am Bahnhof „sehr
gut angenommen“
Ein weiterer Vorteil der städtisch errichteten Abstellmöglichkeiten: Sie sind für jeden Fahrradtyp geeignet, für Kinderräder, Lastenräder oder auch Räder mit Anhängern. Zudem seien sie Felgen schonend, diebstahl- und vandalismussicher, bequem zu nutzen, witterungsbeständig, je nach Standort beleuchtet und vor allem zielnah. „An Kindergärten oder Schulen setzen wir ADFC-zertifizierte Fahrradparker ein, die etwas platzsparender sind als Anlehnbügel“, ergänzt Winkler. Sie ist vom Erfolg der Radständer-Offensive überzeugt. Dafür spreche unter anderem, dass die neu errichteten Fahrradständer am Bahnhof (Nordseite) „sehr gut angenommen“ werden. Am Rathaus und der Bücherei würden die zusätzlich errichteten Fahrradständer ebenfalls gut genutzt, „von den Rathaus-Angestellten genauso, wie von Bürgern“.
Wann genau alle 1000 Radständer in Kolbermoor fertiggestellt werden, sei noch unklar. „Es wird sicher ein paar Jahre dauern“, weiß Winkler. Mit dem geplanten Fahrradparkhaus am Bahnhof (Südseite) werde man dem Ziel aber schon einen großen Schritt näher kommen. „Die Umsetzung ist für nächstes Jahr Frühling angedacht.“
Bei den neuen Fahrradständern wolle man auch Bürgeranregungen mitaufnehmen und so Schritt für Schritt weiterkommen. Außerdem würden im Projekt auch Radlständer mitgezählt, die beispielsweise im Einzelhandel errichtet werden – „darauf haben wir keinen Einfluss“, so die Mobilitätsmanagerin.
Dennoch: Für die zahlreichen Abstellmöglichkeiten wird die Stadt Kolbermoor auch eine Menge Geld in die Hand nehmen. Je nach Version variierten dann die Kosten. Weil etwa ein überdachter Fahrradstellplatz teurer ist als nicht überdacht oder weil mancherorts Fundamente benötigt werden. Deshalb sei eine genaue Kostennennung derzeit noch schwierig. Laut dem Radverkehrskonzept rechne man für die Überprüfung, Modernisierung und Erweiterung von Radabstellanlagen an allen öffentlichen Einrichtungen mit Kosten von knapp 41000 Euro inklusive Überdachungen.
Geplant sind für dieses Jahr noch Radlständer für die Innenstadt und die Adolf-Rasp-Schule. Letztere wurden bereits geliefert und werden demnächst montiert, so Winkler. Die Radl-
ständer für den Kindergarten „am Alten Tonwerk“ seien ebenfalls unterwegs. Dort habe man jeweils mit der Direktorin und dem Hausmeister sowie der Einrichtungsleitung abgesprochen, was benötigt wird.
Radler-Zahlen
steigen
Insgesamt zeigten die verschiedenen Bemühungen der Fahrrad-Offensive Wirkung, was nicht zuletzt die Daten der Zählstelle hinter dem Rathaus verdeutlichten. Laut Winkler fahren dort an ganz normalen Wochentagen derzeit etwa 1400 Menschen mit dem Fahrrad vorbei. „Und die Zahlen zeigen, dass von Montag bis Freitag mehr Menschen unterwegs sind, als am Wochenende, und deutliche Spitzen morgens und abends (zum Berufsverkehr) zu erkennen sind“, so Winkler. Es seien also eine Menge Radler im Alltag unterwegs. Und man bekomme nach und nach Rückmeldungen, wonach das Fahrradfahren in Kolbermoor „Stück für Stück“ bequemer oder sicherer werde. „Und dass das Fahrradfahren dadurch mehr Spaß macht – das hören wir von allen Bevölkerungsgruppen, von Jung bis Alt.“