Die RO13 bleibt ein brisantes Thema

von Redaktion

Aufgrund der gefährlichen Situation entlang der Kreisstraße RO13 in Kolbermoor hatte es zuletzt viel Kritik gegeben. Bislang ohne Erfolg, da die Behörden keinen Spielraum für Veränderungen sehen. Bei den Anwohnern herrscht Ernüchterung. Doch könnte ihr Engagement nun doch etwas bewirken?

Kolbermoor – Viel Wirbel hatte der Brief der kleinen Emily erregt, als sie sich kurz vor Weihnachten mit einem Wunschzettel an die Bürgermeister aus Kolbermoor und Rosenheim gewandt hatte. Die Neunjährige wohnt in der Aiblinger Straße und hat auf ihrem Schulweg fast täglich Probleme, diese zu überqueren. Neben dem regen Verkehr kommt hinzu, dass es auf ihrer Straßenseite keinen Bürgersteig gibt, auf dem das Mädchen bis zur einzigen, weiter unten gelegenen Querungshilfe gelangen könnte.

„Elektronischer
Zeigefinger“ half nicht

Ihr Brief landete auch bei Landrat Otto Lederer. Emily wünschte sich eine Ampel oder einen Zebrastreifen. Doch auch über ein halbes Jahr später hat sich die Situation für die engagierte Schülerin und alle anderen Anwohner der Kreisstraße RO13 am Ortseingang von Kolbermoor (Lohholz) nicht verändert. Könnte trotzdem nochmal Bewegung in das festgefahrene Thema kommen?

Aber der Reihe nach: Stand jetzt bleibt alles beim alten. „Es gibt hier leider gar nichts Neues“, erklärt etwa Emilys Vater, Oliver Karoß, gegenüber dem OVB. Seine Tochter habe es nach wie vor schwer. Und dies treffe auch auf viele noch jüngere Kinder zu, die sich mit den gefährlichen Gegebenheiten abfinden müssten. Erschwerend hinzu kämen parkende Autos am Straßenrand, die die Verkehrssituation noch gefährlicher und unübersichtlicher machten. Die einzige Maßnahme – ein aufgestellter „elektronischer Zeigefinger“, der Pkw-Fahrer auf ihre Geschwindigkeit hinweisen soll – habe laut Karoß „überhaupt keinen Effekt erzielt“ und sei ohnehin schon nach wenigen Tagen ausgefallen.

„Aus meiner Sicht würde zur Verkehrsberuhigung der Straße nur die feste Installation einer Geschwindigkeitskontrolle und oder eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer einen Effekt bringen“, so der Familienvater. Doch danach sieht es derzeit nicht aus.

Ebenso ernüchtert äußert sich deshalb auch Dr. Karl Auerswald, der in einer der zahlreichen Stichstraßen, die von der Aiblinger Straße abzweigen, wohnt. Der pensionierte Professor blickt auf einen monatelangen Austausch mit der Stadt und dem Landratsamt zurück, in dem er auf die problematische Situation aufmerksam gemacht habe.

Forderung nach
Tempo-30-Limit

Seine Forderung: Wenn schon kein Bürgersteig errichtet oder eine Ampel angebracht werden kann, dann sollte wenigstens die Geschwindigkeit auf Tempo 30 reduziert werden. Dabei bezieht er sich vor allem auf den Bereich um die Ortseinfahrt in Lohholz (von Bad Aibling kommend).

Die Bewohner des dortigen Seniorenheims würden hier ohne Bürgersteig direkt auf die viel befahrene Straße laufen. Doch Auerswald hat die Hoffnung mittlerweile aufgegeben, dass sich an den Umständen etwas ändern könnte. „Es hat sich nichts getan, und ich denke auch, es wird sich nichts mehr tun“, so Auerswald.

Dieser Zustand sei traurig, betont der Anwohner und bezieht sich auf den „fehlenden Schutzgedanken“. So sei in dem Bereich etwa auch ein Bürgersteig für rund 200 Meter abgesenkt. Hier fühle man sich als Fußgänger überhaupt nicht sicher, und Autos könnten problemlos über den Bordstein fahren, wenn es auf der Straße mal zu eng wird.

Doch bei aller Sorge scheint die Sachlage klar: Laut dem Landratsamt Rosenheim liegen nicht die notwendigen Voraussetzungen vor, um einen Zebrastreifen oder eine Ampel zu errichten, teilte zuletzt eine Sprecherin der Behörde mit. Hierfür müsste es auf beiden Seiten der Straße einen Fußgängerweg geben, damit gewünschte Querungshilfen auf beiden Straßenseiten gut erreicht werden können. „Zudem muss es auf dem Gehweg genügend Platz für Personen geben, die an der Ampel warten.“ Der Knackpunkt: Um einen zweiten Gehweg auf der anderen Straßenseite zu bauen, ist laut Landratsamt aktuell „nicht genügend Platz vorhanden“.

Doch weil sich einige Anwohner nicht mit dem Zustand zufriedengeben wollen, könnte das Thema trotzdem nochmal Fahrt aufnehmen. „Ich will mich auf jeden Fall noch mal an den Landrat wenden“, erklärt Oliver Karoß. Für den Fall, dass überhaupt keine Lösung gefunden wird, hatte seine Frau Lilly bereits laut über ein mögliches Bürgerbegehren nachgedacht. Mithilfe einer Onlinepetition könnten dann Unterschriften gesammelt werden, um damit letztlich ein Bürgerbegehren zu erwirken. Ein Bürgerbegehren also, um Tempo 30 zu erreichen – ist das überhaupt möglich?

Eine abschließende Antwort auf diese Frage steht derzeit noch aus. Das Landratsamt Rosenheim teilte mit, dass die Sachlage hierzu noch geprüft werde. Else Huber vom Vorstand der Grünen (Ortsverband Kolbermoor) weist seit Langem auf die prekäre Verkehrssituation am Eingang Kolbermoors hin. Sie äußert sie jedoch Zweifel daran, dass ein mögliches Bürgerbegehren Erfolg haben könnte. „Da sehe ich leider keine großen Chancen. Es gibt einfach viele Menschen, die lieben es, zu rasen.“

„Viele Menschen
lieben es, zu rasen“

Zudem interessierten sich insgesamt zu wenige Menschen für das Problem. „Tempo 30 wünschen sich die paar Leute in dem angesprochenen Bereich, dem Rest ist es aber überwiegend egal.“ Hoffnung, dennoch in Zukunft eine Verbesserung zu erreichen, sieht Huber vielmehr in einer gesetzlichen Änderung der Straßenverkehrsordnung. Durch diese zuletzt bundesweit vorgenommene Änderungen sollen Länder und Kommunen nun mehr Entscheidungsspielräume erhalten. So könnten Behörden künftig einfacher Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Zebrastreifen anordnen. Gerade in der möglichen Anbringung eines Zebrastreifens sieht Huber Chancen auf eine Verbesserung. „Man könnte nun zumindest mit öffentlichem Druck intensiver darüber nachdenken.“ Schließlich gehe es um die Sicherheit der Anwohner.

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