Der Amboss als Musikinstrument

von Redaktion

Schmiede-Biennale eröffnet – Schweizer feiern Nationalfeiertag in Kolbermoor

Kolbermoor – Was ist in Kolbermoor los, wenn vor dem alten Rathaus Feuerschalen brennen, Alphornbläser auftreten und die Bürger auf dem voll besetzten Platz echtes Raclette schlemmen? Dann ist Nationalfeiertag! Natürlich kein deutscher, sondern der der Schweizer. Denn am Donnerstag begann die 14. Schmiede-Biennale, das diesjährige Gastland ist die Schweiz.

Einzigartige Stimmung

Die Biennale, das zeigte sich auch dieses Jahr wieder, ist ein wirklich großes Ereignis in Kolbermoor. Da ist zum einen die Garantie, dass man von der bärigen Stimmung, die in der gesamten Schmiedefamilie herrscht, einfach mitgetragen wird, ob man nun will oder nicht. Und da ist die Sicherheit, dass man im Verlauf der Biennale jede Menge Erkenntnisse über das Schmiedehandwerk bekommt, die einem ohne Besuch auf immer verwehrt geblieben wären.

Verblüffende Töne
bei Ambosspolka

Zum Beispiel, dass ein Amboss tatsächlich auch ein Musikinstrument sein kann, wie Hans Reif, ein Urgestein der Biennale, bei der Ambosspolka zeigte. Eine Besucherin meinte völlig verblüfft, sie hätte gar nicht gewusst, dass aus so einem Ding verschiedene und dabei genau bestimmte Töne herauszubringen seien. Auch den Erler Bläsern, die Hans Reif sozusagen begleiteten, hat es offenbar gefallen: Sie spielten so viele Durchgänge des Stücks, dass Reif direkt ins Schwitzen kam. Viel Applaus und gute Laune also schon ganz zu Anfang des Eröffnungsabends, dem nicht nur Landrat Otto Lederer, sondern auch einige Bürgermeister aus der Region die Ehre gaben.

Einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird, brachten dann die Jungschmiede. Die 34 an der Zahl hatten vom Beginn der Woche an gewissermaßen eine „Schmiede-Intensiv-Fortbildung“ erhalten. Mit Vorträgen, die Tipps für Berufseinsteiger brachten, auch über das für Schmieden wichtige gestalterische Zeichnen, sowie jede Menge praktischer Arbeiten. Das Ergebnis der Woche war auch zu sehen, in einem riesigen Setzkasten in Form eines Ambosses. In dessen Fächern stehen die ganze Biennale über die Beweise für das Können der Jungschmiede. Das Beste aber: Am Eröffnungsabend zeigten die Jungschmiede in einem sogenannten freien Schmieden, wie es aussieht, wenn sie an ihren kleinen Kunstwerken arbeiten.

Jungschmiede beweisen Können

Das Schmiedezelt war dabei innen prall mit arbeitenden Schmieden gefüllt und von außen dicht umlagert, das Ganze schon an und für sich eine Art von Kunsterlebnis für Auge und Ohr. Dass es sich dabei um Jungschmiede handelt, war trotzdem leicht zu erkennen, an dem Schabernack, der hier auch getrieben wurde, für den im normalen Arbeitsalltag aber wohl selten Zeit bleibt. Etwa den „Hammer-Nasen-Contest“, bei dem es darum geht, einen schweren und langen Schmiedehammer in der erhobenen Hand vorsichtig und zielgenau Richtung Nase abzusenken.

Auch solcherlei „Allotria“ garantiert, dass auch die nächste Generation der Schmiede in einer Schmiedefamilie zusammenhalten wird. Wobei es übrigens zwischen Jung und Alt keine Unterschiede geben wird: Wo immer es hakte, standen die „ausgewachsenen“ Profis mit Rat und Tat zur Seite.

Riesenfest für
Groß und Klein

Wenn man den Eröffnungsabend als Maßstab nimmt, wird auch die diesjährige Biennale nicht nur ein handwerkliches Großereignis, sondern erneut ein Riesenfest für Groß und Klein sein. Bürgermeister Peter Kloo zeigte sich von Anfang an mitgetragen von der tollen Stimmung, Landrat Otto Lederer und der Schweizer Konsul Uwe Haueter waren es ebenso.

Für alle, die sich davon selbst vor Ort überzeugen wollen, bietet sich bis Sonntagvormittag noch Gelegenheit dazu. Das gesamte Programm der Schmiede-Biennale ist im Internet unter https://www.metall-zentrum.de/ ausführlich zu finden.

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