„Einbieseln“ ausdrücklich erwünscht

von Redaktion

Mitglieder des Siedlervereins und Trachtler bauen barrierefreien Toilettenwagen

Kolbermoor – Was hält ältere Menschen, vor allem solche mit Einschränkungen beim Gehen, oft vom Besuch von Orts- oder Vereinsfesten ab? Es ist, ganz banal, der Toilettenwagen. Denn was einem jüngeren oder fitteren Menschen gar nicht auffällt: Die hohen Treppen, die solche Wägen in der Regel haben, machen ihre Benutzung für Ältere oder Gehbehinderte schlicht unmöglich. Die Folge: Man geht viel früher von einem Fest heim, als man eigentlich möchte – oder gar nicht erst hin.

Brauereien stellen
keinen Wagen mehr

Das wollen wir ändern, sagte man sich beim Siedlerverein und beim Trachtenverein „Immergrün“. Dort hatte man nämlich ab vergangenem Herbst die Überlegung, sich einen eigenen Toilettenwagen zu bauen: Die Brauereien selbst stellen meist keinen mehr zur Verfügung, für die Wägen von anderen, kommerziellen Anbietern sind aber nicht selten „Apothekerpreise“ zu zahlen. Und wenn man sich schon an die Arbeit für einen eigenen Toilettenwagen machte, dann sollte der, das war keine Frage, rundum perfekt und deshalb auch absolut barrierefrei und behindertengerecht sein. Klar war damit auch, dass der
Toilettenwagen kein Wagen im eigentlichen Sinn sein konnte, sondern vielmehr ein Container sein musste, denn nur der lässt sich ebenerdig aufstellen: Die verbleibende niedrige Schwelle kann dann mit einer kleinen Rampe überbrückt werden, der Container ist damit auch für Rollstuhlfahrer zugänglich. Auch sonst ist er bis ins Letzte durchdacht, die Seitenwände einige wenige Zentimeter angehoben, sodass er durch Ausspritzen bis in alle Ecken sauber gemacht werden kann.

Fragt man Christian Wagner, Christian Staudinger und Wast Voit, ob sie sich das alles selbst ausgedacht oder Fachleute hinzugezogen hätten, sagen die zunächst bierernst: „Natürlich Fachleute! Mit jahrzehntelanger Erfahrung!“, um dann lachend auf sich selbst zu zeigen: „Wir waren schließlich alle auf genügend Bierfesten, um zu wissen, was man braucht.“ Einen entsprechenden Container bekamen die Vereine sogar geschenkt, doch war von diesem eigentlich nur noch das Gerüst zu verwenden und auch das musste man sandstrahlen und frisch lackieren. Dach und Seitenwände dagegen sind alle neu, ebenso natürlich die Sanitärinstallation darin, an der man bis gestern noch werkelte. Möglich macht das nicht zuletzt Bauhofleiter Michael Glas, der in Abstimmung mit der Stadt nicht nur Gelände und Werkzeug bereitstellte, sondern auch selbst aktiv mithalf. Nicht vergessen darf man, so Christian Wagner, auch die zahlreichen Sponsoren, nicht zuletzt Firmen, ohne die das Projekt nicht zu stemmen gewesen wäre.

Premiere beim
Siedlerfest

Gestern wurde der Container per entsprechendem Lkw, den Bürgerfestvorstand Wast Voit stellen kann, zu seinem ersten Einsatzort, zum Siedlerfest, gebracht. Dort kommt er dann ab Freitag zur Verwendung, steht danach aber allen Vereinen in Kolbermoor zum Ausleihen zur Verfügung.

Und „die vier vom Toilettenwagen“, Christian Wagner, Christian Staudinger, Wast Voit und Michael Glas, die ihrerseits für alle Mithelfer stehen, haben für die Besucher des Siedlerfestes eine klare Botschaft: Viel zu trinken ist hier ausnahmsweise kein liederlicher Akt, sondern geradezu Pflicht. Denn schließlich muss der neue Toilettencontainer, der wegen seiner Barrierefreiheit ein absolutes Unikat ist, auch gebührend eingeweiht, äh, eingebieselt werden.

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