Mangfalltal – Es spielt im Leben eines jeden Menschen tagtäglich im wahrsten Sinne des Wortes eine wichtige Rolle. Wobei es die meisten Menschen aber vor allem erst dann bemerken, wenn es fehlt. Die Rede ist vom Toilettenpapier, dem jährlich am 26. August ein eigener weltweiter Gedenktag gewidmet ist. Für den Mangfall-Boten war es daher ein dringendes Bedürfnis, im Mangfalltal nachzufragen, welchen Batzen die Kommunen jährlich fürs Klopapier hinblättern müssen.
2710 Euro gibt
Bruckmühl aus
Dass die Antworten der Gemeindeverwaltungen auf die vom Mangfall-Boten gestellten Fragen förmlich in die Redaktion gespült worden sind, lässt sich nicht behaupten. Vielmehr entstand das Gefühl, dass sich die meisten Kommunen eine Antwort gerne verkneifen würden. Vielleicht, weil derartige Zahlen im stillen Örtchen – pardon Kämmerchen – auf- und abgeführt werden?
Keinerlei Bauchschmerzen, die Presseanfragen zu beantworten, hatte die Marktgemeinde Bruckmühl, dort haben die Fragen sogar für Erheiterung gesorgt. 2710 Euro – so hoch waren nach Angaben von Martina Neuhausen, in Bruckmühl unter anderem für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, die Ausgaben der Kommune im Jahr 2023 für Toilettenpapier, was rund 7,42 Euro pro Tag entspricht.
Eine Zahl, die sich schnell relativiert. Denn das seitens der Kommune zentral bestellte Toilettenpapier ist nicht nur für die 70 Mitarbeiter der Kommunalverwaltung bestimmt, sondern wird auch – je nach Bedarf – an insgesamt 17 Liegenschaften der Marktgemeinde wie beispielsweise Bürgerhaus, Grundschulen, Kindergärten und Kulturmühle verteilt.
Wobei der Verbrauch unterschiedlich sei. So werde beispielsweise in den Toiletten an den Friedhöfen „wenig verbraucht“, wie Neuhausen mitteilt. Ob Verwaltungsmitarbeiter-Po oder Lehrer-Gesäß – hier kennt die Marktgemeinde übrigens keine Unterschiede. Das Toilettenpapier, das durch die Kommune bestellt wird, ist immer dreilagig. Und kommt Bruckmühl sogar kostengünstiger, als auf weniger Lagen zu setzen. „ Früher hatten wir nur zweilagiges Papier, das wurde dann auf dreilagig umgestellt“, berichtet Neuhausen. „Es hat sich nämlich herausgestellt, dass von dem zweilagigen Papier mehr verbraucht wird, weil es so dünn ist. Somit trägt das dreilagige zur Einsparung bei.“
Zwei- oder dreilagig
ist hier die Frage
Ein Erfahrungsbericht, der vielleicht die Nachbarkommune Bad Aibling aufhorchen lassen könnte. Denn dort wird zwar in der Stadtverwaltung nach Angaben von Franziska Vogl von der Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit dreilagiges Toilettenpapier verwendet, auf der öffentlichen Toilette am Rathaus aber nur einlagiges Papier angeboten.
Auf wie viele Lagen beispielsweise Bauhof sowie Schulen setzen, dazu konnte Vogl keine Angaben machen, denn: „Die bestellen ihr Toilettenpapier selbst.“ Auch bei der Kostenfrage hält sich Vogl bedeckt und verweist auf die derzeitige Urlaubszeit.
Welche Rolle die Rollen Toilettenpapier im kommunalen Haushalt spielen, dazu kann auch die Stadt Kolbermoor keine Angaben machen. „Kosten zu ermitteln ist ein riesiger Aufwand“, teilt Christian Poitsch vom Stadtmarketing mit. Insgesamt ist das Thema innerhalb der Verwaltung kein großes, wie Poitsch zu verstehen gibt.
„Leider hält sich das Lob über unser Toilettenpapier genauso in Grenzen wie – Gott sei Dank – die Kritik“, schreibt der Stadtmitarbeiter per E-Mail. „An wen sollte Mensch sich mit seinem Lob aber auch wenden, da wir – noch – keine/n Toilettenpapierbeauftragte/n bei der Stadt Kolbermoor haben. Und ich hoffe innigst, eine Einführung desselbigen/derselbigen nicht vor dem Ende meiner Zeit hier erleben zu müssen.“
Was die Stadt aber auf Anfrage des Mangfall-Boten verrät: Dass sie bei der Bestellung versucht, auch „ökologische Gesichtspunkte zu berücksichtigen“. Und zudem auf Hamsterkäufe verzichtet.
„Wir haben keine Bevorratung angelegt und hatten dies auch nicht in der Corona-Zeit“, so
Christian Poitsch, ehe er am Ende des Schreibens darauf hinweist: „Jetzt wende ich mich nach diesen Fragen der Ein-, Zwei- oder Drei-Lagigkeit wieder den ebenfalls zu bearbeitenden vielschichtigen Kolbermoorer Themen zu.“
Ob es mit den vielschichtigen Themen der beiden Kommunen zu tun hat, dass die Gemeinden Feldkirchen-Westerham und Bad Feilnbach beim Thema Toilettenpapier zum absolut stillen Örtchen avancieren? Eine Frage, die nicht zu beantworten ist. Tatsache ist aber, dass die vor rund einer Woche seitens des Mangfall-Boten gestellten Fragen bis zuletzt unbeantwortet bleiben, aus den dortigen (Rat-)Häuserln absolute Funkstille herrscht.
Tuntenhausen hat
andere Bedürfnisse
Richtig für Magengrummeln gesorgt haben müssen die Fragen des Mangfall-Boten in der Verwaltung der Gemeinde Tuntenhausen. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir wichtigere Dinge zu erledigen haben, als Zeit in die Beantwortung Ihrer Fragen zu diesem in unseren Augen belanglosen Thema zu investieren“, teilt Erik Thomas, Leiter der Gemeindeverwaltung, per E-Mail mit.
Um sich anschließend sicherlich wieder um wichtigere kleine und große Geschäfte kümmern zu können. Welche Bedürfnisse in der Gemeinde derzeit so dringend sind? Darüber wird dann sicherlich die nächste Sitzung – natürlich des Tuntenhausener Gemeinderats – Aufschluss geben.
Mathias Weinzierl