Rosenheim – Es sind scharfe Worte, die Stefan F. findet, um den Busverkehr in der Stadt zu beschreiben. „Rosenheim ist berühmt für ein super gemütliches Herbstfest, eine hohe Lebensqualität und einen grottenschlechten ÖPNV“, schreibt er in den sozialen Medien. Noch deutlicher wird Martin N.: „Der Bus nach Aising kam 20 Minuten später und war übervoll. Wenn Tiere so transportiert werden, würde es eine Anzeige geben.“
Nüchterne Bilanz nach
ersten Wiesn-Tagen
Die Bilanz nach den ersten Wiesn-Tagen fällt für den Rosenheimer Stadtverkehr mehr als nüchtern aus. Die Rede ist von Ausfällen, erheblichen Verspätungen und überfüllten Bussen. Doch eine Verbesserung scheint nicht in Sicht. „Eine Taktverdichtung oder mehr Busse sind laut Verkehrsgesellschaft aktuell nicht geplant“, sagt Michael Wiesheu, stellvertretender Pressesprecher der Stadt Rosenheim, auf Anfrage.
Die Verspätungen beliefen sich ihm zufolge im Schnitt auf zehn Minuten. „Ursächlich dafür war zum einen das hohe Verkehrsaufkommen zu den Stoßzeiten, zum anderen behinderten sich auf der Fahrbahn befindliche Fußgänger das Fortkommen der Busse“, heißt es aus dem Rathaus.
Auch auf einen weiteren Kritikpunkt der Rosenheimer ging der stellvertretende Pressesprecher ein. So hatte es am ersten Wiesn-Samstag Verwirrung darüber gegeben, wo die Busse abfahren. Die Stadt hatte in einer früheren Anfrage davon gesprochen, dass die Nachtlinien in diesem Jahr an der Kaiserstraße gegenüber der Polizei halten. Die Fahrpläne hingen jedoch in der Herbststraße am Wiesntor aus. Dort wiederum gaben Security-Mitarbeiter Wiesn-Besuchern jedoch den Tipp, lieber andere Haltestellen aufzusuchen. „Leider wurden die Busse fälschlicherweise vom Sicherheitspersonal umgeleitet“, bestätigt Wiesheu. Fakt sei jedoch, dass die Busse in der Herbststraße abfahren. Also genau dort, wo auch die Fahrpläne aushängen. Zumindest in diesem Punkt dürfte es ab sofort also keine Verwirrung mehr geben. Was die Verspätungen und überfüllten Busse angeht, scheint keine Verbesserung in Sicht.
Denn – anders als in den Vorjahren – wird auch der Direktbus um 23 Uhr vom Herbstfest zum Bahnhof nicht mehr angeboten. „Quasi jeder Bus, der von der Herbststraße abfährt, fährt über die Stadtmitte zum Bahnhof. Insofern wurde in der Planung auf einen Direktbus verzichtet“, begründet Wiesheu die Entscheidung.
Angebot
eingestampft
Das Problem: Die Menschen, die zum Zug wollen, haben in diesen Bussen – vor allem an gut besuchten Wiesn-Tagen – schlicht keinen Platz. Aus diesem Grund wurde in den Vorjahren auf einen zusätzlichen Direktbus gesetzt. Doch ähnlich wie der „Promille-Express“ wurde auch dieses Angebot eingestampft.
Kein Verständnis dafür hat Stefan F. Der gebürtige Rosenheimer wohnt mittlerweile im Landkreis Miesbach. Er ist schon in den Städten Heidelberg, Mainz, Speyer, Nürnberg und auch München Bus gefahren. Sein Fazit lautet: „Überall funktioniert es besser als in Rosenheim.“