Kolbermoor – Es ist noch keine zwei Wochen her, da überlegte man sich bei der Stadt, ob man die Freibadsaison in diesem Jahr nicht erstmalig verlängern sollte. Das damals noch traumhafte Wetter nutzen, sozusagen als Ausgleich für den mehr als durchwachsenen Start im Mai und Juni. Doch dann besann sich der Wettergott anders und beschloss, die Saison so zu beenden, wie sie gestartet war: kalt und nass.
Kalter und
nasser Start
Für Helmut Eggerl und Charlie Meier, die beiden, die auf das Schwimmbad und dessen Gäste ein waches Auge haben, brachte das zu Beginn so ungemütliche Wetter ein ganz neues Erlebnis. Und zwar durch den Ansturm, den das Freibad erlebte, wenn das Wetter einmal so war, wie es sich für die Jahreszeit gehört, nämlich sommerlich.
Wegen Überfüllung
geschlossen
Am Sonntag, 21. Juli, musste das Bad wegen Überfüllung geschlossen werden. Ein Datum, das die beiden genau im Kopf haben, weil es so etwas im Kolbermoorer Freibad noch nie gegeben hatte. Um 14 Uhr, so erzählt Helmut Eggerl, hatte schon Rosenheim wegen des Andrangs dichtgemacht und um 16 Uhr war es dann auch in Kolbermoor so weit: Es ging nichts mehr. Rein durften nur noch so viele, wie das Bad verließen, denn drin waren schon gut 3000 Menschen, und damit war die Grenze dessen erreicht, was man noch verantworten konnte. Für Helmut Eggerl und Charlie Meier bedeutet mieses Wetter und damit weniger bis keine Badegäste keinesfalls weniger Arbeit. Im Gegenteil. Denn es bleibt ja meist nicht bloß beim Regen, oft kommt Wind und Sturm hinzu und da, so die beiden, gilt die Faustregel: 20 Minuten ordentlicher Sturm sind sechs Stunden Arbeit, bis Grünflächen und vor allem die Becken wieder ihren ordentlichen Zustand haben. Nicht selten in diesem Jahr legten sie deshalb ganz frühe Frühschichten ein, um alles bis zur morgendlichen Eröffnung wieder fertig zu haben. Ansonsten, so Helmut Eggerl und Charlie Meier, verlief die Saison aber ruhig, sprich, ohne dass es irgendeinen größeren Unfall gab. Auch „kleinere“ Probleme, wie etwa Bein- und Armverletzungen oder allergische Schocks wegen eines Bienenstichs gab es in diesem Jahr kaum, weswegen die Saison für die beiden unterm Strich sogar eine gute war. „Richtig froh sind wir am Ende eines Freibadsommers immer dann, wenn nichts passiert ist.“
Gute und schöne Ereignisse sind hingegen sehr willkommen und da gab es im vergangenen Jahr zumindest einen richtigen Höhepunkt: den Besuch eines Brautpaares. Die beiden hatten sich, so erzählt Charlie Meier, vor gut 30 Jahren im Freibad kennengelernt, dann aber aus den Augen verloren. Und wie Amor will, trafen sie sich nach 30 Jahren im Bad an derselben Stelle wieder, an der sie sich einst kennengelernt hatten. Verständlich, dass die beiden den ursprünglichen Fehler nicht noch einmal machen wollten und deshalb ein Jahr danach heirateten. Logischerweise verbunden mit einer Stippvisite im Freibad und das, wie es sich gehört, auch mit einem Sprung ins Becken, und zwar im vollen Hochzeitsornat.
Bad auf den
Winter vorbereiten
Bleibt die Frage, was für Helmut Eggerl und Charlie Meier jetzt ansteht. Es ist noch nicht der Urlaub, denn vorher muss das ganze Bad wieder aufgeräumt und auf den Winter vorbereitet werden. Das Ablassen des Wassers gehört übrigens nicht dazu, das passiert erst vor dem nächsten Saisonstart, jetzt wird der Wasserspiegel nur abgesenkt. Damit wird vermieden, dass Frost die nackten Fliesen beschädigen könnte. Kalt genug dafür wird es in jedem Winter. Aber die, in denen die Becken sich mit einer Eisschicht von einem halben Meter Stärke bedecken, gibt es hingegen schon lange nicht mehr. Das letzte solche Ereignis, an das sich Helmut Eggerl erinnern kann, liegt über 20 Jahre zurück.
Endlich Urlaub auch
für Bademeister
Für die zwei vom Schwimmbad beginnt jetzt auch die Urlaubszeit. Und während Helmut Eggerl Golf spielen gehen will, sagt Charlie Meier voller Überzeugung: „Ich fahr irgendwo in den Süden, dorthin, wo es noch warm ist, und dann bin ich es, der am Strand liegt und den lieben Gott einen guten Mann sein lässt.“