Kolbermoor – Gut 60 Kolbermoorer fanden sich bei der vergangenen Sitzung des Bauausschusses ein. Ein Besucherandrang, den das Gremium nur selten verzeichnet. Der Grund: Auf der Tagesordnung stand der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Kolbermoor Nord-Ost.
Die meisten Gäste hatten sich darunter mehr vorgestellt, als dieser Tagesordnungspunkt tatsächlich beinhaltete. Ein „Aufstellungsbeschluss“, so erläutert Bürgermeister Peter Kloo, ist im Grunde nichts anderes, als dass die Absicht des Stadtrates, einen Bebauungsplan zu entwickeln, formal festgehalten wird. Über Inhalte und Gestaltung des Bebauungsplans können zu dieser Zeit noch keine Aussagen gemacht werden, denn mit seiner Entwicklung könnte ja erst jetzt begonnen werden. Zumindest theoretisch, denn in der Praxis sind hierfür noch viele Vorarbeiten nötig. Weil aber in der Öffentlichkeit Unsicherheit über das Prozedere zu herrschen scheint, hat der Mangfall-Bote Bürgermeister Peter Kloo gebeten, dessen Ablauf zu skizzieren.
Herr Bürgermeister, wo steht die geplante Quartiersentwicklung für Kolbermoor Nord-Ost derzeit?
Immer noch ganz am Anfang. Die Workshops, in denen sich der Projektausschuss über eine mögliche Entwicklung des Quartiers Gedanken machte, fanden ja erst im Frühsommer und Sommer statt. Der Stadtrat sieht hier die große Chance, neuen Wohnraum zu schaffen. Den wird Kolbermoor, das zeigt jede demografische Prognose, in der Zukunft dringend brauchen. Normalerweise kann zusätzlicher Wohnraum nur über punktuelle Nachverdichtung geschaffen werden, was immer nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein kann. Hier aber bietet sich die Chance, das in etwas größerem Rahmen zu tun und vor allem: dabei nicht nur einzelnen Wohnraum in eine vorhandene Umgebung hineinzuzwängen, sondern ein richtiges Viertel zu schaffen, samt durchdachter Verkehrsplanung, mit viel Grün und Gelegenheiten zur Begegnung für junge und ältere Kolbermoorer, kurz ein Viertel, das positiv über seine Grenzen hinaus strahlt.
Und der Entwurf dazu wurde in den Workshops des Projektausschusses erarbeitet?
Nein, von einem Entwurf kann bei dessen Arbeit noch keine Rede sein. Es geht zunächst um einen ersten Rahmenplan und an dem arbeitet seit gut vier Wochen ein Stadtplanungsbüro. In den Workshops hingegen wurde quasi eine Wunschliste dessen erarbeitet, was ein neues Viertel zu bieten haben sollte. Unter anderem eben viele Grünflächen, aber auch Möglichkeiten zur Begegnung, zu Spiel und Sport.
Wann wird der genannte Rahmenplan der Öffentlichkeit vorgestellt werden?
In der nächsten Stadtratssitzung werden wir im Stadtrat den Sachstand der bisherigen Planungsüberlegungen vorstellen, die im Wesentlichen aus der Analyse der Handlungsfelder bestehen und die daraus abgeleiteten ersten Lösungsansätze. Auch die ersten Einschätzungen des Verkehrsgutachtens und der Entwässerungsthematik liegen mittlerweile vor und können nun für die weitere Planung herangezogen werden.
Ist dieser Entwurf dann schon die Grundlage des nunmehr beschlossenen Bebauungsplans?
Beileibe nicht. Es ist sozusagen immer noch eine Rohvorlage, die vom Projektausschuss weiter bearbeitet und ganz sicher in vielen Details noch verändert werden wird. Derzeit kann etwa von möglichen Hausgrößen, von denkbaren Flächenzuschnitten noch keine Rede sein, das wird alles erst erarbeitet. Im Dezember aber hoffen wir, einen Entwicklungsvorschlag zu haben, der in den meisten Punkten bereits Hand und Fuß hat, und damit erstmals eine vernünftige Diskussionsgrundlage mit den Bürgern bietet. Zu diesem Zweck wird es dann eine Bürgerversammlung geben. Die Anregungen, aber auch die kritischen Fragen, die dabei geäußert werden, sind dann in den Entwurf einzuarbeiten.
Und wann kommt der Bebauungsplan?
Der kann erst danach erstellt werden, wird allerdings ebenfalls seine Zeit brauchen, denn nach seiner Erarbeitung muss er ja erst noch die üblichen Verfahrensschritte durchlaufen – öffentliche Auslegung, Einarbeitung der dabei aufgetretenen Einwände und Anregungen, erneute Auslegung mit anschließender Abwägung etwaiger erneut vorgebrachter Einwände.