Kolbermoor – Ein großes, ausgedehntes Areal als Eigentum eines Vereins mit rund 360 Mitgliedern, darauf acht Plätze und ein ansehnliches Clubheim: Die 37 Kolbermoorer, die am Montag, 13. Mai 1974, die Gründung eines Tennisclubs beschlossen, hätten sich wohl nicht träumen lassen, wie stattlich ihr Verein einmal dastehen würde.
Nichts außer
einer Idee
Denn am Anfang, so erinnert sich Peter Zach, einer der Gründerväter, war da außer der Idee eigentlich nichts, vor allem kein Gelände. Die Pacht des großen Areals an der Hermann-Löns-Straße, auf dem sich der Verein heute noch befindet, war auch alles andere als ein Selbstläufer gewesen. Etliche potenziell taugliche Flächen hatte man sich im Vorfeld angeschaut, bei allen scheiterte der noch junge Verein an den Pachtkosten oder daran, dass dort der Bau einer Tennisanlage nicht genehmigungsfähig gewesen wäre.
Selbst als man von der damals noch existierenden Spinnerei Kolbermoor ein faires Pachtangebot für das heutige Gelände erhielt, war der Bau einer Anlage noch keineswegs eine „gmahde Wiesn“. Im Gegenteil: Das Gelände war von Wald bestanden und zudem sumpfig. Die Fläche, die heute zu sehen ist, haben die damaligen Vereinsmitglieder mit ihrer eigenen Hände Arbeit der Natur buchstäblich abgerungen. Auch das damalige Clubhaus wurde so gut wie vollständig in Eigenleistung erstellt. „Das Engagement aller damaligen Mitglieder war einfach unglaublich“, erinnert sich Peter Zach, „und es war getragen von einer großen Begeisterung für den jungen Verein, dem Enthusiasmus, sozusagen aus dem Nichts heraus gemeinsam etwas auf die Füße zu stellen.“ Da war ein Gemeinschaftsgeist, der auch weit über das Tennisspielen hinausging. So hatte der Tennisclub sogar mal so etwas wie eine eigene Fußballabteilung, daneben wurde zusammen Schafkopf gespielt und man richtete Bälle aus, die durchaus zu den Höhepunkten in Kolbermoor zählten.
Einen solchen Aufbruchsgeist über Jahrzehnte hinweg zu bewahren, in denen neu Geschaffenes allmählich zum selbstverständlichen Umfeld wird, ist eigentlich unmöglich. Umso dankbarer ist Vorsitzender Kurt Kantner, dass auch die heutigen Mitglieder ihrem Verein tatsächlich noch engagiert verbunden sind und ihn nicht nur als bloßen Anbieter für Sport- und Freizeitaktivitäten sehen.
Heute zeigt sich das Engagement auch bei der Jugendarbeit: Von den derzeit etwa 360 Mitgliedern sind rund 80 Kinder und Jugendliche. „Für den Verein ist das die Sicherung unserer Zukunft“, sagt Kantner und „für ganz Kolbermoor ein durchaus wichtiger Beitrag zur Jugendbetreuung.“ Es ist auch ein eindeutiger Beleg dafür, dass sich Tennis von einer Sportart, die einst den Ruf des Elitären und Snobistischen hatte, längst zu einem Breitensport entwickelte. Es ist wahrscheinlich sogar so, dass nur wenige derer, die heute spielen, von dieser Vergangenheit überhaupt noch etwas wissen. Zur Zeit der Gründung des Vereins, so erinnert sich Peter Zach, wurde an den Kolbermoorer Stammtischen durchaus heiß diskutiert, ob Kolbermoor „sowas“ wie einen Tennisclub überhaupt brauche.
Heute ist der Verein ein fester Bestandteil des Kolbermoorer Vereinslebens und er wird es, davon sind Kurt Kantner und Peter Zach überzeugt, auch weiterhin bleiben.
Mitglieder
stehen zusammen
Das 20000 Quadratmeter große Areal ist seit 2005 Eigentum des Vereins, die Finanzlage ist solide, die Mitgliederzahlen steigen. Und auch die Frage der zukünftigen Vorstandschaften sehen beide optimistisch. „Es ist schwerer geworden, Leute zu finden, die neben ihrer Berufstätigkeit noch die Zeit haben, die Vorstandschaft für einen so großen Verein zu übernehmen“, räumt Peter Zach ein. Er selbst war zweimal Vorsitzender. „Aber finden werden wir die geeigneten Personen, das ist für mich überhaupt keine Frage“, zeigt sich Kurt Kantner optimistisch. Denn er ist davon überzeugt, dass im Fall der Fälle so gut wie alle Vereinsmitglieder wieder wie ein Mann zusammenstehen würden, so wie es nach dem Brand des ersten Clubheims im Jahr 1993 war. Damals halfen alle zusammen, um das Clubhaus wieder neu aufzubauen.