Nachbarschaftshilfe Kolbermoor unterstützt bei Demenzerkrankungen

von Redaktion

Demenzhilfe wurde 2015 ins Leben gerufen – 1,8 Millionen Betroffene deutschlandweit – Gesprächsrunden für Angehörige

Kolbermoor – „Es kann jeden treffen, deshalb wird es immer wichtiger, sich mit dem Thema Demenzerkrankung auseinanderzusetzen“, betonte Gabriele Endter, Leiterin der Demenzhilfe unter dem Dach der Nachbarschaftshilfe im Gespräch mit dem Mangfall-Boten.

Seit 1986 besteht die Nachbarschaftshilfe Kolbermoor als gemeinnütziger Verein; 2015 wurde die Demenz-Hilfe ins Leben gerufen. Wie wichtig diese Hilfe ist, zeigt die Tatsache, dass in Deutschland aktuell rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz leben, Tendenz steigend. Das Ziel der Dachorganisation Alzheimer-Gesellschaft ist es, in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation WHO auf die Situation der an Demenz erkrankten Menschen und deren Angehöriger aufmerksam zu machen. Seit 1994 gibt es am 21. September auch den „Welt-Alzheimer-Tag“. Dieser steht unter dem Motto „Demenz – Gemeinsam. Mutig. Leben.“

Die Nachbarschaftshilfe informiert nicht nur an diesem Tag betroffene Angehörige über Möglichkeiten, die Lebensqualität der an Demenz Erkrankten und deren pflegender Angehöriger zu erhalten. „Die Angehörigen sind ansonsten meist auf sich alleine gestellt, ihnen bleibt die größte Last im Umgang mit den Erkrankten, der alles andere als einfach ist“, weiß Endter aus jahrelanger Erfahrung. In den meisten Fällen betreten Familien Neuland, wenn die Erkrankung diagnostiziert ist. Deshalb sei es sehr wichtig, dass ihnen die Krankheit erklärt wird.

Der Demenzhilfe ist es daher wichtig, nicht nur umfassend durch regelmäßige Vorträge auch für Apotheken und Arztpraxen die Krankheit näherzubringen. Auch Kreditinstitute nutzen diese Gelegenheit, da deren Mitarbeiter oft nicht wissen, dass ihr Kunde an Demenz erkrankt ist und dementsprechend verwundert sind, wenn diese zum Beispiel in einem Gespräch mehrmals das Gleiche sagen. „Die Patienten wissen nicht, dass sie einen Satz schon mehrfach gesagt haben“, nennt Gabriele Endter nur eine Situation von vielen, die im Umgang mit Demenz-Patienten vorkommen können.

Auch im häuslichen Alltag gibt es immer wieder Situationen, auf welche die Angehörigen treffen. Die Nachbarschaftshilfe Kolbermoor hat zur Betreuung der Patienten mehrere ausgebildete Pflege-Fachkräfte im Einsatz, welche dafür sorgen, dass die Angehörigen beispielsweise unbesorgt zum Einkaufen gehen, einen Friseurtermin wahrnehmen oder einer Einladung aus dem Freundeskreis folgen können.

Die Forschungsarbeit zu Demenz ist seit längerer Zeit in Bewegung. Heilbar ist die Krankheit nicht, aber mögliche Ursachen konnten bereits festgestellt werden. So haben die Forschenden herausgefunden, dass verdrängte traumatische Erlebnisse zu Demenz führen können. Dazu gehören gerade bei der älteren Generation Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg, wie der Verlust von Angehörigen oder Freunden und damit einhergehende Folgen wie Flucht und Vertreibung aus der Heimat. „Darüber wurde in dieser Generation nicht gesprochen, das wurde alles heruntergeschluckt und nicht verarbeitet“, skizziert Gabriele Endter die Gepflogenheiten der Männer und Frauen dieser Zeit. Auch in der heutigen Zeit können Traumata etwa nach dem Tod eines Kindes, gleich in welchem Alter, oder des Ehepartners entstehen und sich früher oder später in Demenz der verschiedensten Formen äußern.

„Ganz wichtig ist für die Angehörigen, über die Krankheit und deren Begleiterscheinungen sprechen zu können“, weiß Endter, die im Rahmen der Demenz-Hilfe dazu regelmäßige Gesprächsrunden anbietet, die sehr gut angenommen werden. Diese geben Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen und „sich die eigenen Sorgen mal von der Seele zu reden“. Sich dabei gegenseitig Ratschläge zu geben, ist ein weiterer Baustein, der den Betroffenen das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein.

Bis zum Jahresende finden diese „runden Tische“ jeweils ab 15 Uhr am 16. Oktober, 13. November und 11. Dezember in den Räumen der Nachbarschaftshilfe Kolbermoor statt. Des Weiteren kann sich jeder Interessierte über Hilfe bei der Pflege, die auch immer ein finanzielles Thema ist, informieren und einen Beratungstermin vereinbaren. Telefonisch ist dies unter 08031/93400 zu den Bürozeiten Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 8 bis 13 Uhr möglich. Weitere Informationen liefert die Website unter www.nachbarschaftshilfe-kolbermoor.de. uhe

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