Kolbermoor – Die Stadt und das Umland von Kolbermoor befinden sich derzeit in allen verkehrstechnischen Bereichen im Wandel – von der Fahrradstraße bis zum Brenner-Nordzulauf entstehen zahlreiche große und kleine Projekte. Nicht alle Fragen dazu sind geklärt, weswegen der CSU-Ortsverband kürzlich zu einem im wahrsten Sinne des Wortes „bewegten“ Abend eingeladen hatte.
Drei Referenten konnten als Diskussionspartner und Impulsgeber für ihre jeweiligen Bereiche gewonnen werden und stellten sich den durchaus kritischen Fragen der Zuhörer.
Fahrradstraße ist
ein Schwerpunkt
Veronika Winkler, Mobilitätsbeauftragte der Stadt Kolbermoor, konzentrierte sich dabei auf die vielen kleinen und großen Problemstellen im engeren Stadtgebiet. Die vom Stadtrat beauftragte Umsetzung des Radverkehrskonzeptes samt Neugestaltung von Fahrradstraßen bildete dabei einen Schwerpunkt ihres Vortrags. Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger wolle man eine Verkehrswende im Kleinen hervorrufen, sondern durch Angebot und Motivation, so Winkler. Auf die hohen Baukosten angesprochen erklärte sie, dass diese auch in der Instandsetzung der Straßensubstanz an sich begründet seien: „Wenn wir es schon machen, wollen wir es auch ordentlich machen.“
Zur Verkehrssituation für Radfahrer in der Aiblinger Straße konnte sie leider wenig Hoffnung verbreiten, obliege diese Kreisstraße doch der Verantwortung des Landratsamtes, das derzeit aufgrund der Straßenbreite keine Möglichkeit für einen Radweg sehe. Zum Fahrrad steht in Kolbermoor ohnehin mit dem Stadtbus bereits seit Längerem eine Alternative bereit – seit etwas weniger als einem Jahr auch eingebettet in den MVV.
Felix Fitz vom Bereich Consulting erläuterte den Zuhörern Struktur und allgemeine Aufgaben des Verkehrsverbundes, ehe er näher auf die Situation in Kolbermoor einging. Anhand von Preisbeispielen rechnete er vor, auf welchen Strecken Bürger mittlerweile günstiger als zuvor unterwegs sind, verschwieg jedoch auch nicht die Teuerung, die etwa die bisher besonders günstigen Einzeltickets im Stadtbus betrifft. Im Gegenzug bedeute der Beitritt jedoch auch eine große Vereinfachung für die Fahrgäste: „Statt vier verschiedener Tickets für Bus, Bahn, BRB und U-Bahn benötigt ein Besucher der Allianz-Arena heute nur noch eine einzige Fahrkarte.“
Der perspektivische Ausbau des Verbundgebiets in Richtung Garmisch-Partenkirchen sowie die Einführung einer intelligenten App zum automatischen Fahrkartenkauf interessierten die Anwesenden genauso wie die angekündigte neue Taktung der Busse in Rosenheim und Kolbermoor sowie die Preiserhöhung zum kommenden Jahr.
Dass auch die „große Bundespolitik“ für die Mangfallstadt durchaus eine direkte Rolle spielt, ging aus dem abschließenden Impulsvortrag der Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig hervor, die bekundete, gleichzeitig auch als interessierte Kolbermoorer Bürgerin gekommen zu sein. Die 2025 zu erwartende Komplettfreigabe der Westtangente, noch vom damaligen Bundesverkehrsminister Dobrindt in die Wege geleitet, würde etwa das bereits deutlich verringerte Verkehrsaufkommen nochmals reduzieren.
Abfahrverbote
als Entlastung?
Auch das weitere Großprojekt der Region, der Brenner-Nordzulauf, betreffe Kolbermoor trotz anderslaufender Trasse selbstverständlich weiterhin. Naturgemäß nutzten viele Anwesende, darunter auch Gäste aus umliegenden Gemeinden, die Gelegenheit, der Abgeordneten direkte Anregungen und Wünsche für ihre politische Arbeit mitzugeben. „Könnten Abfahrverbote von der Autobahn so wie in Österreich nicht auch bei uns für eine Entlastung der Landstraßen sorgen?“, gab etwa Andreas Duschl Ludwig mit auf den Weg. Letztere versprach umgehend, diese und weitere Anmerkungen mitzunehmen.
Nach dem abschließenden Dank durch den CSU-Ortsvorsitzenden Leonhard Sedlbauer und seinen Stellvertreter Fabian Artmann nutzten viele der Zuhörer im Anschluss an die Diskussion auch noch die Gelegenheit, direkt mit den Referenten ins Gespräch zu kommen.