Kolbermoor – Der Kolbermoorer Stadtrat beschloss in seiner jüngsten Sitzung, den Bebauungsplan „Kolbermoor Nord-Ost“ in Angriff zu nehmen. Ein weiterer Beschluss bezog sich auf einen städtebaulichen Vertrag mit den beiden Grundstücksverkäufern. Er regelt die Kostenverteilung für die Entwicklung des Areals im Verhältnis 50 zu 50. Beide Beschlüsse fasste der Stadtrat mit jeweils vier Gegenstimmen.
Art und Form
sind noch offen
Bürgermeister Peter Kloo betonte angesichts der gut 60 Gäste bei der Stadtratssitzung im Kolbermoorer Rathaus aber noch einmal, „dass damit noch keinerlei Entscheidungen über Art und Form einer zukünftigen Bebauung getroffen sind“. Definitiv festgelegt würde diese erst im Rahmen der tatsächlichen Erstellung des Bebauungsplans, mit der im Frühjahr oder Frühsommer des kommenden Jahres zu rechnen sei.
Was bisher geschah, waren Vorüberlegungen des Projektausschusses der Stadt über die Qualitätsmerkmale, die man in einem neuen Quartier gerne verwirklicht sähe. Grob zusammengefasst geht es um ein Wohngebiet, das für die darin Lebenden möglichst attraktiv sein soll, mit viel Grün, auch grünen Sichtachsen, dabei gut geregeltem Binnenverkehr, sodass sich vielfältige Aufenthaltsmöglichkeiten ergeben.
Umfang des
Binnenverkehrs
Diese Vorstellungen werden derzeit vom Stadtplanungsbüro NVO in einem sogenannten städtebaulichen Rahmenplan erfasst. Sprich: Es wird versucht, die Wunschvorstellungen des Stadtrates in eine räumliche Realität umzusetzen. Auch bei diesem Schritt geht es noch nicht um Lage und Größe einzelner Gebäude. Wie Kloo betonte, gehe es zunächst um die mögliche Verteilung von Grün-, Verkehrs- und Bebauungsflächen. Wesentliche Voraussetzung hierfür ist Klarheit über zwei entscheidende Punkte: erstens über den zu erwartenden Umfang eines zukünftigen Binnenverkehrs. Zweitens über die Frage, ob und wie die Niederschläge, vor allem das dabei entstehende Abflussvolumen, so zu beherrschen sind, dass das gesamte Quartier auch Starkregenereignissen möglichst ohne Beeinträchtigung begegnen kann. Gleiches gelte natürlich auch für die anschließenden Stadtbereiche, deren Situation sich nicht verschlechtern dürfe, sondern nach Möglichkeit verbessern solle. Zu diesem Zweck wurde ein Verkehrsgutachten sowie auch eine hydrologische Untersuchung bereits erstellt, deren Ergebnisse Bürgermeister Kloo in gebündelter Form bei der Stadtratssitzung vorstellte. Demnach seien die Zufahrtsstraßen zum Quartier eigentlich problemlos in der Lage, den Verkehrszuwachs aufzunehmen. Wartezeiten an Kreuzungs- oder Einmündungspunkten würden sich, so die Analyse der Verkehrsplaner, auch zu Spitzenlastzeiten nur sehr unwesentlich verlängern.
Kloo betonte, dass bei der Analyse eine zukünftige Verringerung der Verkehrsströme, die etwa nach der Fertigstellung der B15 neu zu erwarten seien, ausdrücklich nicht berücksichtigt worden sei. Auch würden Zählungen, die die Grundlage der Analysen bilden, jetzt, nach Abschluss der Bauarbeiten in der Kolbermoorer Bahnhofstraße sowie der RO23 in Großkarolinenfeld noch einmal durchgeführt. Dies mache man auch deshalb, um jeden „Sonderfall-Effekt“ definitiv auszuschließen.
Die hydrologische Untersuchung habe ergeben, so erläuterte Bürgermeister Kloo, dass die anfallende Wassermenge auch nach Starkregenereignissen über Retentionsbecken zu beherrschen sei. Bei diesen Becken, so erläuterte er weiter, handele es sich um flache Geländemulden, die außerhalb von Starkregenereignissen den Charakter von normalen Grünflächen hätten. Das Ergebnis sei nicht nur eine Sicherung des neuen Areals, sondern auch eine Verbesserung der Lage derer, die schon im Umfeld wohnen. Aus den Reihen der Zuhörer war vor allem bei der Vorstellung des Verkehrsgutachtens hie und da Unmut zu vernehmen. Kloo dazu: „Es wird problematisch, wenn wir anfangen, dem eigenen Bauchgefühl mehr zu trauen als der Expertise von Fachleuten und deren wissenschaftlichen Untersuchungen“. Überdies habe ihm noch jede Verkehrslenkungsmaßnahme, wie etwa die Kreisverkehre im Bahnhofsbereich, gezeigt, dass am Ende die Fachleute recht behalten hätten, nicht aber die Warnungen mancher Bedenkenträger.
Verkehrserschließung
im Blick behalten
In der Diskussion zu den Beschlüssen wie auch zur Vorstellung des derzeitigen Sachstands der Planungen zeigte sich bei denjenigen Fraktionen, die zustimmten – SPD, CSU, Parteifreie und AfD – große Einigkeit: Von allen wurde das Projekt grundsätzlich gutgeheißen, gleichzeitig aber betont, dass der Verkehrserschließung ein besonderes Augenmerk zu gelten habe und nicht nur in dieser Hinsicht die Sorgen und Ängste der Bürger ernst zu nehmen seien.
Bürgerbeteiligung
Anfang Dezember
Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund war es dem Bürgermeister wichtig zu betonen, dass die Bürger im Rahmen einer Bürgerbeteiligung, die Anfang Dezember stattfinden soll, eingebunden seien und dass ihre Vorstellungen in die weitere Erarbeitung der Quartiers-Entwicklung sehr wohl einfließen würden. Deshalb sei die Vorstellung des bis dahin erarbeiteten Quartiers-Konzeptes bei dieser Bürgerversammlung auch nur als ein planerischer Zwischenschritt zu sehen.
Mit einer abschließenden Beschlussfassung des Stadtrates sei voraussichtlich im Frühjahr oder Frühsommer kommenden Jahres zu rechnen. Erst danach werde das Quartiers-Konzept förmlich in das Bauleitplanverfahren überführt, auch wenn dessen Beginn schon jetzt beschlossen wurde.