Kolbermoor – Es ist ein friedlicher, ein grüner Fleck in Kolbermoor, der an diesem angenehm milden Vormittag im Oktober sein schönstes Gesicht zeigt. Neben den zahlreichen Radlern, die mal eilig, mal entspannt, vorbei strampeln, sind vor allem Kinder zu sehen, die über den Spielplatz flitzen, die Rutsche hinuntersausen oder um den Springbrunnen toben. Auf den Bänken sitzen vereinzelt Spaziergänger, die das lebendige Treiben beobachten oder sich eine kleine Verschnaufpause gönnen. Kaum vorstellbar, dass das fröhliche Kinderlachen vor nicht allzu langer Zeit noch von regelrechten „Saufgelagen“ überschattet wurde.
Anwohnern
ein Dorn im Auge
Das Problem dürfte vielen Kolbermoorern, vor allem den umliegenden Anwohnern, bekannt und ein echter Dorn im Auge gewesen sein. So schilderten Bürger dem Mangfall-Boten ihre Beobachtungen, wonach im Karl-Daniels-Park – mit seinem Mehrgenerationenspielplatz und der Springbrunnenanlage – Gruppen von Betrunkenen immer wieder negativ aufgefallen seien. Von „Saufgelagen“ von früh bis spät, von Pöbeleien, Bettelei, sogar von Rauschgifthandel war sogar die Rede. Kolbermoorer, die selbst zwischenzeitlich einen Bogen um die alkoholisierten „stadtbekannten“ Personen gemacht hätten, berichten sogar davon, dass Betrunkene, Kinder und Jugendliche unangemessen angesprochen und ihnen Alkohol angeboten haben sollen.
Ein Zustand, den auch die Stadt nicht länger mit ansehen konnte. Nach immer wiederkehrenden Problemen veranlasste das Ordnungsamt im Sommer vergangenen Jahres das Aufstellen von Alkohol-Verbotsschildern. Nun, über ein Jahr später, stellt sich die Frage, was die Maßnahme, die neben der Beschilderung auch genaue Kontrollen mit sich bringt, bisher gebracht hat.
„Es gab Beschwerden, aber auch Feststellungen durch die Sicherheitswacht und die Polizei“, blickt Thomas Rothmayer, Leiter des Kolbermoorer Ordnungsamtes, gegenüber dem Mangfall-Boten zurück. Dabei sei es auch immer wieder um Ruhestörungen auf dem Areal gegangen, zu dem die Parkanlage und der Spielplatz gehören. „Leider haben auf dem Spielplatz einige Personen immer wieder Alkohol konsumiert“, berichtet Rothmayer. Er habe damals „sehr lange mit mir gehadert, ob ich ein Alkoholverbot aussprechen soll“, sagt der Leiter des Ordnungsamtes.
Eine Frage der
Verhältnismäßigkeit
Das Problem sei die Frage der Verhältnismäßigkeit gewesen. Denn, wenn sich jemand ordentlich verhält und im Park ein Glas Wein oder ein Feierabendbier trinkt, war dagegen überhaupt nichts zu sagen. Aber: „Es steht außer Frage, dass man im Bereich des Spielplatzes keinen Alkohol trinken und keine Drogen konsumieren sollte.“ Da der dortige Konsum jedoch teils von früh bis spät unter anderem zu erheblicher Lärmbelästigung geführt hatte, sah sich das Ordnungsamt dazu gezwungen, einzugreifen. Der besagten Gruppierung, die laut Rothmayer aus „wechselnden Personen“ bestanden habe, hat die Stadt kein Hausverbot ausgesprochen, sondern in dem Bereich ein allgemeines Alkoholverbot verhängt. Denn: „Der Platz ist für die Allgemeinheit gedacht, es ist ein Mehrgenerationenspielplatz“, so Rothmayer. Und ihm zufolge hat die Maßnahme zusammen mit der Präsenz der Sicherheitswacht durchaus schon Wirkung gezeigt.
Spielplatz wieder
bedenkenlos nutzbar
Denn auch wenn Rothmayer durchaus wisse, dass die angesprochenen Personen nun teils woanders Alkohol trinken und das ebenso nicht bedeute, dass sie sich gar nicht mehr am Karl-Daniels-Platz aufhielten, so erkenne er durchaus eine Verbesserung. Dies bestätigt auch die ausbleibende Rückmeldung zwecks dort erfasster Ordnungswidrigkeiten seitens der Polizei, die der Stadt Kolbermoor in diesem Jahr noch keine entsprechende Anzeige vorgelegt hat.
Zudem gibt es Rückmeldungen einiger Eltern, die sehr froh darüber seien, dass der Spielplatz nun wieder bedenkenloser genutzt werden könne. Denn vor allem die Kinder waren die Leidtragenden der „Saufgelage“. Eine Antwort auf eine entsprechende Nachfrage beim benachbarten AWO- Kindergarten „Momo“, inwiefern man dort von den besagten Personen betroffen war und ob sich die Situation gebessert habe, steht noch aus. Bleibt letztlich abzuwarten, ob der friedliche, grüne Fleck in Kolbermoor auch künftig als ein Ort der Ruhe genutzt werden kann, an dem höchstens fröhliches Kinderlachen lautstark zu hören ist.