„Wenigstens im Kleinen etwas ändern“

von Redaktion

Heidi Andrä ist ein Kolbermoorer Urgestein und gerade aus der Kleiderkammer nicht mehr wegzudenken. Dabei nutzt sie den Ort, um etwas gegen Ungerechtigkeit zu tun. Was die 62-Jährige umtreibt.

Kolbermoor – „Ungerechtigkeiten kann ich nur schwer ertragen“, sagt Heidi Andrä. Die 62-Jährige ist ein bekanntes Gesicht in Kolbermoor, der Stadt, in der sie seit jüngster Kindheit lebt und wo sie sich über Jahrzehnte hinweg in vielen Bereichen engagiert. Im Gespräch mit dem Mangfall-Boten verrät sie, was ihr besonders wichtig ist, was sie antreibt und warum eine Kleiderkammer auch ein sozialer Treffpunkt sein kann.

Klar ist: Die Liste ihrer ehrenamtlichen Tätigkeiten ist lang. Beispiele bilden ihr Einsatz in Jugend- oder politischen Gruppen, im Elternbeirat oder Eltern-Kind-Gruppen sowie auch bei der „afa“ in Kolbermoor, der Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen. Eine große Bandbreite, die sich etwa durch ihren jahrelangen Einsatz in der Flüchtlingsarbeit verdeutlicht. So bringt Heidi Andrä beispielsweise Migranten in Kursen Deutsch bei.

Seit 25 Jahren bei
der Kleiderkammer

Andrä will etwas bewegen. Den allermeisten wird die Kolbermoorerin, die beruflich viele Jahre als selbstständige Kauffrau mit einem Geschäft für Naturkost und Buchhandel arbeitete, später in der Erwachsenenbildung im evangelischen Bildungswerk tätig war und nun seit mehreren Jahren pädagogische Ergänzungskraft in der Ganztagsbetreuung in der Grundschule in Kolbermoor ist, aus der Kleiderkammer bekannt sein.

Womit man schnell wieder beim für sie schwer zu ertragenden Thema Ungerechtigkeit angelangt ist. Andrä war immer wichtig, „wenigstens im Kleinen etwas zu ändern“, was in puncto Gerechtigkeit bei der Kleiderkammer durchaus sehr gut möglich sei. „Viele unserer Kunden haben nur sehr wenig Geld und sind dankbar für unser Angebot“, sagt Andrä. Einige seien Stammkunden, die auch manchmal jemanden zum Reden brauchen und andere kommen nur ab und zu. Manche kämen seit 20 Jahren.

„Wir können dort manchmal neben dem Kleiderverkauf auch praktische Lebenshilfe geben.“ Kunden erfragten Ratschläge für alle Lebenslagen. Auch gebe es immer wieder zahlreiche schöne Momente, etwa wenn etwas gut passt und der Kunde sich freut über das neue Kleidungsstück. Zweimal seien aus guten Kundinnen sogar auch Kolleginnen geworden, erzählt die Kolbermoorerin.

Vor einem Vierteljahrhundert stieg Andrä bei der Kleiderkammer ein, die es zu diesem Zeitpunkt seit drei Jahren gab und die kurz vor der Auflösung stand. „Ich bin jetzt 25 Jahre dabei, und das immer gerne“, sagt sie voller Überzeugung. So erlebte sie zwei Umzüge im Gemeindehaus und die Erkenntnis, dass der Bedarf ständig gestiegen sei.

Der große Vorteil der Kolbermoorer Kleiderkammer: „Wir können sehr günstige Preise anbieten, da wir keine Miete zahlen müssen.“ Einkaufen könne dort jede und jeder, der Secondhand-Ware mag, „egal wie groß der Geldbeutel ist“. Ob der Bedarf an gebrauchten Klamotten auch aufgrund des steigenden Umweltbewusstseins gestiegen ist, kann Andrä nicht beurteilen. Sie weiß jedoch: „Es gibt heutzutage auf jeden Fall mehr Menschen, die weniger Geld haben.“ Ihnen und allen anderen Interessierten steht sie mit ihrem Team der Kleiderkammer immer montags im evangelischen Gemeindehaus von 15 bis 17 Uhr zur Verfügung.

Kleidung nicht einfach
vor die Tür stellen

Dabei ist es der 62-Jährigen wichtig, zu betonen, dass eine qualitative Kleiderkammer nur dann gut funktionieren kann, wenn die Ware persönlich und in ordentlichem Zustand abgegeben wird. Sie dürfe nicht einfach vor die Türe gestellt werden. „Im Moment nehmen wir Winterware an“, sagt Andrä, die sich neben vielen beliebten Stücken in Zukunft auch ein wenig mehr Absatz bei „unseren schönen Abendkleidern“ wünscht. Hierfür fehle tatsächlich noch ein wenig die Kundschaft, sagt Andrä und hofft auf Besserung.

Die Warenannahme findet zur Öffnungszeit am Montag von 15 bis 17 Uhr statt.

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