Kolbermoor – „Kunst will Neues zeigen, will neue Blicke auch auf Bekanntes öffnen und erschließt dadurch neue Welten. Ist sie deshalb nur etwas für junge Künstler? Nein, denn auch in fortgeschrittenen Jahren nehmen Neugier, Abenteuersinn und die kreative Lust darauf, Neues zu schaffen, nicht ab.“ Das sagte Sabine Koschier, Mitglied der Kolbermoorer Künstler, bei ihrer kleinen Rede zur Vernissage der 45. Ausstellung des Künstlerkreises in der Aula der Pauline-Thoma-Schule.
Und die ausgestellten Werke geben ihr Recht: Beeindruckend ist auch in diesem Jahr nicht nur die Bandbreite der Werke der Teilnehmer – von gegenständlichen über kubistische bis zu abstrakten Werken sind Arbeiten zu sehen –, sondern vor allem auch deren individuelle schöpferische Vielfalt. Da ist etwa Manfred Priller, der nicht nur malt, sondern auch E-Gitarren selbst baut: Die sind zwar absolut bespielbar, in ihrer Form und mit ihrer jeweils völlig eigenständigen Persönlichkeit aber ebenso vollwertige kleine Kunstwerke.
Kleine Tänzerinnen
machen beste Laune
Da ist auch Ingeborg Benninghoven, die neben ihren Bildern kleine „Skulpturen“ aus Pappmaché ausstellt, fröhliche kleine Tänzerinnen, die schon beim ersten Anblick beste Laune machen. Man sieht ihnen an, dass sie ihrer Schöpferin bei der Erschaffung selbst jede Menge Spaß machen. Doch auch von den aktuellen Bildern von Ingeborg Benninghoven geht Heiterkeit, geht Stille, manchmal auch extrovertierte Lebenslust aus. Wenn sie selbst nicht ausgeglichen sei, fehle ihr meist auch der Impuls, sich an ein Bild zu machen, sagt sie.
Bilder also ein Spiegel der eigenen Seelenlage? Für nicht wenige der Kolbermoorer Künstler scheint das so zu sein. Etwa auch für Loz Verney, dessen Bilderreihe auch dunklere Facetten des Lebens darstellt. „Auf jeden Fall sind Bilder eine Möglichkeit, etwas, das in einem umgeht, sei es positiv oder negativ, nach außen zu bringen und Gestalt werden zu lassen“, sagt Hanni Harzenetter. Für sie ist es deshalb kein Problem, sich von einem Bild durch Verkauf zu trennen. „Meine Bilder sind meist gemalte Emotionen, sie haben für mich auf eine gewisse Dauer ihre Gültigkeit, dann aber ist es durchaus Zeit, dass sie bei anderen neue Bedeutung gewinnen.“
Bilder sind
veränderlich
Die Bilder dienen dann wohl als Spiegel der Gemütslage für die neuen Besitzer, und das gilt sicher für die meisten der ausgestellten Werke: Je nach eigener Stimmung zeigen Bilder, selbst gegenständliche, immer neue Facetten: Sobald man sich ein wenig darauf einlässt, ist ein Bild kein unveränderlicher Gegenstand mehr, sondern wird täglich neu und anders wahrgenommen.
Eines gilt sicher ebenfalls für die meisten Kolbermoorer Künstler: Dass der Schaffensprozess einen ganz besonderen Reiz hat. Es ist sicher nicht immer so, wie bei Hanni Harzenetter, die sagt, dass sich das Bild, sobald sie die ersten Pinselstriche aufgetragen hat, gewissermaßen von selbst male: Linien, Farbflächen, Figuren tauchen auf, wollen verbunden werden, verschwinden bisweilen auch wieder. Die kubistischen Werke von Erich Wagner zum Beispiel müssen durchkomponiert sein, um zu wirken. Aber eines dürfte wohl für alle zutreffen: Sobald man im Schaffensprozess eingetaucht ist, wird er zum „Flow“, es ist dann nicht mehr man selbst, der malt, „es malt einen“.
Kein Wunder, dass man allen Kolbermoorer Künstlern ihre Begeisterung für ihr Tun ansieht, diese Freude auch allen Bildern entnehmen kann. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass die Vernissage wie auch die Ausstellungswoche zu einem festen Höhepunkt im Kolbermoorer Kulturleben geworden ist. Die Zahl der Vernissage-Besucher bewies dies jedenfalls auch dieses Jahr.