Zum Artikel „AfD droht Aiblinger Vereinen wegen angeblicher politischer Handlung“ (Lokalteil):
Statt den Schwachen zu helfen und die Mächtigen herauszufordern, scheint Herr Winhart sich lieber auf gemeinnützige Vereine zu stürzen, die sich für Demokratie und Miteinander einsetzen. Sein Kreuzzug gegen das „Lichterme(e)hr für Demokratie“ ist dafür ein besonders fragwürdiges Beispiel. Ist es vielleicht die Furcht vor der transformativen Kraft demokratischen Engagements, die ihn antreibt. Statt jedoch einen konstruktiven Beitrag zum politischen Diskurs zu leisten, ergeht er sich in sophistischen Unterstellungen einer „verdeckten Parteienfinanzierung“ und postuliert unbelegte Vorwürfe gegen Vereinsvorstände, die angeblich die Interessen ihrer Mitglieder verraten hätten. Wer sich an Lichtern für Demokratie stört, sollte vielleicht darüber nachdenken, ob er nicht lieber im Schatten bleibt. Während er vorgibt, die Interessen der Spender und Mitglieder der Aiblinger Tafel zu schützen, unterminiert er zugleich die Integrität und das Engagement jener, die ehrenamtlich für das Gemeinwohl eintreten. Diese Dialektik ist widersprüchlich und destruktiv. Wer sich durch eine Veranstaltung, die für Demokratie wirbt, derart provoziert fühlt, sollte ernsthaft reflektieren, ob er in einem demokratischen System richtig verortet ist. Gleichwohl hat dieser jüngste Vorstoß einen positiven unfreiwilligen Nebeneffekt: Er offenbart unmissverständlich die wahre ideologische Ausrichtung der AfD und ihrer Vertreter. Dies könnte insbesondere denjenigen Wählern, die bislang aus Protest für diese Partei gestimmt haben, ein Ansporn sein, sich wieder auf eine der demokratischen Parteien zu besinnen. Es braucht Politiker, die aufbauen, nicht abreißen – und Lichter anzünden, statt sie auszublasen.
Reiner Hellbach
Kolbermoor