Mehr Trinkwasserspender in Kolbermoor

von Redaktion

Wunsch aus Bürgerversammlung – Vorschriften und Hygieneanforderungen immens

Kolbermoor – Die Anregung kam von einer Bürgerin, die ihr Anliegen auch auf der jüngsten Bürgerversammlung mit Nachdruck vorbrachte: „Wir haben hier in Kolbermoor super Trinkwasser. Ich hätte den großen Wunsch, dass es in unserer Stadt auch Trinkwasserstelen oder -brunnen gibt. Es gibt Kinderspielplätze, das Schwimmbad und das Rathaus, es gibt Schulen, wo es praktisch wäre, dass sich die Bürger Wasser zapfen könnten. Das müssen keine Hochleistungs- oder Hochglanzbrunnen sein“, meinte die Rednerin und verwies auf zahlreiche Länder, in denen das selbstverständlich sei.

Möglich sei das schon, meinte Bürgermeister Peter Kloo. Er gab aber Hürden zu bedenken: „Wer jemals schon ein Fest veranstaltet hat und sich mit der Genehmigung von öffentlich zugänglichen Trinkwasserzapfstellen auseinandergesetzt hat, mit den Vorschriften, dem Wasserhaushaltsgesetz und den Hygieneanforderungen, der weiß, dass es nahezu unmöglich zu gewährleisten ist, dass alles den Hygienevorschriften entspricht.“

Auflagen vom
Gesundheitsamt

Wenn es um Außentrinkwasseranlagen an Kindergärten gehe, „kann Ihnen das Bauamt ein Lied davon singen, welche riesigen Auflagen wir hier vom Gesundheitsamt bekommen. Es ist fast unmöglich, so etwas zu erfüllen. Da sind wir in Deutschland leider an der Spitze des europäischen Bürokratismus“, bedauerte Kloo.

Zwei Trinkwasserzapfstellen gebe es bereits in Kolbermoor: eine an der Schule, eine im Rathaus. „An der Schule allerdings haben wir das Problem, dass der Hausmeister dort jeden zweiten Tag Kaugummis entfernen muss und die Anlage immer wieder kaputt ist.“ Dort sei entschieden worden, die Zapfstelle wieder abzustellen, „weil sie öfter kaputt ist, als sie läuft“.

Was die Zapfstelle am Rathaus angeht, so sei seine Beobachtung, dass diese so gut wie nie in Anspruch genommen werde – „höchstens, wenn Kinder bei einer Hochzeit ein bissl rumtoben und sich gegenseitig anspritzen“. Kloos Fazit: „Es ist extrem schwierig, Trinkwasserzapfstellen an öffentlich zugänglichen Plätzen bereitzustellen, fast unmöglich.“ Dem Einwand der Bürgerin „In Wien gibt‘s das an jedem Spielplatz“ entgegnete er: „Wien hat auch nicht die deutsche Trinkwasserhygieneverordnung. Da muss ich nicht jede Zapfstelle bei einem Siedlerfest dreimal beproben, dann drei Tage auf das Ergebnis warten und noch 180 Euro zahlen für die Probe.“

Nichtsdestotrotz gab ihm die Rednerin ihre dringende Bitte mit auf den Weg, an dem Thema dranzubleiben. „Ich möchte einfach gern nochmal eine Diskussion anstoßen – auch im Stadtrat – ob es nicht auch in Kolbermoor möglich ist, Zapfstelen aufzustellen, an denen man sich, gerade auch, wenn es heiß ist, seine Trinkflasche auffüllen kann.“

In der Nachbarstadt Rosenheim gibt es mittlerweile rund 20 öffentliche Trinkwasserbrunnen und -stelen. „Natürlich müssen diese regelmäßig beprobt und auf bestimmte Keime untersucht werden“, beschreibt Pressesprecher Christian Baab den Aufwand, den das für die Stadtwerke Rosenheim bedeutet. Doch erachte es die Stadt als wichtig, den Bürgern gerade für heiße Tage und in Anbetracht des Klimawandels frisches Wasser an den diversen Standorten zur Verfügung zu stellen – ob in der Nähe des Eingangs zum Friedhof, am Luitpoldpark oder Am Esbaum, an der Stadtbibliothek oder am Südtiroler Platz. „Wir werden auch in Zukunft welche bauen“, so Baab.

Was Probleme mit Störungen oder Beschädigungen angehe, so kämen bei ihm keine Hinweise an, auch wenn das nicht bedeuten müsse, dass es zu gar keinen Vorfällen kommt. Wäre das Ausmaß hier aber nennenswert, würde man davon wissen.

Regelmäßige
Probenentnahme

Auch der stellvertretende Leiter der Stadtwerke Bad Aibling, Andreas Immler, kann bestätigen, dass die Hygienevorschriften zur Errichtung und zum Betrieb von Trinkwasserbrunnen „sehr herausfordernd sind“. In der Kurstadt gibt es seit heuer zwei Trinkwasserstelen – eine am Kurpark und eine am Rathaus am Marienplatz. „Wir als Stadtwerke Bad Aibling kümmern uns bei den beiden Brunnen um die regelmäßige Probennahme, um die einwandfreie Qualität des Trinkwassers sicherzustellen und nachzuweisen.“ Was den Betrieb oder eventuelle Störungen angeht, so sei dafür die Stadt Bad Aibling zuständig, die eine diesbezügliche Anfrage bis Redaktionsschluss allerdings unbeantwortet ließ.

Überwachung
der Qualität

Hinsichtlich der Vorschriften ist es nach Auskunft des Gesundheitsamtes Rosenheim so, dass Brunnen, die an der Entnahmestelle Trinkwasser zur Verfügung stellen, der Trinkwasserverordnung und somit der Überwachung durch die Behörde unterliegen. Die Betreiber seien verpflichtet, dem Amt sowohl die Errichtung als auch die Inbetriebnahme und Stilllegung sowie Änderungen an einer solchen Anlage zu melden.

Die Brunnen müssen so konzipiert und betrieben werden, dass eine Kontamination des Trinkwassers verhindert wird. „Das heißt, es dürfen keine Materialien verwendet werden, die gesundheitsschädliche Stoffe abgeben können. Und die Anlage muss so gestaltet sein, dass sie leicht zu reinigen und zu warten ist“, so eine Sprecherin des Landratsamtes. Zu den Qualitätsanforderungen erklärt sie: „Das Trinkwasser muss rein und genusstauglich sein und darf keine Schädigung der menschlichen Gesundheit hervorrufen.“ In der Tat müsse der Betreiber eines solchen Brunnens – in diesem Fall die Stadt – diesen regelmäßig überwachen, auf Funktionalität überprüfen und dies in Wartungsprotokollen festhalten. Zudem müssen in monatlichen Abständen – saisonal in der Regel von April bis Oktober – mikrobiologische Trinkwasseruntersuchungsergebnisse beim Gesundheitsamt vorgelegt werden. „Das Gesundheitsamt entscheidet nach eigenem Ermessen im Einzelfall, ob und wie oft die Einhaltung der Auflagen kontrolliert wird“, heißt es vonseiten des Landratsamtes.

Zahl derBrunnen steigt an

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