Kolbermoor – Am Sonntag wird schon die dritte Adventskerze angezündet, aus den Lautsprechern ertönt Weihnachtsmusik und in der Küche werden fleißig Plätzchen gebacken. Doch oftmals kann die eigentlich besinnliche Vorweihnachtszeit schnell in Panik umschlagen: Die To-do-Liste wird länger, die Geschenke sind noch nicht besorgt und das Festmenü auch noch nicht geplant. Coach Melanie Binder aus Kolbermoor verrät im Interview mit dem Mangfall-Boten, wie man die Adventszeit wieder ganz entspannt genießen kann.
Wir sind mittendrin in der staden Zeit. Doch woher kommt es, dass wir diese Zeit oftmals nicht richtig genießen können?
Viele Termine, lange To-do-Listen und die hohen Erwartungen – sowohl von außen als auch von uns selbst. Fakt ist, den größten Stress machen wir uns selbst. Adventskranz fertig machen, am besten noch selber basteln, die perfekte Weihnachtsdekoration, Plätzchen backen, die passenden Geschenke finden und, und, und. Hinzu kommt, dass sich viele Menschen zu Beginn des Jahres viel vornehmen und nun merken, dass sie zum Ende des Jahres noch längst nicht alles geschafft haben. Dann beginnt der (meist selbstgemachte) Druck, das alles bis Jahresende noch „erledigen“ zu wollen.
Der Stress ist
unvermeidbar?
Der Stress entsteht hauptsächlich, weil wir versuchen, zu viele Ansprüche zu erfüllen und dabei unsere eigenen Bedürfnisse zu oft hinten anstellen. Und wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse zu lange hinten anstellen, entsteht eine Stressspirale, aus der wir nur sehr schwer wieder rauskommen. So stellt sich dann bei vielen schnell Weihnachtsfrust anstatt Weihnachtslust ein.
Was kann man machen, um dem Weihnachtsfrust zu entgehen?
In der Ruhe liegt die Kraft. Nicht umsonst heißt es ja in Bayern so schön: „Die stade Zeit beginnt“. Entschleunigung zum Ende des Jahres. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan.
Also sollte
man einfach mal
loslassen?
Ein erster Schritt ist, sich selbst zu erlauben, dass nicht alles perfekt sein muss. Und wenn mal etwas anders läuft als „geplant“ oder „erwartet“: Annehmen, was es ist – denn es ist ja eh schon so, wie es ist. Wer oder was einen ärgert, bestimmt jeder selbst und so kann jeder sich entscheiden, wie er mit Unvorhergesehenem umgeht. Oft entsteht die größte Freude aus ungeplanten Momenten. Es geht darum, sich darauf einzulassen. Eine Prise Humor dazu hilft immer. Mein Tipp: Nicht alles durchtakten und planen, sondern genügend freie Zeiten einplanen, um Freiräume zu schaffen.
Schließlich kann eine To-do-Liste einen auch schnell unter Druck setzen, wenn nicht alles sofort abgehakt ist, oder?
Du musst nicht alles alleine machen. Du darfst dir Unterstützung holen. Klare und rechtzeitige Aufgabenverteilung ist eine Lösung, damit die To-do-Liste gar nicht erst so lang wird und man vermeidet das „Ich schaffe das nicht-Gefühl“ bei einem selbst. Die meisten Familienmitglieder sind dankbar, wenn sie unterstützen können und eine klare Aufgabe haben. Idealerweise werden die Aufgaben gemeinsam in der Familie besprochen und aufgeteilt. Kommunikation und Miteinander reden ist so wichtig! Heißt: Priorisieren, was ist wirklich wichtig und delegieren, was davon kann ich abgeben oder mich unterstützen lassen.
Was sind Ihre Tipps, für die Vorweihnachtszeit?
Rechtzeitig über die Erwartungshaltungen sprechen und was jeder für Vorstellungen, Wünsche und Ideen hat. Nicht erst an Heiligabend. Grundsätzlich hilft die Einstellung, sich bewusst zu machen, dass es jeder so gut macht, wie er kann. Mein SOS-Tipp für das Fest: Tief durchatmen und sich innerlich sagen: „Ich und jeder andere hier macht es so gut, wie er jetzt gerade kann“. Und man sollte nicht vergessen: Wer oder was dich ärgert, bestimmst du selbst.
Interview: Jennifer Beuerlein