Kolbermoor – Vor fünf Jahren hat die Akademie der Bildenden Künste Kolbermoor eine neue Veranstaltung initiiert: ein „Supermarkt der Kunst“. 2019 wurde das Projekt ins Leben gerufen. Eine der Verantwortlichen ist Anna Eisner, Geschäftsführerin der Akademie. Im OVB-Interview erklärt sie, was genau hinter der Veranstaltung steckt und worauf sich die Besucher am 4. Januar freuen dürfen.
Frau Eisner, was kann man sich hinter der Veranstaltung „Supermarkt der Kunst“ genau vorstellen?
Der Supermarkt der Kunst ist eine Verkaufsausstellung zu günstigen Preisen. Ausgestellt werden rund 1000 Arbeiten unserer Studenten und Studentinnen sowie unserer Alumni. Dabei handelt es sich um Bilder auf Leinwänden, Papierarbeiten, Zeichnungen, Drucke und Skulpturen. Durch die niedrigen Preise erleichtern wir die Entscheidung, Kunst zu kaufen. So können unsere Besucher auch eine Bauchentscheidung treffen und auf diese Weise den Anfang machen. Oftmals wird mit dem ersten Werk die Freude daran, Kunst zu besitzen, erst geweckt. Wir haben unser Ziel erreicht, wenn das ein oder andere Poster von einem Original verdrängt wird.
Wie hat sich das Projekt in den vergangenen fünf Jahren etabliert?
Interessanterweise werden wir, wenn sich das Jahr neigt, sowohl von Käuferseite als auch von unseren Student/innen immer häufiger gefragt, wann der nächste Supermarkt der Kunst stattfinden wird. Anfangs haben wir diese Veranstaltung alle zwei Jahre anvisiert. Inzwischen verkürzt sich dieser Rhythmus. Der letzte Supermarkt fand im Dezember 2023 statt, somit liegt nur etwa ein Jahr dazwischen. Ich beobachte, dass die Kunden des Supermarkts wiederkehren und gerne noch Bekannte mitbringen.
Und wie zufrieden sind Sie selbst mit dem Verlauf?
Der Supermarkt übertrifft meine Erwartungen. Die Nachfrage ist groß und die Anzahl der verkauften Werke spricht für sich. Vor allem aber bereitet er allen Beteiligten großen Spaß. Sobald wir die glücklichen Käufer mit ihren Bildern aus der Akademie treten sehen, ist der mit dem Supermarkt verbundene Aufwand schon vergessen.
Demnach braucht es keine Veränderungen?
Nach dem ersten Supermarkt 2019 haben wir etwas am Ablauf gefeilt, weil die Wartezeit an der Kasse zu lange war. Es gibt eine Barkasse, eine Kasse für EC-Zahlungen und Unterstützung bei der Verpackung, deren Material der Künstlerbedarfladen boesner freundlicherweise sponsert.
Wie viele Studenten werden dieses Jahr an der Veranstaltung teilnehmen und wie viele Werke werden angeboten?
Dieses Jahr nehmen 100 Studentinnen und Studenten der Akademie teil. Jeder kann zehn Arbeiten abgeben – fünf zum Hängen und fünf zum Legen. Somit kommen wir auf rund 1000 Werke.
Und wie kommen die Preise für die Werke zustande, die an diesem Tag zum Verkauf stehen?
Die Preisobergrenze ist 500 Euro. Kleinere Arbeiten sind sogar ab 30 Euro zu haben, wie wir bei der Auszeichnung feststellten. Die Preise gestalten die Künstler selbst, es muss nur die Obergrenze eingehalten werden.
Wie wird der Supermarkt von der Öffentlichkeit wahrgenommen?
Die Idee des Supermarkts wird verstanden. Durch den Abbau von Hemmschwellen erreichen wir ein neues Publikum. Durchaus jüngere Personen und solche, die sich bisher noch nicht auf unseren Ausstellungen wiedergefunden haben, kommen vorbei und genießen die entspannte Atmosphäre und die große Auswahl. Die schönste Rückmeldung für unsere Künstler sind natürlich verkaufte Werke, manchmal auch Folgekäufe und die entstehenden Kundenbeziehungen.
Sind es nur Künstler, die im Supermarkt vorbeischauen?
Natürlich kommen auch unsere Teilnehmer und Studierende vorbei, aber überwiegend sind die Besucher kaufinteressiertes Publikum aus der Region.
Also ist die Veranstaltung auch etwas für Laien in der Kunstwelt?
Unbedingt, es sind alle Interessierten herzlich dazu willkommen. Hierfür ist keine besondere Kenntnis notwendig. Gründe für den Besuch können leere weiße Wände zu Hause sein oder aber einfach Interesse an den gezeigten Arbeiten und den Akademie-Räumlichkeiten.
Worauf freuen sie sich am 4. Januar am meisten?
Am meisten freue ich mich auf die fertige Hängung, um einmal die ganze Vielfalt gesamt zu sehen, und natürlich auf die freudigen Gesichter, wenn es losgeht.
Interview Jennifer Beuerlein