Wer steckt hinter dem Phantom-Gerüst?

von Redaktion

Aktion zu geplantem Wohnbau-Projekt „Am Alpenblick“ wirft Fragen auf

Kolbermoor – Um die Dimensionen eines geplanten Parkhauses im Rahmen des Wohnbauprojekts „Am Alpenblick“ in Kolbermoor aufzuzeigen, hatten Bürger kürzlich Gerüste aufgestellt. Diese sogenannten „Phantom-Gerüste“ sollten veranschaulichen, wie hoch etwa später ein Gebäude sein könnte. Doch rund um diese Aktionen der vergangenen Wochenenden wird deutlich, dass nach wie vor Klärungsbedarf von verschiedener Seite besteht.

Tatsächliche Dimensionen

Zunächst hatte die Bürgerinitiative „Nord-Ost-Team” (N.O.T.), die die Überlegungen der Stadt und der Max von Bredow (MvB) Baukultur seit Beginn kritisch hinterfragt, mit einer Pressemitteilung auf die Gerüst-Aktion aufmerksam gemacht. Darin hieß es unter anderem, dass man „die Aktion einiger engagierter Bürger“ begrüße, die mit einem „1:1-Phantomgerüst auf dem dafür vorgesehenen Areal die tatsächlichen Dimensionen eines der geplanten Parkhäuser des sogenannten ‚Quartierszentrums Kolbermoor-Nordost‘ zeigen.“ Laut Bürgerinitiative widerspreche alleine der Anblick dieser Dimensionen einem „harmonischen“ Einfügen in die Umgebung.

In Eigenregie aufgestellt

Dass das Aufstellen der Gerüste jedoch keine Aktion der Bürgerinitiative selbst war, betonte nun ein Kolbermoorer Anlieger, der nicht namentlich genannt werden möchte, gegenüber dem OVB. „Ich muss das klarstellen“, sagte er und machte deutlich, dass er der Bürgerinitiative nicht angehöre. Er habe die Aktionen geplant und die Phantom-Gerüste in Eigenregie, nach Absprache mit dem Grundstückspächter, aufgestellt. Seinen Angaben zufolge sei er bereits vor zweieinhalb Monaten auf die Stadt Kolbermoor mit der Anregung zugegangen, mithilfe entsprechender Gerüste zur Anschaulichkeit der baulichen Dimensionen beizutragen. „Mir ging es um die sachliche Hilfestellung, nicht um Kritik, ich habe es gut gemeint. Was hier aber in letzter Zeit geschrieben und geredet wurde, geht in eine falsche Richtung.“

Da er beruflich mit der Thematik vertraut sei, habe er mithilfe einer geeichten Messschablone Größe und Lage der geplanten Gebäude anhand des gezeigten Modells problemlos hochrechnen können. „Alles, was ich gemacht habe, basiert auf den Unterlagen und der maßstabgetreuen Präsentation“, erklärt der Kolbermoorer und verweist auf die Vorstellung im Dezember im Mareis-Saal. „Ich denke, dass sich viele Menschen, die beruflich nichts damit zu tun haben, die Dimensionen räumlich nicht so gut vorstellen können.“ Entsprechende Hilfestellungen, wie eben jene Phantom-Gerüste, seien in anderen Regionen und Ländern, wie etwa in der Schweiz, absolut üblich. Auf seinen Vorschlag vor zweieinhalb Monaten habe er seitens der Stadt jedoch bis heute keine Antwort erhalten – und die Aktion nun schließlich selbst durchgeführt.

Schreiben
an die Stadt

Dass die Stadt Kolbermoor ein Schreiben, in dem die Errichtung eines Phantomgerüstes vorgeschlagen wird, erhalten hat, bestätigt nun Bürgermeister Peter Kloo auf OVB-Anfrage. Allerdings sei bereits bei der Bürgerbeteiligung am 2. Dezember, bei der auch besagter Anwohner anwesend war, mehrmals ausdrücklich darauf hingewiesen worden, „dass es sich bei dem im vorhandenen Geländemodell dargestellten Baukörpern um einen ersten Planungsentwurf handelt“, so der Rathauschef. Die Lage und Masse der Baukörper habe lediglich einen Planungsstand dargestellt, der als Diskussionsgrundlage mit den Bürgern diente, erklärt Kloo.

„Bei diesem Termin wurden sehr viele Vorschläge von den Teilnehmern eingebracht, die seit Dezember von den beauftragten Stadtplanern geprüft, abgewogen und teilweise eingearbeitet, weiterentwickelt oder teilweise auch begründet verworfen werden.“ Laut Kloo wird zum Beispiel die Lage des kritisierten Parkdecks an alternativen Standorten geprüft, nicht zuletzt auch wegen Optimierungen im Bereich der Retentionsflächen zum Hochwasserschutz und bei der Grünplanung, „da auch hier sehr konstruktive Anregungen aus der Bürgerbeteiligung eingegangen sind.“

Für die Planungen sei ein Modell im Maßstab 1:200 angefertigt worden, mit dem man flexibel Gebäudestellungen und Planungsvarianten darstellen und auch für Laien eine sehr gute Übersicht und Einschätzung zulassen könne. Das kürzlich errichtete Phantomgerüst sei nun „ohne genaue Kenntnis des Sachstandes erstellt“ worden. Die Bürgerinitiative hatte anschließend Fotos der Gerüste online veröffentlicht, auf denen grafisch erstellte Linien die Gerüste verbinden, um damit einen Baukörper darzustellen. Kloo dazu: „Das hat, gelinde ausgedrückt, eher etwas mit ‚Malen nach Zahlen‘ zu tun, als dass es einen bisherigen noch einen zukünftigen Planungsstand widerspiegelt.“

Anregungen aus
der Bürgerschaft

Der Bürgermeister stellt klar, dass man mit dem städtebaulichen Konzept erneut an die Öffentlichkeit gehen wird, sobald die Anregungen aus der Bürgerschaft eingearbeitet und vom Stadtrat abgesegnet wurden. Wann dies genau der Fall sein wird, sei noch unklar, „da fast täglich, zumindest wöchentlich, auch neue Argumente von den Fachplanern – Mobilität, Grünplanung, Immissionsschutz, Naturschutz etc. – eingehen“, die entsprechend bearbeitet werden.

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