Kolbermoor – Paare erwartet am heutigen Valentinstag in Kolbermoor ein ganz besonderes Geschenk: Denn bei der heiligen Messe um 18.30 Uhr in der Stadtkirche an der Rainerstraße können sie sich von Pater Bartholomew Aondo, der derzeit den erkrankten Stadtpfarrer Maurus Scheurenbrand vertritt, segnen lassen. Der Gottesdienst in der katholischen Kirche Heilige Dreifaltigkeit wird musikalisch vom Jugendchor begleitet, anschließend sind die Besucher zu einem Sektempfang eingeladen.
„Dieser Gottesdienst ist ein Angebot an Paare jeglichen Alters, sich bestärken zu lassen und die Liebe zueinander zu feiern“, teilt die katholische Pfarrgemeinde in ihrer Einladung mit. Doch sind wirklich alle Paare willkommen? Eine Frage, die sich angesichts regelmäßiger Debatten über den Umgang mit dem Thema Homosexualität innerhalb der katholischen Kirche sicherlich einige Menschen stellen. Pastoralreferentin Elisabeth Maier (38), die den Gottesdienst vorbereitet und auch die Predigt halten wird, gibt im Interview mit dem Mangfall-Boten dazu eine klare Antwort.
Ein spezieller Gottesdienst mit Paarsegnung zum Valentinstag – wer ist denn auf diese Idee gekommen?
Das weiß ich ehrlich gesagt nicht, denn dieses Angebot gibt es schon seit vielen Jahren. Ich bin seit 2019 als Pastoralreferentin in der Stadtkirche Kolbermoor und bereits zu diesem Zeitpunkt war dieser Gottesdienst fast schon eine Traditionsveranstaltung. Aber wie er zustande gekommen ist, kann ich nicht sagen. Es ist aber das erste Mal, dass ich dafür zuständig bin.
Was erwartet denn die Gottesdienstbesucher an diesem Tag?
Eine heilige Messe, in der es um das Thema Partnerschaft geht. Die Lesungstexte sowie die Predigt werden darauf ausgerichtet, über die eigene Partnerschaft nachzudenken. Beispielsweise sollen die Besucher dazu ermuntert werden, darüber nachzudenken, was man am Partner schätzt und was man von ihm erwartet, aber auch darüber, was schöne Momente und was schwierige Momente waren. Schließlich gibt es in jeder Partnerschaft auch Verletzungen. Und selbst auf diese kann man wohlwollend draufschauen. Im Mittelpunkt der Predigt steht dazu das Thema „Salz“. Angelehnt an das Matthäus-Evangelium, wo es heißt: „Ihr seid das Salz der Erde“.
Welche Bezüge gibt es denn zwischen Salz und einer Partnerschaft?
Da gibt es viele Dinge, auf die man Bezug nehmen kann. So verleiht Salz Würze, was auch in einer Partnerschaft wichtig ist. Salz kann zudem konservieren oder auch reinigen: Schließlich ist es sinnvoll, hin und wieder auch einen Hausputz in der Beziehung zu machen. Und letztlich bringt Salz – wie beispielsweise im Winter auf der Straße – Dinge zum Schmelzen. Und sich anderen Gegenübern von einer weichen Seite zu zeigen, passt in diesem Zusammenhang ja sehr gut.
Im Rückblick auf die vorangegangenen Jahre: Ist dieser spezielle Gottesdienst besonders gut besucht?
Er erfährt einen ordentlichen Zuspruch. Es ist nicht so, dass die Kirche da aus allen Nähten platzt. Aber er ist wirklich gut besucht und es kommen viele Menschen, denen die Paarsegnung nach dem Gottesdienst wirklich wichtig ist.
Also hat vor allem die Segnung aus Ihrer Sicht eine gewisse Zugkraft?
Ja, auf jeden Fall. Das ist für die Leute immens wichtig. Man erkennt dann schnell, dass ein Segen für die Menschen etwas ist, was nicht schadet, sondern vielleicht sogar helfen kann. Ich persönlich bin mir sogar sicher, dass es hilft. Und auch Menschen, die sich nicht so intensiv mit dem Glauben beschäftigen, reagieren ganz intensiv auf einen Segen. Wie beispielsweise jüngst beim Blasiussegen an Mariä Lichtmess: Da habe ich mir auch gedacht, wie wohlwollend doch die Menschen auf diesen Einzelsegen und die Stimmung mit den gekreuzten Kerzen reagieren. Da gehen die Besucher schon ein bisschen anders aus der Kirche raus, als sie reingegangen sind. Das berührt die Menschen.
Eine Erfahrung, die vielleicht auch gleichgeschlechtliche Paare gerne machen würden, mit denen sich die katholische Kirche aber scheinbar nach wie vor schwertut. Was, wenn ein homosexuelles Paar den Segen will?
Dann bekommen diese Menschen den Segen auch! Natürlich ist jeder zu diesem Gottesdienst und zur anschließenden Paarsegnung willkommen. Das hat übrigens auch der Vatikan in einer Grundsatzerklärung über die pastorale Sinngebung von Segnungen im Dezember 2023 ausdrücklich erlaubt. Ich habe da auch eine ganz klare Meinung dazu und kann nur sagen: „Wo Liebe ist, da ist Gott nicht fern.“
Stichwort Liebe: Sie sind selbst verheiratet, haben mit Ihrem Mann zwei Kinder. Was ist denn Ihr Rezept für eine glückliche Beziehung?
Dass man miteinander redet. So salopp es klingen mag, man muss in einer Beziehung miteinander reden – und zwar nicht nur über das Alltägliche, sondern auch darüber, wie es einem geht. Dann erkennt man in seinem Gegenüber auch sehr gut, wie wichtig man sich gegenseitig ist. Mein Mann und ich sind ja auch kirchlich verheiratet. Da gibt es im Eheversprechen die Passage „Ich will Dich lieben, achten und ehren“. Lieben ist für die Anfangszeit sicherlich ganz wichtig, aber auch das Achten und Ehren wird mit den Jahren immer wichtiger. Schließlich darf man auf keinen Fall die Achtung voreinander verlieren.
Und wie sieht es in Ihrer Beziehung mit Geschenken zum Valentinstag aus?
Ich hätte sehr gerne Geschenke zum Valentinstag – mein Mann schenkt mir aber einfach nichts. Er arbeitet ebenfalls für die Kirche und findet, dass dieser Tag reiner Kommerz ist. Er findet, dass es sinnvoller ist, mir unter dem Jahr mal einen Blumenstrauß mitzubringen.
Macht er das dann auch?
Ja, da kann ich mich nicht beschweren. Interview: Mathias Weinzierl