Zum Artikel „Grünes Licht für Flüchtlingsunterkunft?“ (Lokalteil):
Der im Mangfall-Bote erschienene Artikel zur geplanten Flüchtlingsunterkunft im Gewerbegebiet Kolbermoor zeigt einmal mehr, wie reflexartig solche Vorhaben abgelehnt werden. In Wohngebieten wird über zu hohe Bevölkerungsdichte und Verkehrsaufkommen geklagt, in Gewerbegebieten plötzlich die gewerbliche Nutzung vorgeschoben. Das Credo lautet stets: „Flüchtlinge gerne, aber nicht vor meiner Haustür.“ Dabei wird übersehen, dass auch in Gewerbegebieten von baurechtlicher Seite durchaus wohnliche Strukturen durch Befreiungen etabliert werden können – und sollten. Solche Projekte bieten Chancen, ungenutzte Flächen sinnvoll zu nutzen, Wohngebiete zu entlasten und Nähe zu Infrastruktur zu schaffen. In diesem Fall ist sogar ein Lebensmitteldiscounter in der Nachbarschaft vorhanden, was die Versorgung zusätzlich erleichtert. Stattdessen wird mit vorgeschobenen Argumenten blockiert, je nachdem, was gerade passt. Es ist Zeit, diese Doppelmoral zu durchbrechen und sachlich über Lösungen zu sprechen, die allen helfen – auch den Schutzsuchenden.
Johannes Leutgeb
Rosenheim